Kommentar: Neues Duo infernal

Ob sie sich gesucht haben, war in keiner Schlagzeile nachzulesen. Auf jeden Fall haben sie sich jetzt gefunden. Auf der einen Seite die 23jährige Luisa-Marie Neubauer, ihres Zeichens Geographie-Studentin im neunten Semester und im Haupt- oder Nebenberuf – niemand weiß das so genau – als Klimaaktivistin die deutsche Kopie der Schwedin Greta Thunberg. Auf der anderen Jürgen Resch, 60, Abmahnaktivist und einer der beiden Geschäftsführer jenes Vereins, der sich Deutsche Umwelthilfe (DUH) nennt und bekanntermaßen auf die bereits existierenden und später möglicherweise drohenden Fahrverbote in einigen deutschen Großstädten stolz ist.

Neubauer und Resch sind jetzt ein Paar – zumindest als Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht.

Insgesamt handelt es sich auf dem Gang nach Karlsruhe um eine ziemlich bunt gemischte Truppe, der das von der Bundesregierung in Berlin geschnürte Klimaschutzpaket mit Kohleausstieg, Förderung nachhaltig produzierter Energie und steigender CO2-Abgaben nicht reicht. „Das Nichthandeln der Bundesregierung terrorisiert unseren Freiheitsraum", empört sich Luisa Neubauer. Jürgen Resch hat in den Autos die Schuldigen für die Klimakrise entdeckt und behauptet gebetsmühlenartig: „Die Hauptverantwortung für das Nichterreichen des Klimaziels 2020 durch eine Reduzierung des Klimagases CO2 um 40 Prozent trägt der Verkehrssektor."

Und damit der Klage vor dem deutschen Verfassungsgericht ein internationaler Anstrich verliehen wird, sind 15 Betroffene aus den unmittelbar vom Klimawandel bedrohten Ländern Bangladesch und Nepal mit ins Boot geholt worden. Erhebt sich die Frage, warum die Kläger sich nicht gleich auf den langen Marsch nach Den Haag zum Internationalen Gerichtshof gemacht haben, dem Haupt-Rechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen. Denn der Nachweis, ein stillgelegtes Braunkohlekraftwerk in NRW oder ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde den Sherpas in Nepal oder Fischern vor der Küste Bangladeschs klimamäßig zugutekommen, dürfte recht kompliziert sein und deutsche Verfassungsrichter sicherlich überfordern.

„Mangelhafte Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland betreffen nicht nur die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik, sondern alle Menschen – bereits heute, aber auch zukünftig", wischt die DUH solche Bedenken vom Tisch. Erst kürzlich war sie vor dem Europäischen Gerichtshof mit ihrem Versuch gescheitert, den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und weitere bajuwarische Politiker wegen deren Missachtung von DUH-Forderungen nach Fahrverboten in München hinter Gitter zu bringen.

Nichtsdestotrotz segeln Frau Neubauer und Herr Resch neuerdings Seite an Seite als eine Art Duo Infernal in eine Richtung, die Sprachwissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt kürzlich zum Unwort des Jahres erklärten. „Klimahysterie", so die Jury zu einem Begriff, den Politiker der AfD besonders gerne nutzen, „diffamiere Klimaschutzbemühungen, die Klimaschutzbewegung" und würde „das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose" diskreditieren.

Doch was ist der Einsatz der jungen Studentin und des alternden Umweltschützers anderes als „Klimahysterie"? Zumal beide Wasser predigen und selbst Champagner bevorzugen. Nach den Worten Luisa-Marie Neubauers gehören zum Beispiel Flugreisen zu den klimatischen Todsünden. Doch im sozialen Netzwerk Twitter sind unter dem Hashtag "#langstreckenluisa" zahlreiche bissige Kommentare zu ihren vielen Fernreisen zu finden. Auch Jürgen Resch, im Vielfliegerprogramm der Lufthansa zeitweise mit dem Hon-Status geführt, wird die Strecke von seinem Wohnsitz am Bodensee zur DUH-Geschäftsstelle in Berlin kaum mit dem Zug bewältigen.

Eins hat die Dame dem Herrn jedoch voraus. Der Siemens-Chef Joe Kaeser bot ihr kürzlich - wohl um sie zu bändigen – ein Aufsichtsratsmandat an, das sie jedoch nicht annahm, weil sie „kapitalistische Denkweise" ablehnt. Zum Glück. Sonst wäre ein Auto-Vorstandsvorsitzender womöglich auf die kühne Idee gekommen, seinerseits Jürgen Resch einen solchen Posten anzubieten. (ampnet/hrr)


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Hans-Robert Richarz.

Hans-Robert Richarz.

Foto: Auto-Medienportal.Net