Glosse: Audianer_innen 2020 erneut erfinderisch

Die Sprache lebt. Und auch der Duden ist nicht mehr das, was er früher einmal war – ein sicherer Ratgeber für Grammatik und Rechtschreibung. Schon das Wort „gendergerecht“ hätte nicht in seine Spalten rutschen dürfen. Hier werden hemmungslos zwei Sprachen gemischt, ein englisches Wort brutal eingedeutscht. Der Duden hat eine Begründung dafür, denn er beobachtet die Entwicklung der Sprache. Dabei verliert er zusehends seine wesentliche Aufgabe aus dem Blick, die deutsche Sprache zu pflegen.

Aber Dudenredakteure sind eben auch nur Kinder ihrer Zeit und erliegen der Versuchung, der sich auch viele aktuelle Medien nicht mehr entziehen, der aber Blogger, Influencer und andere Netzaktivisten fast alle erlegen sind. Sie berichten nicht, sie machen sich selbst zum Aktivisten einer Sache.

Die USA sind uns angeblich immer noch in Vielem voraus. Deswegen können wir dort heute überdeutlich ablesen, was passiert, wenn Beobachter zu Aktivisten werden. Wer es nicht vor Ort erleben konnte, der hat es in unseren Medien berichtet bekommen: Der Sender Fox News kämpft immer noch mit allen Mitteln für Trump und für seine Anti-Demokratie-Kampagne, CNN hält – nicht immer mit feinen Mitteln – dagegen. Und beide verdienen gut an ihrer Blase.

Warum an dieser Stelle die ganz dicken Geschütze? Weil wir immer wieder ideologisch begründete Versuche erleben, Sprache als Druckmittel einzusetzen, ein Ziel zu erreichen, das mit Worten wenig zu tun hat.

Jetzt also „gendergerecht“. Und wehe dem, der sich nicht der Formulierungen sofort und willig bedient, die andere für politisch korrekt erklärt haben. Wer sich weigert, vergeht sich am ideologischen Ziel hinter der Sprachmanipulation. Er liefert den anderen einen Grund zum Angriff und kann sich nicht dagegen wehren, als zurückgeblieben und erzkonservativ beschimpft zu werden.

Sogar die Tagesschau-Redaktion, der reinen Lehre des unabhängigen, faktenbezogenen Journalismus klassischer Prägung mit Stolz verpflichtet, kommt auf einmal ins Sternchen-Stottern, und die Sprecher müssen dabei nicht einmal lachen. Wie soll sich da eine Presseabteilung der Industrie, die es Vielen rechtmachen will, erfolgreich gegen Gender-Formulierungen wehren? Aber sie muss ja nicht gleich einen draufsetzen und statt des unscheinbareren Sternchens einen brachialen Unterstrich verwenden. „Audianer_innen 2020 erneut erfinderisch“ lautete heute die Überschrift einer Pressemitteilung zum Mitarbeiter-Ideenmanagement im Unternehmen. Doch trotz so viel Engagement fällt auf, dass bei Audi offenbar keine „Diversen“ beschäftigt sind, zumindest haben sie nichts zur Patent-Bilanz beigetragen.

Hüten wir uns vor Ideologien, die sich der Sprache bemächtigen wollen. Das hatten wir im vergangenen Jahrhundert eigentlich hinter uns gelassen. (ampnet/Sm)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net