Mahles Mittel gegen Reichweitenangst

Europas Straßen sind ein teures Pflaster: Wer hier ein Auto nutzt, zahlt mindestens 41 Euro an Betriebskosten pro 100 Kilometer – wenn ein Verbrennungsmotor mit milder Hybridisierung verbaut ist. „Das ist das günstigste Fahrzeug hier“, sagt Arnd Franz, Chef des Zulieferers Mahle. Alle anderen Antriebe, einschließlich des batterieelektrischen, sind im Betrieb teurer. Ganz anders in China: Dort sei das Elektroauto das günstigste Fortbewegungsmittel mit umgerechnet 18 Euro pro 100 Kilometer, rechnet Franz vor. Kein Wunder, dass der Elektroantrieb in China so erfolgreich ist. Allerdings auch nur dort. In den anderen Regionen bleibt dieser Antrieb teils weit unter den Erwartungen.

Für den einstigen Kolben-Spezialisten Mahle, der sich heute auch mit Elektromotoren, Thermomanagement und Ladelösungen für Elektroautos beschäftigt, sind das schwierige Zeiten. Das Geschäft ist kaum noch planbar. Klar sei nur eins, so Franz: „Unser Bekenntnis zum Klimaschutz. Ebenso unser Bekenntnis zur E-Mobilität. Wir sind bereit.“

Nur leider halten sich die Kunden in Europa, Nordamerika und im globalen Süden noch zurück: Reichweitenangst, Batteriekosten und die ungenügende Ladeinfrastruktur sorgen für Kaufzurückhaltung. Deshalb schlägt Mahle eine technische und eine politische Lösung vor. Die technische: Ein Elektroantrieb mit Range Extender. Das System sorgt mit einem Verbrennungsmotor und einem 800-Volt-Generator für den nötigen Strom, wenn die Batterie leer ist. Solche Reichweiten-Verlängerer sind in China sehr beliebt, in Europa aber noch kaum im Angebot.

Da der Motor immer im optimalen Betriebspunkt läuft, sei der Antrieb sehr effizient, sagt Mahle-Entwicklungschef Marco Werth: „Klein, leicht, einfach integrierbar und ressourcenschonend“ sei das System. Der Benzinmotor hat eine Dauerleistung von 116 PS (85 kW) und ist mit einem Wirkungsgrad von 42 Prozent für einen Verbrenner sehr effizient. Wird er mit klimaneutralem Kraftstoff betrieben, ist der Antrieb so umweltschonend wie ein batterieelektrisches Auto.

Der Range Extender könnte relativ schnell auf den Markt kommen: „Wir können in 12 bis 24 Monaten marktreif sein“, sagt Franz. Wenn die europäischen Autohersteller zugreifen. In China liefert Mahle bereits Komponenten für Range Extender.

Doch in Europa gibt es neben den technischen auch noch politische Hürden zu überwinden: Die EU-Regulierung ist aktuell auf das reine Batterieauto zugeschnitten. „Wir brauchen aber Technologieoffenheit in der Regulierung – für Klimaschutz, Stärkung der europäischen Automobilindustrie und Erhalt der Arbeitsplätze in Europa.“ Der Verbrenner, betrieben mit erneuerbarem Kraftstoff, müsse eine Rolle spielen im klimaneutralen Verkehr der Zukunft. Für seine Kunden in Brasilien baut Mahle Kolben für die dort beliebten Alkohol-Motoren. Es wird aus Zuckerrohr gewonnen und ist weitgehend klimaneutral.

Parallel zum Verbrenner entwickelt Mahle auch Komponenten rund um den Elektroantrieb, zum Beispiel für das Thermo-Management: Weil Batterie und Elektromotor kaum Wärme abgeben, müssen Elektroautos mit Strom geheizt werden. Doch das kostet Reichweite. Mahle hat nun ein Thermo-Modul entwickelt, das der Abluft aus dem Innenraum die Wärme entzieht und wiederverwendet. Das bringt mehr Reichweite und weniger Energieverbrauch.

Die Form des Radialgebläses der Klimaanlage hat Mahle aus der Natur abgeschaut: Die Flügel des Lüfters sind den Flossen eines Pinguin nachempfunden. Fast so lautlos, wie der Pinguin durchs Wasser gleitet, arbeitet auch das Gebläse. Es ist 60 Prozent leiser und 15 Prozent effizienter. Das spart Energie und schont die Nerven. Beides kann man in der Automobilindustrie derzeit gut gebrauchen. (aum)


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Bilder zum Artikel

Mahle-Entwicklungschef Marco Warth und CEO Arnd Franz.

Mahle-Entwicklungschef Marco Warth und CEO Arnd Franz.

Photo: Mahle via Autoren-Union Mobilität


Der Range Extender von Mahle sorgt bei leerer Antriebsbatterie für Strom.

Der Range Extender von Mahle sorgt bei leerer Antriebsbatterie für Strom.

Photo: Mahle via Autoren-Union Mobilität


Komponenten für klimafreundlichen Alkohol-Motor von Mahle.

Komponenten für klimafreundlichen Alkohol-Motor von Mahle.

Photo: Mahle via Autoren-Union Mobilität


Mahle hat die Lüfterblätter dieses Gebläses den Flossen eines Pinguin nachempfunden.

Mahle hat die Lüfterblätter dieses Gebläses den Flossen eines Pinguin nachempfunden.

Photo: Mahle via Autoren-Union Mobilität