Unter uns: Kein Skoda von der Post

30 Jahre ist es nun her, dass Skoda unter das Dach des Volkswagen-Konzerns gekommen ist. Zugegeben, ich – ein „Wessie“ – hatte immer schon ein Faible für Autos aus dem Ostblock. Als sich Mitte der 1990er-Jahre Nachwuchs ankündigte, offenbarte sich eine große Schwäche des privat genutzten zweitürigen Lada Samara. Die Konstrukteure im fernen Togliatti hatten es über Jahre hinweg einfach nicht geschafft, dem Modell eine geteilte Rücksitzbank zu spendieren.

So schweiften seinerzeit die Augen zu Skoda. Der Felicia Combi lockte den künftigen Familienvater vor allem mit einer Besonderheit: Die Rücksitzbank ließ sich mit zwei, drei Handgriffen einfach aus dem Auto nehmen – und hinterließ eine gut 1,80 Meter lange Ladefläche. Wow. Das hätte sogar zum Übernachten gereicht. Wenn ich mich recht erinnere, dann stand auf der IAA 1995 auch ein Felicia Combi ohne Rücksitze, aber mit ausgezogenem Maßband auf dem Kofferraumboden.

Als dann bei einer Wien-Reise auch noch ein gelber am Straßenrand parkender Felicia (Schräghecklimouisne) entdeckt wurde, war die Entscheidung gefallen – und Skoda Deutschland erhielt einen Brief, ob man denn den Felicia auch in Deutschland in Gelb bekommen könne, denn im Prospekt war die Farbe nicht zu finden. Es kam eine freundliche Antwort aus Weiterstadt zurück, dass die auffällige Lackierung in Kürze auch hierzulande offiziell angeboten werde. Bei der Motorisierung fiel die Wahl auf den 75 PS starken Motor aus dem VW Golf.

Kollegen witzelten in der Tiefgarage angesichts der Karosseriefarbe gerne einmal: „Mach mal das Fenster einen Spalt auf, damit ich den Brief einwerfen kann.“ Zugegeben, mit Stoßstangen, Dachreling und Seitenschutzleiste in Schwarz fehlte wirklich nicht viel zum Postauto. Dafür grüßten sich alle Fahrer eines gelben Felicia Combi!

Sympathisch fand ich auch, dass wie schon beim Vorgänger Forman beim Kombi einfach die Heckklappe der Limousine verwendet wurde. Das sparte Skoda nicht nur Geld, sondern verlieh dem Auto auch eine für einen kleinen Kombi ungewöhnlich sportive Linie.

Nach einem Wohnortwechsel bot die neue Vertragswerkstatt übrgens von sich aus an, über sechs Jahre nach dem Kauf des Autos kostenlos die Heckklappe auszutauschen – hatte sich dort doch über der schwarzen Plastikblende mit dem Griff Rost gebildet. Fortan galt bei jedem Felicia, der auftauchte, mein Blick dem Heck. Schnell war klar: Mein Rostfall war kein Einzelfall. Den meisten Ärger bereitete aber ausgerechnet der VW-Motor. Mindestens zweimal gab es Probleme mit den Ventilen.

Nach rund 170.000 Kilometern war dann die Zeit reif, schweren Herzens Abschied zu nehmen. In meiner Verkaufsanzeige im Internet pries ich auf einem Foto mit Zollstock die Länge des Kofferraums bei herausgenommener Sitzbank an, hatte ich all die Jahre doch immer wieder gerne und überall betont, dass da nicht einmal ein Passat mithalten konnte. Zugegeben, den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung habe ich nie überprüft, aber wenn’s nicht stimmt, war es zumindest nur leicht geschwindelt und nicht groß gelogen.

Das tolle Foto für die Verkaufsanzeige hätte ich mir allerdings sparen können. Das Argument zog bei der Suche nach einem neuen Besitzer offensichtlich nicht. Das Telefon klingelte zwar oft, aber alle Anrufer hatten die Ländervorwahl 0042. So fand mein Skoda dann auf einem Transportanhänger wieder den Weg zurück in die Heimat. Mich hat's für ihn gefreut. (ampnet/jri)


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Bilder zum Artikel

Skoda Felicia 1.6 Combi (1997).

Skoda Felicia 1.6 Combi (1997).

Foto: Auto-Medienportal.Net/Riedel


Jens Riedel.

Jens Riedel.

Foto: Auto-Medienportal.Net