Fahrbericht Harley-Davidson Sport Glide: Leicht zu händelndes Schwermetall

Ganze 15 Modelle umfasst die Softtail-Baureihe von Harley-Davidson. Das reicht vom klassischen Chopper über Heritage-Varianten bis hin zum dragsterartigen Power-Cruiser. Die Preisspanne reicht von 14.495 Euro für den Bestseller Street Bob bis hin zu 11.000 Euro teureren Heritage Classic in Two-Tone-Custom-Color. Und mittendrin findet sich die Sport Glide, die den Einstieg in die Tourer-Welt der Kultmarke darstellt.

Der Zusatz Glide stand schon fast immer für die Reisedampfer aus Milwaukee. Die berühmteste Vertreterin ist seit Jahrzehnten die Electra Glide. Heute gibt es noch die Street Glide und die Road Glide. Sie alle listet Harley-Davidson als Touring-Modelle auf. Die Sport Glide muss sich allerdings in der Softtail-Baureihe einordnen. Das spricht per se schon einmal für ein etwas handlicheres Motorrad. Sofern das bei 317 Kilogramm Fahrgewicht überhaupt gesagt werden darf. Damit unterbietet die Sport Glide ihre Namensvetter aber immerhin um mindestens 55 Kilo.

Das wir einmal auf einer Harley-Davidson mit bis zu 170 km/h über die Autobahn fegen würden, hätten wir uns auch nie träumen lassen. Natürlich ist das auf Dauer kein Vergnügen, dank der breiten Lampenverkleidung mit kleinem Windschild und vor allem des Tempomats ist die Sport Glide aber durchaus langstreckentauglich. Das kann von den serienmäßigen Koffern nur bedingt behauptet werden. Sie sind für das Urlaubsgepäck einfach zu schmal, stellen aber natürlich im Alltag und den Kurztrip am Wochenende eine Entlastung dar. Bei Nichtgebrauch sind sie zudem dank Schnellverschluss rasch abzunehmen – die Verkleidung übrigens auch.

Ihre Stärken spielt die Sport Glide aber nicht auf der langen Geraden, sondern auf kurvigen Landstraßen aus. Hier begeistert das Schwermetall aus Milwaukee mit einem erstaunlich leichten Handling. Schon bei leichter Schräglage lenkt das 18-Zoll-Vorderrad willig mit ein. Dass die Ferse über den Asphalt schrappt ist keineswegs selten. Das hohe Gewicht macht sich nur beim Schieben bemerkbar, wo das flache Motorrad lediglich am Halteband für den Sozius der rechten Hand Halt bietet und alles zu einer recht wackeligen Angelegenheit macht.

Ansonsten ist der Umgang mit der Sport Glide nicht nur wegen des unkomplizierten Fahrverhaltens absolut problemlos. Lediglich der Leerlauf verlangt etwas Aufmerksamkeit und will bevorzugt vom zweiten Gang aus gefunden werden. Zwei Kippschalter sind doppelt belegt: So teilen sich Anlasser und Warnblinker einen Platz, und auf der anderen Seite der Scroller für das kleine Display im analogen Tacho und die Hupe. Für jede Seite gibt es hingegen einen eigenen Blinkerschalter, dafür aber auch eine automatische Abschaltfunktion.

Die Sitzhaltung ist entspannt, wobei sich kurzbeinige Fahrer aber durchaus die Rasten eine halbe Fußlänge weiter hinten vorstellen könnten. Im Kurvengeläuf taucht hin und wieder auch der Gedanke an eine noch etwas fahraktivere Haltung Richtung Vorderrad auf. Aber wie gesagt, die Sport Glide liegt auch so spielerisch leicht in der Hand.

Als einzige Softtail kommt sie übrigens mit einem Endrohr aus. Das kostet zwar drei PS und zehn Newtonmeter Drehmoment, aber schwachbrüstig ist der 1,75-Liter-Motor so oder so nicht. Subjektiv bollert die Sport Glide in unseren Ohren sogar einen Hauch bissiger aus dem Auspuff. Ab etwa 1500 Touren stapft der kleinere der beiden mächtigen Harley-Zweizylinder in allen Gängen klaglos los. Erst ab etwa 3200 Umdrehungen in der Minute vibriert der Twin etwas vernehmlicher in den Fußrasten, was im letzten Gang etwa 145 km/h entspricht, aber die Drehmomentspitze liegt ohnehin schon kurz vorher an. So pendelt sich die Reisegeschwindigkeit zwischen 120 und 140 km/h ein. Der Tank fasst knapp 19 Liter und erweist sich damit ebenfalls als tourenfreundlich, denn er ermöglicht Reichweiten von gut 350 Kilometern.

Die Bremsen sprechen früh an, lassen sich gut dosieren und packen kräftig, aber nicht giftig zu, wobei die Upside-down-Gabel angenehm wenig eintaucht. Das ABS regelt ebenfalls völlig unaufgeregt. Die etwas längsrillenempfindlichen Michelin-Scorcher-Reifen haben Einkerbungen, die das Marken-Emblem aus Milwaukee symbolisieren, und tragen auch den Harley-Schriftzug. Aber nicht nur hier verteilt der Motorradhersteller sein Logo bereitwillig. Es findet sich unter anderem im Tacho, auf der Lenkerklemme, unter den Fußrasten und selbst auf dem Zündverteiler und im Scheinwerfer. (ampnet/jri)

Daten Harley-Davidson Sport Glide

Motor: 45-Grad-V2, 1745 ccm, luft-/flüssigkeitsgekühlt
Leistung: 62 kW / 84 PS bei 5450 U/min
Max. Drehmoment: 145 Nm bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
Getriebe: sechs Gänge
Antrieb: Zahnriemen
Tankinhalt: 18,9 Liter
Sitzhöhe: 680 mm
Gewicht: 317 kg (fahrbereit)
Normverbrauch: 5,3 l/100 km
CO2-Emissionen: 125 g/km
Testverbrauch: 4,3–5,4 l
Bereifung: 130/70 B18 (v.) / 180/70 /B16 (h.)
Preis: 17.995 Euro (zzgl. NK)


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Harley-Davidson Sport Glide.

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Foto: Auto-Medienportal.Net


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Harley-Davidson Sport Glide: Der zweite Tankdeckel ist stylisch, aber ein Fake.

Harley-Davidson Sport Glide: Der zweite Tankdeckel ist stylisch, aber ein Fake.

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Harley-Davidson Sport Glide: Das Markenemblem findet sich auch unter den Fußrasten.

Harley-Davidson Sport Glide: Das Markenemblem findet sich auch unter den Fußrasten.

Foto: Auto-Medienportal.Net


Harley-Davidson Sport Glide: Die Umrisse des Markenemblems finden sich als Reifenprofil.

Harley-Davidson Sport Glide: Die Umrisse des Markenemblems finden sich als Reifenprofil.

Foto: Auto-Medienportal.Net