Praxistest Canyon Precede On CF 9: Hingucker mit praktischer Automatik

Erst verhalf die E-Unterstützung dem Fahrrad zu neuem Schwung, dann die Corona-Krise. Und mittlerweile ist das Pedelec als alternatives Pendlerfahrzeug auch in den Köpfen von Politikern angekommen. Da ist sogar von Radschnellwegen die Rede, die nach Autobahn fürs Zweirad klingen. Hersteller Canyon bewirbt sein neues Modell Precede On sogar mit dem Satz „Die Zukunft der Mobilität erleben“. Eines jedenfalls ist unbestritten, es ist ein Hingucker.

„Was hast Du denn da Schickes?“ fragt die Nachbarin über die Gartenhecke, und dem radelnden Familienvater mit dem Kinderanhänger im Schlepp entfährt ein „Oh, schönes Bike“, als er überholt wird. Ja, auch beim Fahrrad kauft das Auge mit. Doch nicht nur hier hat das Canyon Precede On die Nase ganz weit vorn. In der Ausführung CF 9 verfügt das City-E-Bike über eine automatische Nabenschaltung von Enviolo, die stufenlos arbeitet. Das hilft dem Fahrer nicht nur sich voll und ganz auf das turbulente innerstädtische Verkehrsgewühl zu konzentrieren, sondern erleichtert vor allem das Wiederanfahren nach dem Halt an einer Kreuzung oder Ampel, weil stets automatisch eine passende Übersetzung bereit gestellt wird. Das funktioniert tadellos und nimmt dem Pendler eine Last ab.

Designerisch bekommt der Käufer ein Schmuckstück, schnörkellos und wie aus einem Guss. Das gilt auch für den bündig zum Carbon-Rahmen hin abschließenden Lenkkopf sowie die Integration des Faltschlosses von Abus, das mit dem selben Schlüssel bedient wird wie die Akku-Entriegelung. Der Farbton Champagne (alternativ gibt es Anchor Grey) unterstreicht den edel wirkenden Gesamteindruck. Minimalismus ist bei aller Technik Trumpf. Die Beleuchtung vom Hersteller Supernova ist so klein wie möglich gehalten, insbesondere das extrem schmale Rücklicht. Zudem ist Fernlicht mit dabei. Der serienmäßige Gepäckträger vom Zulieferer Racktime ist für die Anbringung von Ortlieb-Produkten vorkonfiguriert, aber natürlich lassen sich auch Taschen anderer Hersteller daran befestigen. Die Zuladung beträgt ordentliche 25 Kilogramm. Das sollte für die tägliche Fahrt ins Büro oder an die Werkbank reichen.

Angetrieben wird das Canyon Precede On (precede = vorausgehen) vom Performance-Line-CX-Motor von Bosch, der 85 Newtonmeter beisteuert. Die Akkukapazität von 500 Wattstunden erlaubt Reichweiten von über 100 Kilometern. Wir bekamen bei 95 Prozent Batteriekapazität für die vier Fahrmodi (Eco, Tour, Sport und Turbo) 107, 71, 57 und 53 Kilometer angezeigt. Bei beispielsweise 71 Prozent waren es 82, 53, 43 und 38 Kilometer. Wobei die Sprünge auch exemplarisch für die jeweilige Stärke der Tretunterstützung stehen. Eco fordert durchaus ein spürbares Maß an Muskelkraft, der Unterschied zwischen Sport und Turbo ist tatsächlich nicht besonders hoch. Wir bewegten uns meist im Tour-Modus und kamen in der Regel auf Durchschnittsgeschwindigkeiten von 22 km/h. Die Antriebskräfte überträgt ein Riemen.

Angesichts des Carbon-Rahmens klingen die 22,2 Kilogramm Gewicht recht viel, sie sind aber auch auf die automatische Nabenschaltung zurückzuführen. Mit klassischer Kettenschaltung ist das Precede als CF 8 mit zwölf Gängen über ein Kilo leichter. Doch so oder so, zu spüren ist das Gewicht beim Fahren nicht. Im Gegenteil: Das Canyon begeistert auch durch seine Leichtgängigkeit bei ausgeschaltetem Motor oder jenseits der elektrisch unterstützten 25 km/h.

Der nicht höhenverstellbare Lenker zwingt den Fahrer zu einer gefühlt 45 Grad nach vorn gebeugten Haltung. Das ist halbwegs windschnittig und sportlich und sorgt für flottes Vorwärtskommen. Für die etwas längere Tour eignet sich das aber nicht. Die dicken Reifen bringen genug Eigendämpfung mit, um die Defizite kommunaler Fahrradweg einigermaßen abzufedern. Gegen den Ausritt jenseits befestigter Wege spricht die ungefederte Vordergabel, auch wenn Anbauteile wie Schutzbleche und Gepäckträger sehr robust ausgelegt sind. Der gut gepolsterte Sattel ist bequem, lediglich die gummierten Griffe mit Handballenausformung wirken nicht ganz so hochwertig.

Der Bordcomputer Kiox von Bosch gehört zu den besseren. Er bietet vielfältige Funktionen und Anzeigemöglichkeiten, darunter unter anderem einen Kalorienzähler und die Option auf Navigation und Herzfrequenzangabe. Unter anderem zeigt das Display die eigene Leistung in Relation zur E-Unterstützung an. Die Trittfrequenz lässt sich ebenfalls über das Display einstellen (je höher, desto geringer der Widerstand und desto mehr Kurbelumdrehungen pro Minute sind nötig). Im Zusammenspiel mit der Automatik ergeben sich so ganz individuelle Einstellmöglichkeiten, die sich auf die persönliche körperliche Fitness abstimmen lassen.

4999 Euro ruft Canyon für das Precede On CF 9 auf. Darin sind 1000 Euro Aufschlag für die Nabenautomatik enthalten, auch die Verwendung von Carbon dürfte sich Canyon entsprechend bezahlen lassen. Und schickes Design hat immer schon seinen Preis gehabt. (aum/jri)


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Canyon Precede On.

Canyon Precede On.

Foto: Auto-Medienportal.Net


Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

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Canyon Precede On CF 9: Rücklicht.

Canyon Precede On CF 9: Rücklicht.

Foto: Auto-Medienportal.Net


Canyon Precede On CF 9.

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Foto: Auto-Medienportal.Net


Canyon Precede On CF 9.

Canyon Precede On CF 9.

Foto: Auto-Medienportal.Net