Glosse: Rütter for President

1989 hat die Wende dem Volk der DDR die Freiheit gebracht. Damals feierten alle Deutschen vor allem die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, wohin man sich bewegen möchte. Die individuelle Mobilität wurde als eines der Menschenrechte gefeiert. Nun steht wieder eine Wende an – die Verkehrswende. Doch die werden viele Deutsche eher als Rolle rückwärts, denn als befreiend erleben. Die freie Entscheidung des Einzelnen, wann, wie er sich womit zu seinem persönlichen Ziel bewegt, wird heute schon gern als reaktionär gebrandmarkt und das Auto zum Feind der revolutionären Massen erklärt.

Was sind das für unerhörte Parallelen? Es geht doch links von der politischen Mitte nur darum, dem Volk zu sagen, mit welcher Art der persönlichen oder Gruppen-Mobilität es in Zukunft leben soll. Glücklicherweise verfügt dieses Land über eine politische Elite, die sehr gut weiß, was die Massen brauchen dürfen sollen. Das Auto gehört nicht unbedingt dazu, aber eine Menge Utopien wie das autonom fahrende Shuttle, das auf dem Land jeden, jederzeit ans Ziel bringt oder den Städter, der keinen Parkplatz braucht, weil er sein E-Bike Schultern kann. Für Alte, Kranke und Gebrechliche übernimmt das ein Amt.

Und die vielen Tausend neuen Arbeitsplätze am Lenker der Cargobikes von Lieferservices. Und die Sonderspuren in Großstädten für die immer zahlreicher werdenden Rollatorbetreiber und Rollstuhlfahrer. Und der reibungslose Personennah- und Fernverkehr. Und die vielen neuen Formen von modalem Verkehr und der Kombination von Fortbewegungs-Möglichkeiten. Und die vielen Möglichkeiten für spontanes Mieten wie Car2go, besonders beliebt in Pandemiezeiten, oder Carsharing. Ist das die Mobilität, die wir meinen? Teilweise schon. Aber bitte jeder nach seiner Art.

Doch die Verkehrswende wird nicht in nur einer Legislaturperiode abgewickelt. Doch leider reicht die Geduld der Akteure und Agitatoren mit diesem Volk nicht. Deswegen werden sie die Autobesitzer jetzt umerziehen, weil die sich an der Zukunft und am Klima vergehen. Zum Beispiel mit Tempo 130 auf Autobahnen, Tempo 80 auf den Straßen und 30 km/h innerorts. Wenn schon keine Fahrverbote mehr, so doch zumindest Tabuzonen fürs Auto und Geldstrafe auf den Kraftstoff, den der Staat seit 130 Jahren als einzigen zugelassen hat, obwohl die Wissenschaft schon lange genug Alternativen kennt, die das Klima nicht schädigen.

Sie gehen sogar so weit, eine Technologie zu verbieten, obwohl sie die nicht einmal begriffen haben. Nicht der Verbrennungsmotor ist das Übel. Es ist der Kraftstoff. Doch eine klimaneutrale Alternative wollen sie uns immer noch vorenthalten. Das soll auch den Letzten dazu bringen, ein Auto zu fahren, das dem Klima zwar nur wenig hilft, aber ins Prinzip passt. Und Prinzipien muss man durchsetzen, auch wenn das ein schmerzhafter Prozess ist. Der Mensch lernt eben nur über Portemonnaie und Strafe.

Bei Tieren ist das offenbar anders. Hundeflüsterer wie Martin Rütter arbeiten mit Leckerli, um Verhaltensänderungen zu erreichen. Rütter for President. (ampnet/Sm)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net