Historie und Histörchen (14): Wie man die Queen verärgert

Dieses Mal erzählt Hans-Peter von Thyssen Bornemisza die Geschichte der Skandalnudel Lady Norah Docker und ihren legendären Luxus Karossen aus dem Hause Daimler. Von Thyssen ist ein Journalist und Fachbuchautor, den ältere Kollegen noch unter dem Namen Hanns-Peter Rosellen kennen. Der 1941 geborene Dresdner war Redakteur bei folgenden Blättern: "Deutsche Auto-Zeitung“, der heutigen „Auto-Zeitung“, "Die Welt“, „Welt am Sonntag“ und „Bunte“, zuletzt als geschäftsführender Redakteur. Viele Konstrukteure deutscher Nachkriegs-Mobile wurden von ihm persönlich befragt. Diese Recherchen führten nicht nur zu Fachbüchern, sondern auch zu Anekdoten aus den Jahren, als das Auto in Deutschland wieder laufen lernte.

Dieses Mal erzählt Hans-Peter Thyssen von Bornemisza die Geschichte der Skandalnudel Lady Docker und ihrer legendären Luxus Karossen aus dem Hause Daimler. Von Thyssen ist ein Journalist und Fachbuchautor, den ältere Kollegen noch unter dem Namen Hanns-Peter Rosellen kennen. Der 1941 geborene Dresdner war Redakteur bei folgenden Blättern: "Deutsche Auto-Zeitung“, der heutigen „Auto-Zeitung“, "Die Welt“, „Welt am Sonntag“ und „Bunte“, zuletzt als geschäftsführender Redakteur. Viele Konstrukteure deutscher Nachkriegs-Mobile wurden von ihm persönlich befragt. Diese Recherchen führten nicht nur zu Fachbüchern, sondern auch zu Anekdoten aus den Jahren, als das Auto in Deutschland wieder laufen lernte.

Lady Locker und ihre Luxusautos

Queen Elisabeth II. von England was not amused. Das Ehepaar Docker schockte in der Klatschpresse das englische Volk immer wieder mit protzigem Luxusgehabe und gesellschaftlichen Exzessen aller Art. Das hätte der 1953 gekrönten Queen eigentlich gleichgültig sein können – doch die Dockers waren Besitzer der Autofabrik Daimler, des ältesten Auto-Herstellers in Groß-Britannien, in deren Wagen der königliche Hof ausschließlich fuhr.

1896 wurde die "Daimler Motor Company" in Coventry gegründet, in deren Aufsichtsrat bis 1898 Gottlieb Daimler berufen wurde. Kurz danach trennten sich die Wege der deutschen und der englischen Daimler-Gesellschaften. Auf beiden Seiten des Kanals entwickelten sich unabhängig voneinander Luxuswagen mit dem gleichen Namen. 1897 baute Daimler of Coventry das erste englische Auto. 1900 wurde der Daimler unter dem zukünftigen König Edward VII. zum ersten Royal Car bei Hof. 1904 erschien der erste englische Daimler, ein 3,3 Liter-Wagen. Erstmals wurde daran ein Detail vorgestellt, das künftig allen Daimler-Modellen gemeinsam war: die Kühlermaske enthielt oben eine wellenförmige Ausbildung.

Zehn Jahre später übernahm die Waffen- und Motorradschmiede BSA die Firma, die 1927 den Zwölfzylinder "Double Six" vorstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Nobelschmiede Daimler zur Spielwiese von Lady Norah Docker, die in dritter Ehe seit 1949 Gattin des Präsidenten von BSA, Bernhard Docker, war. Docker war ein reicher Mann. Ihm gehörte eine Reederei, er war Vorstandsvorsitzender der "Birmingham Small Arms"(BSA) Motorrad- und Auto-Schmiede, er war Direktor der Midland-Bank und Besitzer des Reiseveranstalters Thomas Cook. Lady Docker(1906-1983) nahm mit Einverständnis Ihres Gatten die noble Autofirma Daimler als Spielwiese für ihre Auto-Träume. Von 1949 bis 1955 waren die protzigen "Docker-Daimler" auf der Londoner Motor Show stets Titelthema der Klatschpresse.

Da gab es den Daimler Golden Zebra. Das Gold Auto war ein Touring-Limousine auf demThirty-Six-Eight-Chassis. Das Auto wurde mit 7000 kleinen goldenen Sternen bedeckt, und alle Teile, deren Beschichtung normalerweise aus Chrom gewesen wäre, trugen eine Gold-Auflage. Dieses Auto wurde zum persönlichen Gebrauch von Norah Docker gebaut und 1951 auf den Autosalons in Paris, in den USA und in Australien präsentiert.

Daimler Blue Cover

1952 beauftragte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Bernhard Docker die Firma Daimler, auf dem Fahrwerk eines Thirty-Six-Eight-Fahrwerks eine zweitürige Coupé-Karosserie zu bauen, die Lady Norah Docker zum persönlichen Gebrauch zur Verfügung stand und die wiederum auf der Auto-Show in Paris 1952 erstmals gezeigt wurde.

Daimler Silver Flash

1953 gab der Daimler-Vorstandsvorsitzende Bernhard Docker den Daimler-Werke den Auftrag, ein Coupé mit Aluminium-Karosserie auf dem Fahrwerk eines Dreiliter-Regency zu bauen. Der Silver Flash trug Zubehör aus massivem Silber, wie etwa Haarbürsten, eine rote Einbauküche und einen Gepäcksatz aus Krokodilleder. Das Einzelstück wurde wiederum zur persönlichen Verfügung von Lady Norah Docker gebaut und erstmals auf dem Pariser-Autolalon 1953 gezeigt.

Daimler Star Dust

1954 beauftragte der Daimler-und BSA-Vorstandsvorsitzende Bernhard Docker die Firma Daimler, als Einzelstück, eine Coupé-Karosserie auf dem Fahrwerk eines Daimler DF 400 Fahrgestells zu bauen, die zum Pariser Autosalon 1954 gezeigt wurde und hernach zum persönlichen Gebrauch von Dockers Ehefrau zur Verfügung stand. Docker hoffte, mit diesen Einzelstücken betuchte Kunden zu locken.

Daimler Golden Zebra

"The Golden Zebra" war ein zweitüriges Coupé und basierte auf dem DK-400 Chassis. Wie das Gold Auto von 1951 waren beim neuen Goldene Zebra alle Chromteile vergoldet, darüber hinaus hatte es ein Armaturenbrett aus echtem Elfenbein und Zebra-Haut zur Polsterung. Zur Erklärung der Zebrahaut-Polsterung, sagte Lady Docker damals: "Weil Nerz im Sommer zu heiß zum Sitzen ist." Dieses Einzelstück wurde wiederum zum Pariser Autosalon 1955 gezeigt und stand anschließend Lady Nora Docker zur persönlichen Verfügung.

Die jährliche Show der protzigen Autos für Frau Docker hatten mittlerweile nicht nur die englische Öffentlichkeit verärgert, sondern auch das englische Königshaus. Ab 1955 bevorzugte die Königin deshalb statt der Daimler-, künftig Rolls-Royce-Limousinen. Lady Docker fuhr daneben auch andere Daimler-Limousinen.

Ende des Mai 1956 wurde Bernard Docker aus dem Board of Birmingham Small Arms Company (BSA), wo er ebenfalls Vorsitzender war, ausgeschlossen. Lady Docker kaufte sich dann einen Bentley Continental des Daimler-Rivalen Rolls-Royce. Als aber die öffentliche Kritik über ihren teilweise skandalösen Luxus-Lebensstil nicht abnahm, übte sie sich in Bescheidenheit. Im Frühjahr 1957 orderte sie ein Goggomobil T 400 aus Deutschland mit 395 ccm Hubraum und 20 PS mit Rechtslenkung. Für sie wurde die Innenausstattung des auf Rechtslenkung umgebauten Goggomobils mit echtem Zebra-Leder ausgeschlagen. Alle Glanzteile wurden mit einer 24karätigen Goldauflage verschönt.

Lady Docker machte später noch in der Klatschpresse Schlagzeilen, weil sie in Monaco einen Kellner ohrfeigte, die monegassische Flagge verunglimpfte und schließlich von Fürst Albert Landesverbot bekam.


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Bilder zum Artikel

Daimler-Showcar Blue Clover, 1952.

Daimler-Showcar Blue Clover, 1952.

Foto: By Saratoga88/Wikipedia


Daimler Golden Zebra, 1955.

Daimler Golden Zebra, 1955.

Foto: Alf van Beem/Wikipedia