Via: Sammeltaxi auf Amerikanisch

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stoßen Zeitgenossen, die nach öffentlichen Transportmöglichkeiten suchen, schnell an ihre Grenzen. Die US-Amerikaner lieben ihre Autos, auch wenn sie damit vor allem in Staus stehen. Doch die Liebe ist offensichtlich nicht mehr das, was sie einmal war, denn der Erfolg von Fahrdiensten wie Uber, Pop oder Lyft zeigt, dass ein Umdenken begonnen hat, und der Individualverkehr neu definiert wird.

Offensichtlich ist eine wachsende Zahl der Automobilisten bereit, ihr Auto in der heimischen Garage abzustellen und sich stattdessen chauffieren zu lassen. In den kommenden Jahren wird allein die Urbanisierung neue Mobilitäts-Lösungen verlangen, denn die meisten Menschen leben inzwischen in immer rasanter wachsenden Metropolen, in denen die herkömmlichen Vorstellungen von Mobilität in Richtung Stillstand steuern.

Neben den App-gesteuerten Fahrdiensten, die nichts anderes als eine andere Form der individuellen Mobilität darstellen, gerät jetzt der Personen-Nahverkehr ins Visier der App-Entwickler. Ein Unternehmen auf diesem Feld ist Via, ein vor rund zwei Jahren gegründetes Start-up, das die Idee des Sammeltaxis eine Idee weiterfährt und individualisiert. Denn bei Via werden die Kunden nicht einzeln in Limousinen transportiert, sondern gemeinsam in Vans, was den Verkehr deutlich entlasten soll. „Die Menschen sind bereit, Autos zu teilen“, ist Via-Strategie-Vorstand Zack Wasserman überzeugt. Aktuell sind die Via-Fahrer in Washington, Chicago und New York unterwegs und zeigen, dass die Menschen in den Metropolen keine Probleme haben, diesen Dienst zu buchen.

Wie bei den bekannten Diensten funktioniert auch Via über ein App, mit der eine Fahrt bestellt wird. „In weniger als einer Sekunde gleichen die Algorithmen den Standort des Kunden mit dem des nächsten Van ab und bieten eine Fahrt an“, erklärt Wasserman das Prinzip. Der Kunden muss nun nur noch den Auftrag bestätigen, zum vereinbarten Haltepunkt laufen und einsteigen. „Das Ganze funktioniert so schnell wie bei einem Taxi“, so Wasserman. Allerdings sind die Fahrten deutlich preiswerter. So kostet eine Tour in New York fünf Dollar (rund 4,50 Euro) plus Steuern, und in Washington freuen sich die Kunden aktuell über das Einführungsangebot von 2,15 Dollar. In Chicago lässt sich Via die Touren mit 5,95 Dollar plus Abgaben bezahlen. Zwar müssen sich die Via-Kunden den Van mit anderen Passagieren teilen, doch ist dies immer noch angenehmer als die Fahrt in der U-Bahn oder einem der zumeist heruntergekommenen Busse in den US-Metropolen. Außerdem tragen auch die Benimm-Regeln zu einer freundlichen Atmosphäre bei. So ist Essen und Trinken an Bord verboten (Ausnahme höchstens der Morgen-Kaffee), Handygespräche sind verpönt, und zudem herrscht Ruhe im Van. Und außerdem ist er Van immer da, wenn man ihn braucht.

Die Wartezeit zwischen Buchung und Abholung liegt im Durchschnitt, so Via, bei weniger als fünf Minuten und wird zusammen mit der Buchung angegeben. Außerdem kann der Kunden den Fahrweg des georderten Van auf seinem Smartphone verfolgen. Die Zahlung schließlich ist mittels der gängigen Karten möglich.

In der Stadt Autos zu teilen mag allein schon wegen der exorbitanten Parkplatzkosten (in New York zum Beispiel sind acht Dollar für die halbe Stunde die Regel) einleuchten, doch in der Vorstadt? Und dazu noch in Südkalifornien, wo der Individualverkehr fast schon religiösen Charakter einnimmt?

Ausgerechnet Orange County zwischen Los Angeles und San Diego haben sich Via und Mercedes-Benz ausgesucht, um zu testen, ob der neue Service auch in den riesigen, zumeist zersiedelten amerikanischen Vorstädten funktionieren kann, wo die Menschen, so ein alter Witz, das Auto sogar zum Hunde-Ausführen benutzen. „Zu unserer großen Überraschung haben wir festgestellt, dass unser Modell auch hier sehr gut angenommen wird“, beschreibt Wasserman die Reaktion der Menschen in Orange County. Vor allem die Mercedes-Vans haben die Kundschaft offensichtlich überzeugt. „Die Vans mit ihrer Konferenz-Bestuhlung sind für unsere Dienste ideal“. Ende vergangenen Jahres haben Via und Mercedes mit den Verhandlungen über das Pilotprojekt begonnen, um auch in der Vorstadt ein flexibles Transportprogramm zu entwickeln. Inzwischen wird der Service vor allem von Pendlern, jungen Erwachsenen und Studenten genutzt.

Die Via-Software berechnet die optimale Route und Passagierzahl und informiert mit der Buchungsbestätigung unter anderem auch darüber auf welcher Straßenseite der Van halten wird. Der überraschende Erfolg des neuen Angebots hat inzwischen bereits zu einer Ausdehnung der Fahrzeiten geführt. Offensichtlich hat auch im autoverliebten Südkalifornien eine neue Zeitrechnung begonnen. So wird die Stadtverwaltung von San Clemente, ebenfalls in Südkalifornien, eine Million Dollar investieren, um städtische Buslinien durch app-gesteuerte Fahrdienste zu ersetzen und gleichzeitig die Umweltbelastungen durch den Verkehr zu verringern. Technologie.“


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Bilder zum Artikel

Mobilitätsdienst Via in den USA.

Mobilitätsdienst Via in den USA.

Foto: Daimler


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Foto: Daimler


Mobilitätsdienst Via in den USA.

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Foto: Daimler


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Foto: Daimler


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Foto: Daimler