Volkswagen setzt die USA unter Strom

Das Timing hätte nicht besser sein können. Fast gleichzeitig mit den in Washington verabschiedeten neuen Voraussetzungen für die Förderung von Elektrofahrzeugen in den USA – die liegen bei bis zu 7500 Dollar Steuervergünstigungen – startete in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee die Produktion des VW ID 4.

Die Vergünstigungen für in den USA produzierte E-Mobile sind Bestandteil des im August verabschiedeten Inflation Reduction Act, mit dem vor allem Investitionen in nachhaltige Produkte in den USA gefördert werden. Für den ID 4, erklärte Hein Schäfer, Marketing-Chef von Volkswagen of America, in einem Webinar, „liegen bereits 30.000 Vorbestellungen“ vor. Damit ist der ID 4, so Schäfer, dass sich am „schnellsten verkaufende“ Modell in den USA.
Bisher wurde das Modell aus Europa in die USA importiert.

Der US-Version des ID 4, die zu mehr als 75 Prozent aus Teilen nordamerikanischer Zulieferer besteht, werden in den kommenden Jahren weitere E-Modelle folgen. Im 2024 rollt der ID Buzz als Nachfolger des viel besungenen VW Microbus mit einer dritten Sitzreihe auf den US-amerikanischen Markt, von 2026 an sind weitere vollelektrische SUV-Modelle geplant, und 2030 werden die amerikanischen Kunden zwischen mehr als 25 rein elektrischen Fahrzeugen wählen können. 55 Prozent aller in den USA verkauften Volkswagen-Modelle sollen dann, so die Planungen, Elektromobile sein.

Der ID 4 erhielt von der US-amerikanischen Verbraucher-Organisation Consumer Reports bereits eine positive Beurteilung. Bei einem Test der Allrad-Version bescheinigten die Tester dem Modell eine „zügige Beschleunigung, komfortable Fahrt und einen ruhigen Innenraum“. Der Raum im Fond und das Gepäckabteil wurde als „großzügig“ beurteilt, und auch das Fahrverhalten wurde gelobt.

Ziel der Wolfsburger ist ein zehnprozentiger Anteil auf dem USA-Markt. Dazu gehört auch der weitere Ausbau des Hochleistungsladenetzes von Electrify America. Aktuell betreibt das Tochterunternehmen knapp 1000 Ladestationen mit mehr als 3500 Gleichstrom-Ladepunkten, und in den kommenden drei Jahren soll das Netz auf mehr als das Doppelte wachsen.

In Chattanooga startete Volkswagen jetzt zudem das Battery Engineering Lab für die Hochvolt-Batterien. Dazu gehört unter anderem eine Klimakammer, in der Temperaturen von arktischen minus 70 Grad bis 130 Grad erzeugt werden können. Auch die Luftfeuchtigkeit lässt sich für jede Klimazone entsprechend simulieren. Das neue Batterieprüfzentrum gehört zum Verbund der globalen Anlagen von Volkswagen. Vergleichbare Einrichtungen unterhält der Konzern in Deutschland und der Volksrepublik China.

Batterien sind deutlich empfindlicher als Verbrennungsmotoren, und deshalb sind die Prüfanforderungen entsprechend hoch. Auf einem zwei Tonnen schweren Rütteltisch zum Beispiel werden die Energiespeicher extrem belastet. „Der Tisch, der auf einem 270 Tonnen schweren Betonfundament aufgebaut ist, simuliert die Fahrt auf verschiedenen Streckenprofilen. Dabei kann er Kräfte bis zum 25-fachen der Erdbeschleunigung erzeugen. Das ist fast wie ein kleines Erdbeben“, erklärt Wolfgang Maluche, Vice President Engineering bei Volkswagen of America. Jeder Durchlauf dauert 14 Minuten.

Volkswagen hat in das Battery Engineering Lab 22 Millionen Dollar investiert, und die Anlage steht für die Transformation des Unternehmens in der Region Kanada, USA und Mexiko. Neben dem Prüfzentrum in Tennessee existiert in Kalifornien bereits das Center of Excellence für Zelltechnologie, das mit den beiden Start-ups Quantum Scape und 24 M zusammenarbeitet und an der nächsten Stufe der Batterietechnologie (Festkörper- und Semi-Solid-State-Technologie) forscht. Die dort entwickelten neuen Zelltechnologien werden dann ebenfalls in dem neuen Hochspannungslabor in Chattanooga getestet.

In die Elektrifizierung des Werks investiert Volkswagen rund 800 Millionen Dollar und schafft weitere Arbeitsplätze in der Region. Bisher arbeiten 4000 Menschen an dem Standort, der Konzern plant, weitere 1000 Mitarbeiter einzustellen. (Walther Wuttke/cen)


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Der VW ID 4 soll auch in den USA Karriere machen.

Der VW ID 4 soll auch in den USA Karriere machen.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Volkswagen


Engineering- und Planungszentrum von Volkswagen in Chattanooga (mit Computergrafik des ID 4).

Engineering- und Planungszentrum von Volkswagen in Chattanooga (mit Computergrafik des ID 4).

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen


VW-Werk in Chattanooga.

VW-Werk in Chattanooga.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen