Wortklauberei (21): Alternative Fakten nun auch hier?

Der Staat muss jetzt handeln, denn „die Zahl der im Straßenverkehr verunfallten Menschen über 65 steigt jährlich“, erklärt uns heute Stefan Bajohr, der Vorsitzende des Verkehrsclub Deutschland (VCD) in einem Pressestatement seines Vereins. Ein Straßenverkehrsgesetz, wie der VCD es fordert, müsse auch dieses Thema in Angriff nehmen. Bajohr: „Für viele ältere Menschen kommt der Straßenverkehr einem Hindernisparcours gleich. Dass sich die Politik nicht stärker für eine altersgerechte Verkehrsgestaltung einsetzt, ist angesichts des demografischen Wandels mehr als kurzsichtig. Dabei sind sichere und komfortable Rad- und Fußwege sowie bezahlbare Mobilitätsoptionen ein Gewinn für alle.“

Beginnen wir am Anfang: Die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr sinkt seit Jahren, sagt das Deutsche Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Sie sinkt zwar langsam, zu langsam. Aber Statistik lässt sich eben nicht so drehen, wie es einem gerade passt. So etwas nennt man in den USA alternative Fakten.

Und dann fragen Sie doch mal den 70jährigen, der sich gerade mit Bandscheibenvorfall vorsichtig durch die Stadt bewegt, wie er sich Fußgängerzonen und Fußwege vorstellt. Auf jeden Fall wird er ein generelles Fahrrad- und Lastenfahrradverbot in Fußgängerzonen, Disziplin der Radfahrer nicht nur an den Zebrastreifen und eine rigorosere Überwachung des gesamten Zweiradverkehrs in Innenstädten fordern, das Herumliegen von Leifahrrädern und E-Scootern anprangern und auch ein paar sehr verständliche Forderungen stellen: Der Fußweg gehört den Fußgängern. Der Weg zum Parkplatz des eigenen Autos muss so kurz sein wie möglich, solange ihm der neue, autonome Bedarfsverkehr der ÖPNV-Betriebe nicht die Möglichkeiten anbieten kann, von denen Verkehrsplaner heute erst schwärmen. Der 70jährige zweifelt, ob er das – trotz der gestiegenen Lebenserwartung – noch erleben wird, trotz Hochwasserfond und Coronakosten. (aum/Peter Schwerdtmann)


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Peter Schwerdtmann.

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Foto: Auto-Medienportal.Net