Zelectric: Neues Herz für alte Käfer

Ab und zu sind auf den Straßen zwischen San Diego und Los Angeles an der kalifornischen Pazifik-Küste recht betagte, jedoch wie frisch vom Fließband gerollt aussehende Volkswagen zu bewundern, denen etwas Entscheidendes fehlt. Statt mit dem typischen Geräusch eines luftgekühlten Vier-Zylinder-Boxermotors, das selbst einem Blinden verraten würde, welche Marke hier unterwegs ist, treten sie nahezu lautlos in Erscheinung. Darüber hinaus ist ihr Beitrag zum Smog, der die Region oft belastet gleich Null. Der Grund: Sie fahren elektrisch.

Erst seit knapp vier Jahren im Geschäft hat sich Zelectric Motors aus San Diego im äußersten Südwesten der USA einen Namen als Spezialist für den Umbau klassischer Volkswagen- und Porsche-Modelle in hochmoderne Elektrofahrzeuge gemacht. Vom VW Bus mit geteilter Frontscheibe, über Karman Ghia, VW Käfer und Beetle bis zu Porsche 911 und 356 – Unternehmensgründer und -chef David Benardo schreckt vor keinem Wagen zurück, wenn es um die Verwandlung einer Ikone aus Wolfsburg (VW), Osnabrück (Karmann Ghia und Käfer Cabrio) oder Zuffenhausen (Porsche) geht. Damit ist er den Hardvore-Mitgliedern der Oldtimer-Gemeinde zwar ein Dorn im Auge, nicht aber der in Kalifornien ständig wachsenden Gruppe der E-Autofans.

Was Benardo als „Retro-Zukunft“ nennt, erklärt er so: „Autos der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre waren für ein Umfeld gedacht, in dem teures Benzin und zunehmende Luftverschmutzung noch keine Themen waren - unbeschreiblich schön und zeitlos im Charakter. Wir verbinden das Beste aus beiden Welten von damals und heute und kombinieren frühere Klassiker mit heutiger Zukunftstechnik.“

Dafür arbeitet Zelectric mit gut erhaltenen VW- und Porsche-Oldtimern, die zunächst eine bis zur letzten Schraube reichende Verjüngungskur über sich ergehen lassen müssen. Selbst der geringsten Roststelle wird der Garaus gemacht. Ein neues Lackkleid ist ebenso selbstverständlich wie eine anständig geschneiderte Polsterung.

Dann geht es ans Eingemachte. Dort, wo hinten einst ein luftgekühlter, 25 kW / 34 PS schwacher Benziner sein Werk verrichtete, arbeitet als neues Herz zum Beispiel in einem perfekt restaurierten VW Käfer von 1963 nun ein 65 kW / 90 PS starker Elektromotor, der das ehedem harmlose Kriechtier mittels eines zweistufigen Getriebes in einen mörderisch schnellen Kraftprotz verwandelt. „Zelectric macht aus einer Schnecke ein Rennpferd“, wunderte sich beispielsweise das Magazin „Playboy“.

Die Spitzengeschwindigkeit beträgt mit rund 180 km/h mehr als das Doppelte dessen, was die Polizei in den USA erlaubt. Weil damit die Fahrwerks-Grenzen eines Käfers von damals pulverisiert würden, wird er tiefer gelegt und bekommt eine verstärkte Federung, verbesserte Stoßdämpfer und Scheibenbremsen vorne. Die LED-Beleuchtung geht sparsam mit Strom um und bietet bessere Sicht bei Nacht. Als Energielieferant dient eine 22-kWh-Lithium Batterie mit 37 180-Ah-Zellen die für eine Reichweite von rund 180 Kilometern gut sein und mehr als 300 000 Kilometer weit halten soll. Laden lässt sie sich über Nacht zu Hause oder an einer öffentlichen Ladestation.

Für die Elektrifizierung eines bestens renovierten VW Käfers kalkuliert Zelectric 49 000 Dollar, (ca. 46 000 Euro) wobei der Preis je nach Zustand des mindestens 50 Jahre alten Oldtimers nach oben keine Grenzen kennt. Zusätzlich kosten Weißwandreifen inklusive Felgen 2400 Dollar, eine moderne Audio-Anlage mit allem Drum und Dran 1800 Dollar und eine elektrische Heizung 1200 Dollar. Eine Klimaanlage befindet sich noch in der Entwicklung. Für den gesamten Umbau gewährt das Unternehmen bei einigen Teilen bis zu fünf Jahre Garantie.

Gleiches gilt für andere Zelectric-Exemplare, über deren Preis sich David Benardo allerdings ausschweigt. Besondere Aufmerksamkeit verdient darunter ein Porsche 911 Targa aus dem Jahr 1973. Der verfügt nicht nur über die 54-kWh-Batterie aus einem Tesla Model S, sondern über zwei Elektromotoren, die ihm zusammen die gleiche Leistung von 154 kW / 210 PS wie damals verleihen. Am Fünf-Gang-Getriebe änderte David Benardo nichts „um ein athentisches Gefühl zu bewahren“. Angeblich liegt das Spitzentempo bei 241 km/h.

Kaum weniger attraktiv ist ein 1966er Karmann Ghia mit vollelektrischem Antrieb. Auch sein Akku stammt von Tesla. Da der Wagen aber nur einen Motor hat, steigt seine Reichweite auf über 200 Kilometer. Die weitere Ausstattung entspricht der des Käfers.

Für Fans lohnt sich ein Blick auf die Internetseite http://www.zelectricmotors.com. Dort ist auch zu sehen, welche Modelle das Unternehmen im Angebot hat und an welchen es arbeitet. Zurzeit reicht die Palette von zahlreichen Käfer-Modellen, die samt und sonders mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben über Porsche 911 und Porsche 914, Karmann Ghia, VW Bus bis zum Geländewagen VW 181 von 1974. Es dürfte feststehen, dass weitere hinzukommen. (ampnet/hrr)


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Bilder zum Artikel

VW Käfer von Zelectric Motors: Elektromotor statt luftgekühlter Vierzylinder im Heck.

VW Käfer von Zelectric Motors: Elektromotor statt luftgekühlter Vierzylinder im Heck.

Foto: Zelectric Motors


Zelectric-Chef David Benardo.

Zelectric-Chef David Benardo.

Foto: Zelectric Motors


Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Käfer.

Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Käfer.

Foto: Zelectric Motors


Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter Porsche 356.

Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter Porsche 356.

Foto: Zelectric Motors


Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Bus von 1964.

Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Bus von 1964.

Foto: Zelectric Motors


Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Bus von 1962.

Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Bus von 1962.

Foto: Zelectric Motors


Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Karmann Ghia.

Von Zelectric Motors auf Elektroantrieb umgebauter VW Karmann Ghia.

Foto: Zelectric Motors