Lada Deutschland schwenkt nach China um

Einfach hatte es der deutsche Lada-Importeur noch nie. Doch zuletzt schien es etwas runder am Stammsitz im fernen Togliatti zu laufen. Angekündigte neue Modelle kamen auch tatsächlich relativ zeitnah nach Europa. Mit dem von General Motors kommenden Bo Andersson an der Unternehmensspitze und dem ehemaligen Volvo-Designer Steve Mattin schien Russlands nach wie vor größter Autohersteller Avtovaz Fahrt aufzunehmen.

Erst wurde der Klassiker 4x4 (besser bekannt als Niva) als Modellversion Urban dezent aufgepeppt, dann kam mit dem Vesta 2017 endlich ein recht modernes und halbwegs konkurrenzfähiges Auto auf den Markt. Der 2018 eingeführte Kombi konnte dann richtig überzeugen und fand insbesondere als Vesta SW Cross auch anerkennende Blicke von Menschen, die der Marke bis dahin keine Beachtung geschenkt hatten. Und daran, dass auch noch die Crossover-Variante X-Ray in absehbarer Zeit den Weg auf den deutschen Markt finden würde, herrschte weit weniger Zweifel als sonst üblich.

Zwar erfüllten sich die (von vorneherein) auf deutscher Seite zu hoch gesteckten Erwartungen in die Verkaufszahlen des Kompaktklassemodells aus Russland nicht, aber die Händler hatten endlich neben dem 4x4 ein vorzeigbares Auto auf dem Hof. Dass dann plötzlich nach der Renault-Mehrheitsübernahme nur ein halbes Jahr nach Markteinführung des neuen Modells der Export für Lada-Fahrzeuge gestoppt wurde, nimmt Geschäftsführer Dieter Trzaska in gewisser Weise im wahrsten Sinne des Wortes persönlich. Er sieht sich in der Schuld der Händler stehen, deren mit dem Vesta geweckten Erwartungen er mit dem – wenn auch wohl nur vorübergehenden – Aus für die Marke nicht mehr erfüllen könne.

Die offizielle Begründung für die Entscheidung am Unternehmenssitz in Togliatti sind die zunehmend strenger werdenden Abgasvorschriften in der EU. Dabei hätte die Konzernmutter ja entsprechende Motoren im Regal – aber eben auch mit Dacia bereits erfolgreich eine „Billigmarke“ am Start. Da passt möglicherweise Lada nicht mehr so recht ins Bild, obwohl das Unternehmen immer noch Marktführer in Russland ist. Der Marktanteil liegt sogar höher als der von Volkswagen auf dem deutschen Markt. Für den hierzulande schweren Stand des Vesta macht der Importeur zum Teil auch den Renault-Konzern verantwortlich. Der habe den Wagen angesichts des Markenimages von Lada etwa 1500 Euro zu hoch eingepreist.

Mehr als 28.000 Lada sind unterwegs

Immerhin über 28.000 Lada waren laut Kraftfahrt-Bundesamt zu Beginn dieses Jahres auf Deutschlands Straßen unterwegs. Für ihren Service und ihre Ersatzteilversorgung sowie die Garantieleistungen steht der Importeur aus Buxtehude in der Pflicht. Das wird mit den zum April 2020 neu geschlossenen Verträgen auch sichergestellt. Alles andere ist weit weniger sicher.

In den nächsten beiden Jahren, so vermutet der Deutschland-Geschäftsführer, hole Lada-Hersteller Avtovaz „Luft“. Vor 2024 sieht er in Deutschland kaum Aussicht auf einen wie auch immer gearteten Neuanfang der Marke mit dem Wolga-Schiff im Emblem. Alle Bemühungen, auf eigene Faust weiterzumachen, sind bislang in der mittlerweile vom französischen Hausherrn bestimmten Chefetage gescheitert. Er habe leider „noch keine Lücke bei Lada gefunden“, bedauert Dieter Trzaska. Selbst mit der eigentlich immer noch geltenden Vereinbarung zur Kleinserienfertigung des 4x4 kommt er derzeit nicht weiter. Sie machte es zuletzt überhaupt noch möglich, den Bestseller im deutschen Lada-Programm nach Europa zu holen und die Auflagen für den Fußgängerschutz zu umgehen. Dem Importeur in Buxtehude war dabei vor zwei Jahren mit der fünftürigen Langversion des 4x4 sogar noch ein Überraschungscoup gelungen. Das Modell war 20 Jahre lang hierzulande offiziell gar nicht zu haben gewesen.

Fakt ist: Lada lebt. Der 4x4 wurde gerade erst in Russland mit einem modernen Interieur und mehr Komfortausstattung aufgefrischt, der Vesta hat vor wenigen Tagen die Marke von über 400 000 gebauten Einheiten überschritten, und Avtovaz hat das ehemalige Joint Venture mit General Motors zum Bau des Chevrolet Niva komplett übernommen.

Fakt ist aber auch: Die letzten 500 Neufahrzeuge für Deutschland warten auf ihre Auslieferung. Ende Februar, Anfang März, so schätzt Lada-Sprecher Bernd Haack, sind alle 4x4 verkauft. Beim nicht ganz so populären Vesta reichen die Lagerbestände vielleicht noch bis August oder September. Bis dahin muss eine Alternative her. Die meint die deutsche Lada GmbH in China und mit der Elektromobilität gefunden zu haben.

Joylong und Zhidou

Mit zwei Herstellern sind bereits Verträge geschlossen worden. So will Lada Deutschland zunächst den 4,90 Meter langen EF 5 von Joylong als Transporter und als Van nach Deutschland holen. Mit dem EM 5 wäre auch noch ein Minivan verfügbar. Zweiter im neuen Bunde ist Zhidou (ZD) mit dem zweitürigen Kleinstwagen D2S im Smart-Format und einer Reichweite von bis zu 257 Kilometern. Ein deutschsprachiger Prospekt für das bereits in Österreich erhältliche Fahrzeug ist zumindest schon einmal gedruckt. Er verspricht serienmäßig unter anderem Klimaautomatik, Navi, 9-Zoll-Zentalbildschirm, Bluetooth und Internetzugang sowie Rückfahrkamera, Kunstlederausstattung und Audioanlage.

Spätestens im dritten Quartal 2020 soll das neue Kapitel beginnen. „2021 muss es dann zeigen“, blickt Dieter Trzaska nach vorn. Und schaut gleich noch ein Stück weiter in die Zukunft. In der Nähe des Lada-Werks Togliatti haben sich nach seiner Aussage bereits zwei neue Elektrofahrzeugbauer niedergelassen. Vielleicht geht da eines Tages ja doch noch etwas. (ampnet/jri)


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Die vorerst letzten Lada in Deutschland warten auf ihre Auslieferung.

Die vorerst letzten Lada in Deutschland warten auf ihre Auslieferung.

Foto: Auto-Medienportal.Net


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Lada Vesta SW Cross.

Lada Vesta SW Cross.

Foto: Auto-Medienportal.Net


Lada Vesta SW Cross.

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Lada 4x4 Urban 5-Türer.

Lada 4x4 Urban 5-Türer.

Foto: Auto-Medienportal.Net


Lada.

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Foto: Auto-Medienportal.Net