Ford baut in Köln an seiner elektrischen Zukunft

Seit inzwischen 91 Jahren baut Ford in Köln Automobile, die alle eines gemeinsam hatten: Als Antrieb kamen stets Verbrennungsmotoren zum Einsatz. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern, wenn der Konzern von den konventionellen Antrieben auf die Elektromobilität umsteigt und im kommenden Jahr sein erstes vollelektrisches Volumenmodell für Europa am Rhein vom Fließband rollen lässt.

Erstes vollelektrisches Volumenmodell? Ja, denn bereits 2013 stellte Ford mit dem elektrischen Focus ein erstes batterieelektrisches Modell vor. Es war das erste E-Auto überhaupt, das in Deutschland produziert wurde und lief bis 2018 in Saarlouis vom Band. Doch offensichtlich war der Focus Electric seiner Zeit voraus, denn die Nachfrage war, höflich ausgedrückt, sehr überschaubar.

Dass die Zukunft des Kölner Werkes elektrisch sein soll, ist unübersehbar. „Go Electric, Go Köln“ heißt die neue Ausrichtung, die auf Transparenten in Großbuchstaben verkündet wird. Aktuell investiert Ford in Köln zwei Milliarden US-Dollar (ca. zwei Milliarden Euro) in die elektrische Zukunft des Werkes und baut die Produktionsanlagen entsprechend um. An Kränen herrscht kein Mangel auf dem Gelände. Schließlich ist der Standort zum ersten „Electrification Center“ des Konzerns in Europa befördert worden. 2024 schließlich wird in Köln, wo aktuell noch der Fiesta gebaut wird, das zweite Elektromobil mit dem Ford-Markenzeichen folgen. Als Partner für die Entwicklung hat sich der Autobauer die Unterstützung von Volkswagen gesichert, das die vollständige Plattform einschließlich der Motoren liefert. Im Gegenzug bedienen sich die Wolfsburger an der Pick-up-Plattform des Ford Ranger, um den Amarok wieder auf die Straße zu bringen.

Der Wechsel zur Elektromobilität – im Jahr 2030 sollen in Europa keine Pkw-Verbrennermodelle der Marke mehr produziert und verkauft werden – hat nicht nur Auswirkungen auf die neuen Produktionsanlagen, sondern auch auf die Menschen in der Produktion. Aktuell arbeiten in Köln 14.800 Menschen. Neben dem konkreten Umbau der Fertigungsanlagen müssen sich auch die Beschäftigten in der Fabrikation auf eine neue Zeit einstellen.

Diesen Übergang steuert Pano Kalandranis als Transformations- und Innovationsmanager für den Standort Köln und als Projektleiter für die Fabrik der Zukunft. An diesem Projekt sind verschiedene Arbeitsgruppen mit insgesamt 50 Mitarbeiter beteiligt. Von den Veränderungen ist vor allem die Komponentenfertigung betroffen, denn Dinge wie Verbrennungsmotoren oder klassische Getriebe werden in der Zukunft nicht mehr benötigt. Allerdings werden in Köln auch nach 2030 noch Teile für Verbrennermodelle gefertigt, weil Ford wie alle anderen Hersteller verpflichtet ist, bis zu zwölf Jahre nach Produktionsende Ersatzteile zu liefern. Diese Fertigung wird in Köln-Merkenich stattfinden.

„Wir bereiten jetzt schon die Belegschaft in der Produktion auf das erste Elektrofahrzeug vor“, erklärt Kalandranis. „Rund 3000 Mitarbeiter werden in Köln das neue Modell produzieren. Den Fiesta bauen wir zunächst parallel zum Elektrofahrzeug auf einer eigenen Fertigungslinie.“

Die Vorbereitung der Belegschaft auf die neue Epoche begann bereits vor anderthalb Jahren. „Wir haben drei Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit den Themenkomplexen neue Technologien und Digitalisierung, Arbeitsorganisation im Wandel und sowie Training und Qualifizierung der Belegschaft beschäftigen“, erklärt Kalandranis. Bei der größten Transformation in der 91-jährigen Geschichte des Kölner Standorts war den Ford-Verantwortlichen eines besonders wichtig: „Wir wollten die Belegschaft bei diesem Prozess von Anfang an mitnehmen. Gemeinsam haben wir eine Vision entwickelt, und jetzt sind wir dabei, dies konkret umzusetzen. Als ersten Schritt werden wir die rund 3000 Mitarbeiter aus der Fertigung mit einem gezielten Qualifizierungsprogramm schulen.“

Zwar werden Arbeitsplätze durch die Umstellung verschwinden, doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Zahl Mitarbeiter verringern wird. „Wir schaffen gleichzeitig neue Beschäftigung beispielsweise in der Batteriemontage, wo auch das Gehäuse gefertigt wird“, blickt Transformations- und Innovationsmanager Kalandranis in die Zukunft. „Mitarbeiter, die sich flexibel aufstellen und sich weiter entwickeln wollen, können die Transformation aktiv mitgestalten. Wir blicken sehr positiv nach vorne.“ Und: „Wir setzen darauf, Ängste um den Arbeitsplatz durch Dialog abzubauen.“ (Walther Wuttke, cen)


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Grube für eine neue Fertigungslinie im Kölner Ford-Werk, das zum Electrification Center umgebaut wird.

Grube für eine neue Fertigungslinie im Kölner Ford-Werk, das zum Electrification Center umgebaut wird.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Ford