Kommentar: Danke für nichts, ADAC

Es klang zu schön, um wahr zu sein: Ein neues Elektroauto für nur 10.000 Euro – die großzügigen Subventionen natürlich eingerechnet. Der chinesische Hersteller Suda macht es mit seinem Modell SA01 möglich; es wird seit wenigen Monaten in Deutschland vermarktet. Doch jetzt hat der ADAC mit einer atemlosen Pressemeldung Wasser in den Wein gegossen: Der Fernost-Stromer sei unsicher.

Der Club hat den SA01 fahrdynamisch getestet und ihn anschließend mit 64 km/h gecrasht. Erwartungsgemäß schnitt das sensationell günstige, im Moment noch ohne Stabilitätskontrolle und Airbag antretende E-Mobil dabei nicht besonders gut ab.

Ist das ein Skandal? Die mäßige Reichweite und die betulichen Fahrleistungen des Stromers dürften sicherstellen, dass er vorwiegend auf Kurzstrecken und bei niedrigen Geschwindigkeiten bewegt wird. Er tritt nicht in Konkurrenz zu internationalen Premium-Modellen, sondern er ist eine Alternative zum Gebrauchtwagen, zum Fahrrad und zum kollektiven Massentransport. Wenn sich radikale Politiker mit ihren Verbotsplänen durchsetzen, dürften derart günstige Elektroautos für viele Bürger die einzige Möglichkeit sein, überhaupt noch mit dem eigenen Auto in die Ballungszentren zu fahren.

Vom ADAC ist zu diesen Zumutungen übrigens kein kritisches Wort zu hören. Seit Jahren redet der Verein unkritisch der E-Mobilität das Wort, obwohl Elektroautos teurer, schlechter und nicht einmal umweltfreundlicher als konventionell angetriebene Autos sind. Die Sicherheit von Elektroautos insgesamt oder auch die gravierenden Einschränkungen, die mit der hochgepriesenen „Verkehrswende" auf den Autofahrer zukommen, wären ein dankbares Betätigungsfeld. Das Schweigen des ADAC dazu ist längst ohrenbetäubend.

Aber vielleicht will der Club sich mit seiner Kritik am China-Auto auch nur auf plumpe Weise der deutschen Autoindustrie empfehlen. Das Verhältnis war in den letzten Jahren zerrüttet, weil die Hersteller sich nach Auffliegen der Betrügereien beim „Gelben Engel" beeilt hatten, die wertlosen Trophäen nach München zurückzuschicken.

Umso ungeschickter ist es, in der aktuellen Invektive wider den „Preiskracher aus China" (ADAC) ausgerechnet den Dacia Logan zu erwähnen. Denn einst hatte man den „Billigflieger aus Rumänien" (ADAC) unprofessionell und mit beschädigten Reifen zum Überschlag gebracht – und in einer Presse-Aussendung dramatische Anklage erhoben. Wenige Monate später musste der Club kleinlaut zurückrudern.

Man darf davon ausgehen, dass der ADAC beim Test des kleinen Chinesen seriöser gearbeitet hat. Und man kann nur hoffen, dass er sich eines Tages sogar wieder um die Interessen seiner Mitglieder kümmert. (ampnet/jm)


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Jens Meiners.

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Foto: Auto-Medienportal.Net/Jens Meiners