Für eine bessere Recherche-Schreib-Balance

Seit Jahren spotteten seine Kollegen: „Der hört nie auf“. Heute ist er 73 Jahre alt und hört auf – nicht etwa notgedrungen wegen Corona, sondern freiwillig. Aber eben nicht so ganz. Denn seit rund zwei Jahren diskutiert er auch mit den spöttisch veranlagten Kollegen einen großen Plan. Und genau jetzt werden sie ihn gemeinsam umsetzen: Die Kollegen gründen eine Gesellschaft, die ihnen als freien Autoren und Redakteuren eine bessere Recherche-Schreib-Balance verschafft.

Jeder der Beteiligten Kollegen wird mit einem Zehn-Prozent-Anteil zu einem Gesellschafter. Peter Schwerdtmann bringt seine beiden Medien „Auto-Medienportal.Net“ und „Car-Editors.Net“ ebenso in die Gesellschaft ein wie alle anderen Assets seines Einzelunternehmens: ein unvergleichlicher Verteiler tief in die deutschsprachigen Medien hinein, ein vermutlich ebenso einmaliges freies Archiv für Texte, Fotos und Videos, entstanden seit 2009 und dazu noch viel Wohlwollen in Redaktionen und Presseabteilungen. Jetzt hofft er auf eine geringfügige Beschäftigung durch die neuen Besitzer, damit er ab und an noch mitschreiben kann.

Ein ehrliches Geschäftsmodell

Mit den Medien erben die Gesellschafter auch das Geschäftsmodell. Als Schwerdtmann Anfang der 2000er Jahre mit dem „Auto-Reporter“ startete, wollte kein Verlag auch nur einen Euro Honorar an neue freie Autoren zahlen. Das führte zu der Überlegung, die Industrie direkt um Finanzierung zu bitten. Den Umweg von der linken Tasche des Verlegers mit den Anzeigeneinnahmen in die rechte Tasche, aus der Verleger ihre Mitarbeiter und Autoren bezahlen, könne man sich sparen, meinte Schwerdtmann und stieß damit anfangs auf heftige Kritik. Die ebbte erst ab, als Kollegen in den Redaktionen bei der Diskussion über die „embedded journalists“ der Irak-Berichterstattung bewusst wurde, dass auch ihr Gehalt nicht nur vom Leser und dem Verleger, sondern überwiegend von der Wirtschaft und ihrer Werbung finanziert wird.

Mit diesem inneren Widerspruch müssen alle Medien jeden Tag klarkommen, auch die öffentlich-rechtlichen, seit die mit Werbung ein ordentliches Zubrot verdienen müssen. Weil Journalisten in allen Medien ständig ihre Unabhängigkeit unter Beweis stellen müssen, war es vom Start an Ziel der Arbeit beim „Auto-Medienportal“, das Vertrauen der Redaktionen zu verdienen. Heute zeigt sich der Erfolg in einer Entwicklung, mit der die Väter der Idee nicht gerechnet hatten. Denn die eigentlich als Online-Nachrichtenagentur für einige Hundert Profis gedachte Seite entwickelte sich zu einem Special-Interest-Medium mit monatlich mehr als 200.000 Lesern. Die beiden Portale erreichen jeden Monat rund eine Viertelmillion Leser (unique user) plus die Nutzer der Mobil-Version.

Bei einer Analyse im Jahr 2019 fand Landau Media für den Monat 2180 Internet-Clippings mit einer Gesamtreichweite von 1,488 Milliarden Pageimpressions und 458 Print-Clippings mit einer Reichweite von 35,8 Millionen. Das ist die Zahlenbasis, auf der die neue Gesellschaft starten kann.

Eine Basis für Gesellschaft und Autoren

Das zweite Pfund, mit der Gesellschafter wuchern können, sind die bestehenden Verträge mit den Sponsoren aus der Industrie, von denen einige über das Jahr 2021 hinausreichen. Damit stehen die Gesellschafter auf einer finanziellen Basis, die sicherer und vermutlich auch fester ist als es Freie sonst erleben. Die Gesellschafter habe es nun in der Hand, die Basis zu verbessern. Dabei wird die Gesellschaft sie nicht einengen. Denn sie können ihre bisherigen und neue Kunden beliefern, wie sie es für richtig halten. Allerdings sollten sie auch für ihre eigene GmbH arbeiten, aus purem Eigeninteresse.

Bisher schon haben die beiden Portale die höchsten Honorare in der Szene bezahlt, immer der alten Einsicht folgend: „Zeit ist Geld“. Wer von Journalisten erstklassige Arbeit erwartet, muss die dafür notwendige Zeit finanzieren. Nicht, dass dieses Ziel schon erreicht wäre. Aber die Autoren-Allianz Mobilität soll weiter daran arbeiten und wachsen – mit Ideen, weiteren Medien vielleicht auch im Printbereich, neuen Partnern und weiteren Sprachen. Schon heute streiten sich die USA und China bei den Top Ten der internationalen Abrufe um die vorderen Plätze, zusammen mit Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und anderen. Der Schritt nach außen liegt also nahe.

Die Gesellschafter: alte Bekannte

Wer das „Auto-Medienportal“ kennt, kennt auch die Gesellschafter der Autoren-Union Mobilität. Es sind die Autoren und Redakteure Guido Borck, Michael Kirchberger, Jens Meiners als Chefredakteur, Hans-Robert Richarz, Jens Riedel, Nicole Schwerdtmann-Freund als General Manager, Peter Schwerdtmann, Frank Wald und als Geschäftsführer Walther Wuttke. Die neue GmbH ist keine geschlossene Gesellschaft. Die Autoren-Union ist frei für die Aufnahme weiterer Kollegen, die in das Netzwerk nicht nur Arbeit investieren wollen. (ampnet/Sm)


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Bilder zum Artikel

Ein Jahr nach der Neugründung: Arbeit im Presseraum der North American International Auto Show 2010: Peter Schwerdtmann, Manfred Zimmerman und sein Assistent. Die anderen treten den hässlichen Teppichboden der Cobo Hall platt. (von links).

Ein Jahr nach der Neugründung: Arbeit im Presseraum der North American International Auto Show 2010: Peter Schwerdtmann, Manfred Zimmerman und sein Assistent. Die anderen treten den hässlichen Teppichboden der Cobo Hall platt. (von links).

Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann


Ein Jahr nach der Neugründung: Arbeit im Presseraum der North American International Auto Show 2010. Es gibt sogar noch Platz im Presseraum.

Ein Jahr nach der Neugründung: Arbeit im Presseraum der North American International Auto Show 2010. Es gibt sogar noch Platz im Presseraum.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann


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