Historie und Histörchen (28): Elvis' Liebling

Rock-Star Elvis Presley war einer der ersten Käufer eine Stutz, des teuersten Autos amerikanischer Produktion. Und trotz der Preis ging das Unternehmen in Konkurs, erzählt Hans-Peter Thyssen von Bornemisza, ein Journalist und Fachbuchautor, den ältere Kollegen noch unter dem Namen Hanns-Peter Rosellen kennen. Viele Konstrukteure deutscher Nachkriegs-Mobile wurden von ihm persönlich befragt. Diese Recherchen führten nicht nur zu Fachbüchern, sondern auch zu Anekdoten aus den Jahren, als das Auto in Deutschland wieder laufen lernte.

Elvis Presley mit Kabinenroller und Stutz

Der Rock´n Roll-Star Elvis Presley sollte der prominenteste Käufer gewesen sein: Er kaufte am 9. Oktober1970 den zweiten in Serie produzierten Stutz (den ersten fuhr Stutz-Gründer James O. Donnell lebenslang). Ein Jahr später kaufte seinen zweiten Stutz, der auf sein Anwesen geliefert wurde. Doch damit wurde Presley in einen Unfall verwickelt, der Wagen war Totalschaden.

Nach dem ersten Produktionsjahr war die Heckscheibe des Stutz vergrößert und die geteilte Frontscheibe zu einer gewölbten Scheibe verbessert worden. Im April 1973 kaufte Presley seinen dritten Stutz, ein weißes Exemplar, das er dann seinem Leibarzt und Freund Dr. Elias Ghanern schenkte, der den Wagen bis zu seinem Tod 1977 fuhr. Am 6. November 1974 kaufte Elvis gleich mehrere Exemplare des Stutz für seine Leibwächter.

Was war das für ein Automobil, das Rock´n Roll-König Presley immer wieder kaufte? Als der Rock-Sänger sein Pflichtjahr bei der US-Armee in Frankfurt ableistete, kaufte er sich noch in Deutschland einen Messerschmitt-Kabinenroller und nahm ihn mit in die USA. Das wohl originellste Fahrzeug, das man als Amerikaner 1957 kaufen konnte.

Des Kabinenrollers und der etablierten Straßenkreuzer müde, legte sich das Idol der Jugend dann den ersten Stutz zu, den Nachbau einer längst vergessenen Marke. Die amerikanische Marke Stutz war 1911 in Indianapolis gegründet worden. Begonnen hatte es mit Rennwagen, die den Namen Stutz trugen, weil sie von einem Harry C. Stutz konstruiert worden waren.

Harry C.Stutz war Kutschbauer und hatte angeblich schon 1898 eine motorisierte Kutsche entworfen. Gebaut wurden die Rennwagen von der Firma Ideal Motor Car Company. Weil sie überlegen siegten, wurde die Firma 1913 in "Stutz Motor Company" umgetauft. Bis 1935 wuchs Stutz zu einer bekannten Marke heran: Es wurden die verschiedensten Modelle vom Mittelklasse- bis zum Luxuswagen gebaut, es gab sogar einen "Sicherheits-Stutz", bei dem beim Kauf sogar eine einjährige Versicherung inclusive war. 1935 wurde Stutz allerdings von der übermächtigen Konkurrenz zur Aufgabe gedrängt.

Im August 1968 erinnerten sich die Amerikaner dieser Marke und in New York wurde von dem Amerikaner James O. Donnell eine neue "Stutz Car of America" gegründet. Ein Jahr später, also 1970, erschien der erste Stutz, das Blackhawk Coupé mit spitzen, aufrechtem Steilkühler, mit hinten abfallendem Stufen-Heck, darauf aufliegendem Reserverad sowie mit Rundscheinwerfer und geteilter Frontscheibe Die Technik stammte von einem Pontiac Grand Prix. Es war der 6,5 Liter-Achtzylindermotor, der von 365 auf 425 PS hochgetunt wurde.

Die Karosserie aus Kunststoff wurde in kleiner Serie gebaut bei Carrozzeria Saturn in Cavallermaggiore bei Turin (andere Quellen sprechen von Padana in Modena) in Italien, gezeichnet hatte sie der prominente Chrysler-Designer Virgil Exner in hohem Alter. Gebaut wurde der erste Prototyp in Handarbeit bei der italienischen Firma Ghia in Turin, fertig gestellt im Dezember 1969. Sein Debüt feierte der Wagen am 20.Januar 1970 in New Yorker Hotel Waldorf-Astoria. Verkauft wurde das zweitürige Hardtop für 22 500 Dollar, damals der höchste Preis für ein Automobil in den USA. In Arbeit befand sich auch eine viertürige Limousine auf einem Cadillac-Chassis, das 31.500 Dollar kosten sollte.

Schon in Planung war 1976 ein Stutz Blackhawk als Cabrio, genannt "d´Italia", umgebaut aber nicht in Italien, sondern von dem Amerikaner Dan Steckler. Auch von diesem Modell bestellte sich Elvis Presley prompt ein Exemplar. Doch nicht nur Elvis Presley, sondern auch andere Prominente fuhren Stutz: Der US-Schauspieler Dean Martin, der Sänger Sammy Davis jr., der Stuntman Evel Knievel, der Pianist Liberace, der deutsche Schauspieler Curd Jürgens und König Saud von Saudi Arabien. Laut Produktionsplan sollten pro Jahr 10 bis 70 Wagen entstanden sein. Bis 1987 wurden insgesamt 600 New-Stutz-Wagen gebaut. Es waren die teuersten amerikanischen Autos dieser Zeit. 1987 rutschte die Stutz-Coporation dennoch in den Konkurs.


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Bilder zum Artikel

Stutz Blackhawk III (1973).

Stutz Blackhawk III (1973).

Foto: Auto-Medienportal.Net/Wikipedia


Elvis Presley.

Elvis Presley.

Foto: Ollie Atkins/Wikipedia


Stutz von 1932.

Stutz von 1932.

Foto: von Thyssen


Messerschmitt Kabinenroller 200 von 1959.

Messerschmitt Kabinenroller 200 von 1959.

Foto: RM Sotheby's


Messerschmitt Kabinenroller KR-200.

Messerschmitt Kabinenroller KR-200.

Foto: EPei/Wikipedia


Messerschmitt Kabinenroller.

Messerschmitt Kabinenroller.

Foto: Stefan Kühn/Wikipedia


Stutz Blackhawk (1928).

Stutz Blackhawk (1928).

Foto: Auto-Medienportal.Net


Wieder fertig zum Einsteigen: BMW 507, wie der von Elvis Presley.

Wieder fertig zum Einsteigen: BMW 507, wie der von Elvis Presley.

Foto: BMW


BMW 507: Soldat Elvis und ein 507.

BMW 507: Soldat Elvis und ein 507.

Foto: BMW