Interview Jochen Hermann: „Der Kunde wird sehr viel mehr erleben“

Auch AMG positioniert sich im neuen Autombilzeitalter etwas anders als bisher. Matthias Knödler traf Jochen Hermann zum Interview. Der AMG-Entwicklungschef spricht über die Hybridisierung und das Project One – und bestätigt, dass der zweitürige GT einen Nachfolger bekommt.

Warum setzen sie beim PHEV auf eine relativ kleine Batterie, mit der die Fahrzeuge sich nicht für Subventionen qualifizieren?

„Technisch sind die entsprechenden Modelle natürlich PHEVs, aber wir nutzen die Batterie für andere spezifische Zwecke. Unser Fokus ist nicht, so weit wie möglich elektrisch zu fahren, sondern die Performance auf den nächsten Level zu heben. Dafür ist die Batterie optimal dimensioniert, und wir minimieren somit auch das Gewicht. Das sind klare Performance-Autos, mit denen Sie aber natürlich leise in einem Wohngebiet rein- und rausfahren können.“

Verbessern sich mit dieser Hybridisierung, etwa beim AMG GT 63, denn die Rundenzeiten?

„Zunächst einmal haben wir eine Optimierung im Fahrerlebnis, weil das Auto zwei Charaktere kombiniert: Das spontane Ansprechen der E-Maschine und den kraftvollen Durchzug des Verbrenners. Und der Anspruch ist auch die Effizienzsteigerung. Den Großteil von Performance und Effizienz erlebt der Kunde im täglichen Fahren, bei der Beschleunigung und dem Auffahren auf die Autobahn. Auf der Rennstrecke hält sich die Balance zwischen Mehrgewicht und Mehrleistung die Waage. Wir werden keine Rekordzeiten pulverisieren, aber im täglichen Fahren wir der Kunde sehr viel mehr erleben.“

Werden langfristig alle AMG-Modelle Vierzylinder?

„AMG als Achtzylinder-Marke wird diesen Motor noch länger behalten.“

Sie haben jetzt einen AMG EQS 53 vorgestellt. Wie ist diese Modellbezeichnung zu interpretieren?

„Der 53er erfüllt jetzt unsere Grundanforderung an ein BEV, wir bieten erheblich mehr beim Lenken, Bremsen, Fahrwerk, Sound und natürlich auch bei der Leistung. Ein 63er hingegen ist ein AMG, der auf der Rennstrecke performt, und das Streben wir mit einem 53er nicht an. Aber der Kunde spürt auch in diesem Auto auf den ersten 100 Metern, dass er in einem AMG sitzt.“

Wird AMG zu allen EQ-Modellen entsprechende Derivate anbieten? Und was ist mit Smart, wo bisher Brabus zum Zuge kam?

„Nein, wir haben ja auch keinen EQC angeboten. Wir gucken bei jedem Modell, ob es zu uns passt und entscheiden uns dann. Bei Smart haben wir keine Ambitionen.“

Sie sind diesmal komplett für den SL verantwortlich. Aber muss der nicht auch komfortabel sein?

„Den SL wird es tatsächlich nur als AMG geben. Aber Sportlichkeit hat mit Präzision und Vorhersehbarkeit zu tun und ist nicht notwendig unkomfortabel. Wir werden eine gewisse Bandbreite anbieten, unterschiedliche Motorisierungen und auch Länderausprägungen. Mit diesem Auto wird man auch cruisen können.“

Bekommt der GT einen Nachfolger?

„Ja. Mit dem zweitürigem GT haben wir eine neue Tür aufgemacht und einen Anspruch gesetzt. Wir werden das Segment weiter bedienen und arbeiten auch an einem Nachfolger. Das war schon immer klar. Das ist der Unterschied zum AMG Project One. Einen One macht man einmal, den GT öfter.“

Wie ist denn der Status beim One?

„Wir planen dieses Jahr mit der Produktion, das Auto wird in allen wichtigen Märkten zertifiziert. Das Projekt ist das komplexeste, das wir je gemacht haben; mit einem Formel-1-Motor und der Erweiterung um die elektrische Vorderachse könnte man sich eigentlich zehn Jahre lang beschäftigen.“

Sind für diesen aufwendigen Antrieb denn auch andere Anwendungen denkbar?

„Ich glaube nicht. Es ist der Reiz zu zeigen, dass man so etwas kann, aber wir haben unseren One-Kunden auch Exklusivität angeboten. Wir werden kein zweites Mal durch diese ,engineering hell‘ gehen. Dieses Auto wird in Museen stehen, man wird noch in Jahrzehnten darüber sprechen. Aber man muss es nicht übertreiben.“ (aum/mkn)


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Bilder zum Artikel

Jochen Hermann.

Jochen Hermann.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Daimler


Jochen Hermann.

Jochen Hermann.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Daimler


Mercedes-AMG Project One.

Mercedes-AMG Project One.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler