Im Bücherregal: Die Welt der Minol im Modell

Sammler von Modellfahrzeugen haben es angesichts der Flut von Angeboten nicht leicht. Mancher entscheidet sich daher irgendwann für eine bestimmte Vollbildmarke oder beschränkt sich auf einen Schwerpunkt wie zum Beispiel Geländewagen, andere bleiben einem bestimmten Maßstab treu oder suchen Miniaturen aller Art und Größe der Autos, die sie selbst in ihrem Leben gefahren sind. Andy Andresen zum Beispiel sammelt fast alles, was in der Modellbau- und Spielzeugwelt mit dem ehemaligen DDR-Tankstellenmonopolisten Minol zu tun hat. Primär haben es ihm die Tanklastzüge und Lieferwagen des staatlichen Mineralölkonzerns angetan, aber auch andere Bereiche lässt er nicht außer Acht. In dritter und um 65 neue Modelle ergänzter Auflage ist nun sein Buch „Die Modellwelt der Minol“ erschienen.

Andy Andresen ist kein Ostalgiker. Er stammt aus dem Westen der Republik, hatte zur Wendezeit aber beruflich mit Minol zu tun. Der Designer und Grafiker, der auch für Automobilhersteller wie Audi und Mercedes-Benz tätig gewesen ist, war nach der Wiedervereinigung für die neue Corporate Identity des Unternehmens zuständig. Von den Hausfarben Gelb und Rot musste sich Minol seinerzeit wegen Shell zwangsläufig verabschieden und sich ein anderes Erscheinungsbild geben. Herauskam eine ebenso ungewöhnliche wie auffällige Kombination von Violett, Purpur und ein bisschen altem Gelb. Das Design sollte sich als fünftes Farbmuster auf dem Tankstellenmarkt etablieren – daraus wurde bekanntermaßen nichts, denn der neue Besitzer, der französische Elf-Konzern, ließ die Minol AG schon nach kurzer Zeit wieder fallen.

Aber natürlich bestimmen vor allem die rot-gelben Tanklastzüge und Servicefahrzeuge den Bildband. Bereits 1961 entstand in der DDR das erste Minol-Modell für die H0-Eisenbahn, ein Robur LO 2500, hergestellt von SPW, später in Espewe umbenannt und in Ostdeutschland das, was Wiking im Westen war. Andy Andresen hat im Laufe von drei Jahrzehnten über 250 verschiedene Modellfahrzeuge mit „Minol“-Schriftzug zusammenbekommen. Die Auswahl reicht vom Maßstab 1:160 bis 1:18, vom Blech- über das Plastik- bis zum Holzmodell. Es sind Großserienprodukte ebenso wie in kleiner Auflage gefertigte Fahrzeuge und Einzelstücke engagierter Hobbybastler.

Dass nicht alle Miniaturen ein Originalvorbild haben, zeigt den großen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der verschwundenen Mineralölkette. Daneben finden sich in dem Bildband noch Kesselwagen für die Modelleisenbahn, Tankstellen-Nachbildungen und auch ein paar Formel-1-Modelle, war doch Michael Schumacher in den frühen 1990er-Jahren Markenbotschafter von Sponsor „elf Minol“. Dazu kommen noch einige wunderschöne Aufnahmen von Dioramen.

Andresen gibt zu fast jedem gezeigten Modell einige Informationen über den Hersteller oder über das Originalfahrzeug (die Angaben können sich hin und wieder bei einer ähnlicher Miniatur auch schon einmal wiederholen), kommentiert an einigen Stellen auch die Qualität der Nachbildung und steuert an einigen Stellen noch kleine Fotos und Archivmaterial zu den großen Vorbildern bei.

„Die Modellwelt der Minol“ von Andy Andresen ist im Qin-Verlag, Eschenlohe, erschienen. Das Buch hat 390 Seiten mit 944 Abbildungen und kostet 69 Euro. (aum)


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Bilder zum Artikel

„Die Modellwelt von Minol“ von Andy Andresen.

„Die Modellwelt von Minol“ von Andy Andresen.

Photo: Qin-Verlag via Autoren-Union Mobilität