Wortklauberei (4): Der ganz alltägliche Komparativismus

Das Bessere ist des Guten Feind, formulierte angeblich Voltaire bereits im 18. Jahrhundert. So schlecht ist das Gute also gar nicht; niemand muss sich seiner schämen. Und doch lässt es sich aus Produkt-Pressemeldungen nicht verdrängen. Niemand will dem Vorgänger an den Karren fahren. Deswegen muss der politisch korrekte, mit dem Marketing abgestimmte, mittlerweile bei Pressemappen-Autoren in Fleisch und Blut übergegangene Noch-Komparativ ran. Der Neue ist nicht nur besser, er ist noch besser als der Alte.

Es hat zwar keiner behauptet, dass der Alte schlecht war. Dass der Neue aber besser ist als der Alte, ist doch bei einem neuen Produkt – hoffentlich – selbstverständlich. Und so werden wir noch viele Komparative aus Pressetexten eliminieren müssen, nur weil niemand zugeben will, dass der Neue verbesserungswürdig oder -fähig war.

Wo wir schon einmal beim Pressemappen-Deutsch sind – folgende Worte sind entweder falsch oder überflüssig:

Neu. Wir berichten äußerst selten über etwas, das nicht neu ist. Das Wort ist in 99 Prozent der Fälle überflüssig.

Technologie: Gemeint ist in aller Regel eine Technik, nicht eine Technologie

Innovation. Jeder Fast Follower nennt seine Technik eine Innovation. In ebenfalls 99 Prozent der Fälle entspricht das nicht der Wahrheit.

Generation: Zur halben Lebenszeit eines Modells findet bei den Fahrzeugbauern eine Modellpflege statt. Die paar Änderungen rechtfertigen jedenfalls nicht den inflationären Gebrauch des Begriffs Generation. (ampnet/Sm)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net