Kommentar: Tempolimit ist keine Lösung

Als gäbe es keine anderen Sorgen diskutiert die Republik wieder über Sinn und Zweck eines Tempolimits und wiederholt dabei Argumente, die sich schon vor Jahren als wenig zielführend erwiesen haben. Mit Tempo 130 soll nun gleichzeitig die Umwelt gerettet und der „Raserei“ Einhalt geboten werden.

Welche Raserei bitte? Die Autobahnen sind die sichersten Verkehrswege. Auf diesen Strecken sind im Vergleich zu den anderen Straßen die wenigsten Verkehrstoten zu beklagen. Auf Land- und Bundesstraßen kommen knapp vier Mal so viele Menschen in Verkehrsunfällen ums Leben – und die sind durchgehend mit einem Tempolimit belegt. Auch der Blick über die Grenzen stützt die Argumentation der Tempolimit-Befürworter nicht. Die deutschen Autobahnen sind wesentlich sicherer als die vergleichbaren Strecken in Frankreich, Italien oder den USA, wo Autofahrer seit Jahrzehnten eingebremst werden.

Neben der Tatsache, dass wir ein Dégà-vu erleben, ist es auch die Sprache, die diese Diskussion so unerfreulich macht. Offensichtlich ist in dem Weltbild der Tempobegrenzer jeder Autofahrer, der auf der Autobahn etwas schneller unterwegs ist, gleich ein egoistischer Raser, der den Tod anderer billigend in Kauf nimmt. Raser, die Geschwindigkeits-Begrenzungen missachten und Drängler gehören bestraft – gleichgültig, wo sie ohne Rücksicht auf Verluste ihre Lust an der Geschwindigkeit ausleben und dabei gegen Vorschriften verstoßen. Doch ist der Handelsvertreter, der möglichst schnell von A nach B kommen will, gleich ein Raser, wenn er auf einem der wenigen Abschnitte ohne Geschwindigkeitsbegrenzung schnell unterwegs ist, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden?

Inzwischen müssen sich Menschen hinter dem Lenkrad fast schon als Volksfeinde vorkommen, denen die Umwelthilfe und das Wohlergehen ihrer Mitmenschen gleichgültig ist. Nachdem Dieselbesitzer in den vergangenen Jahren in die Ecke der Umweltverschmutzer gestellt worden sind, kommen nun also die „Autobahnraser“ an den öffentlichen Pranger. Es wäre angemessen, wenn sich die Befürworter eines Tempolimits vor dem Reden Gedanken über ihre Sprache machen würden. Doch offensichtlich ist aktuell jedes Mittel recht, um eine Schlagzeile zu ergattern.

Feste Tempolimits helfen zudem der Umwelt nur in einem äußerst geringen Maße. Bei generell Tempo 120 wären es, das hat die Bundesanstalt für Straßenwesen herausgefunden, gerade 0,27 Prozent weniger CO2. Statt auf feste Tempolimits zu setzen wäre vielmehr eine flexible Anpassung der vorgeschriebenen Geschwindigkeiten an die jeweils herrschenden Verkehrs- und Witterungsverhältnisse eine deutlich sinnvollere Lösung, und die ließe sich dank der verfügbaren technischen Möglichkeiten zügig verwirklichen. So wäre vor allem der Verkehrssicherheit deutlich mehr geholfen als einheitlich ein Tempo vorzugeben.

Von einem flächendeckenden Tempolimit auf Autobahnen würde am Ende nur eine Branche profitieren: die Hersteller von Radarmessanlagen. (ampnet/ww)


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Walther Wuttke.

Walther Wuttke.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Walther Wuttke