Glosse: Holländer foppen

Bei unseren niederländischen Freunden, die mit ihren Strafen bei Verstößen gegen die Verkehrsregeln ohnehin schon kräftig hinlangen, droht neue Gefahr. Wer im Auto beim Telefonieren ohne Freisprechanlage erwischt wird, zahlt schlanke 240 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, des widerrechtlichen Fernsprechens überführt zu werden, steigt nun zunächst auf der A28 zwischen Utrecht und Amersfoort. Dort haben die Behörden neuartige Blitzanlagen installiert, die ausnahmslos alle vorbeifahrenden Autofahrer fotografieren. Oberkörper, Schoß und das Kennzeichen werden dabei erfasst. Künstlich intelligente Computer werten daraufhin die Aufnahmen aus und löschen all jene, auf denen ihrer Meinung nach kein elektronisches Gerät zu sehen ist, das sich der Fahrer ans Ohr hält oder auf den Beinen liegen hat. In den anderen Fällen kommt es zur Strafverfolgung.

Weil wir aber alle, oder zumindest viele von uns, immer gewiefter oder gewitzter werden, muss die Überwachung schon deutlich ausgefeilter sein, um uns zu ertappen. Wenn sich 40 Jahre alte Bürgermeister, und der halbe Magistrat gleich mit, gestern vorzeitig einen Spritzer Biontec oder Astra-Zeneca ergattern konnten und so im wahren Wortsinn aus der Reihe getanzt sind, dürfte es doch kein Problem sein, auch den Holländer an der Nase herumzuführen. Das birgt außerdem große Chancen für junge Start-ups bei uns, die mit kreativen Ideen den sinkenden Beschäftigungszahlen am Arbeitsmarkt entgegenwirken könnten.

Denn Computer sind eben nur künstlich intelligent und was denkt sich ein solcher Rechner, wenn ich mir auf der A 28 zwischen Utrecht und Amersfoort eine Cola-Dose oder vielleicht auch eine Banane neben die Wange halte. Richtig: Er ist der Meinung, dieser Autofahrende hält sich eine Cola-Dose oder eine Banane ans Gesicht. Vielleicht will er mit dem Kaltgetränk die Hitzewallungen der aufkeimenden Covid-19-Symptome mindern. Oder einfach nur mal am Affenschnitzel schnuppern. Ein elektronisches Gerät, wird er befinden, ist es jedenfalls nicht und löscht das Foto. So hoffen wir zumindest.

Und nun kommen die findigen Köpfe ins Spiel, die mit ihren Ideen schon immer zwischen Gag und Gangstertum mäandert haben. Was spricht dagegen, in einem Gehäuse oben erwähnter Form und Farbe ein Handy einzubauen? Das ist doch schrill und krass, bereitet das Feld auch gleich für weitere Kreationen. Wie wäre es mit einer Butterstulle als Vermummung, oder einem Joy-Toy in der Gestalt eines Vibrators? Na gut, der könnte vielleicht je nach Entwicklungsstufe auch schon als elektronisches Gerät eingestuft werden. (ampnet/mk)


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Michael Kirchberger.

Michael Kirchberger.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Kirchberger