Leben in der Cloud (2): Politik macht Dampf

Die Zukunft des Internets liegt in den Wolken, genauer gesagt im Cloud-Computing. Dieser Begriff steht für die Verknüpfung von zahlreichen Servern zu einem übergeordneten Netzwerk, das eine zentralisierte Datenspeicherung und gleichzeitig den Online-Zugriff von unbegrenzt vielen Nutzern auf eine Vielfalt von Computerdienstleistungen ermöglicht. Das autonom fahrende Auto, der Straßenverkehr von morgen und auch weite Teile der Industrie sind ohne Cloud-Computing nicht vorstellbar. Aber wenn sich Deutschland nur zögerlich beteiligt, droht ein Rückstand gegenüber dem Wettbewerb. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie will dem entgegensteuern.

Musterknaben in punkto Digitalisierung sind in Europa Dänemark, Finnland, Schweden und die Niederlande, gefolgt von Luxemburg, Belgien, dem Vereinigten Königreich und Irland. Das ergab jetzt eine Studie der EU-Kommission. Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vizepräsident der Kommission, fordert: „Alle Mitgliedstaaten sollten mehr investieren, um den digitalen Binnenmarkt voll ausschöpfen zu können. Wir wollen bei der Digitalisierung kein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Wir sollten alle zusammen darauf hinarbeiten, dass die Europäische Union insgesamt eine weltweite Führungsrolle im digitalen Bereich einnimmt." Die mahnenden Worte gelten nicht zuletzt auch für Deutschland, das im Digitalisierungsindex nur Platz elf belegt.

Dabei gilt der konsequente Einsatz von Cloud Computing als zentrale Basistechnologie für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind jedoch zurückhaltend im Einsatz von Cloud Computing. Ursachen dafür sind Unsicherheiten hinsichtlich des wirklichen Nutzens, Bedenken bezüglich Rechtskonformität und Sicherheit, Sorgen vor Daten- und Kontrollverlust, Aufwendungen für die Integration in die bestehende IT-Landschaft sowie eine unzureichende Transparenz der Cloud-Angebote.

Die Bundesregierung will die Wirtschaft und vor allem den deutschen Mittelstand dabei unterstützen, Vertrauen in Cloud Services aufzubauen, die Chancen zu erkennen, die Risiken der Nutzung zu minimieren und zugleich die Digitalisierung voranzutreiben. Hierzu hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Technologieprogramm Trusted Cloud durchgeführt. Ein wesentliches Ergebnis ist die Empfehlung, Maßnahmen zu ergreifen, die das Vertrauen in Cloud Services steigern.

Der Mitte 2015 gegründete Verein Kompetenznetzwerk Trusted Cloud e. V. ist aus dem gleichnamigen Technologieprogramm des BMWi hervorgegangen. Ein Ergebnis des Technologieprogramms war die Entwicklung und Etablierung eines Gütesiegels für vertrauenswürdige Cloud Services. Für die Entwicklung des Trusted Cloud Labels wurde das Kompetenznetzwerk Trusted Cloud vom BMWi initiiert. Es ist für Anwender und Anbieter eine Plattform für die Wissensvermittlung zu Cloud-Technologien, speziell im Rahmen der digitalen Transformation der Wirtschaft. Darüber hinaus werden Entscheidungshilfen für den Einsatz von Cloud-Lösungen zur Verfügung gestellt.

Mit der Trusted Cloud Plattform und dem dazugehörigen Label besteht ein unabhängiger, transparenter Marktplatz für vertrauenswürdige Cloud Services, der über das Trusted Cloud Portal zugänglich ist. Hier erhalten Anwender Transparenz über Cloud-basierte Angebote, über bestehende Gütesiegel, Zertifikate und Standards, die ihnen eine Auswahl erleichtert. Die Trusted Cloud Plattform soll Anwender und Anbieter von Cloud Services, Anbieter von Cloud-Gütesiegeln sowie Anbietern von Cloud-bezogenen Dienstleistungen zusammenführen. Unternehmen sollen anhand ihrer wirtschaftlichen Anforderungen durch die Vielfalt der Dienstleistungs-Angebote gelotst werden können.

Im Rahmen der Trusted Cloud Plattform wird die Datenschutzzertifizierung für Cloud-Anwendungen aktuell weiter vorangetrieben. Derzeit ist die Sorge um die Sicherheit gespeicherter Daten ein großes Hindernis bei der praktischen Anwendung. Durch das Zertifikat wird Datenschutz und wirtschaftliche Verarbeitung von Daten in und für die Cloud ausgewiesen. Damit werden gleichzeitig auch die Voraussetzungen für die Zertifizierung nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung geschaffen.

Das Trusted Cloud Label richtet sich an Anbieter von Cloud Services, die ihre Angebote transparent für ihre Kunden, gerade auch im Mittelstand darstellen möchten. Voraussetzung für die Listung als Trusted Cloud Service ist die verbindliche Zusicherung des Service-Anbieters, dass die Mindestanforderungen an einen Cloud Service erfüllt sind. Dazu müssen Informationen rund um den Service selbst sowie den Anbieter entlang des Trusted Cloud-Kriterienkatalogs erfasst werden. Sind für den Service bereits einschlägige Gütesiegel oder Zertifikate vorhanden, können diese hinterlegt werden. Dort werden nur Cloud Services und Dienstleistungen gelistet, die die Kriterien des Trusted Cloud Labels erfüllen: also vertrauenswürdig sind und die Kriterien für Transparenz, Sicherheit, Qualität und Rechtskonformität erfüllen. (ampnet/hrr)


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Bilder zum Artikel

Foto: Auto-Medienportal.Net/Bundesministerium für Wirtschaft und Energie


Andrus Ansip.

Andrus Ansip.

Foto: Auto-Medienportal.Net/EU


Andrus Ansip.

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Foto: Auto-Medienportal.Net/EU