Ladekarten: Allein im Tarif-Dschungel

Mit dem Wechsel zur Elektromobilität müssen die Automobilisten umdenken. Vorbei sind die Zeiten, als die Preise für die Energie deutlich an den Tankstellen angezeigt waren. Stattdessen verweigern die Ladestationen die Auskunft über die genauen Tarife, und meistens erfährt der E-Mobilist erst am Ende des Ladevorgangs, wie teuer der „getankte“ Strom gerade war. Diese Ungewissheit und die unübersichtliche Tarif-Situation bei den verschiedenen Anbietern ist auch ein Grund, warum viele potenzielle Interessenten dem Wechsel zur Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen. Statt den Übergang zur neuen Antriebsform so einfach wie möglich zu gestalten – also zum Beispiel flächendeckend die Bezahlung wie beim Tanken über eine Kreditkarte zu ermöglichen – muss der E-Mobilist sich für einen oder mehrere Anbieter entscheiden und die entsprechende App auf sein Smartphone laden oder sich eine Ladekarte beschaffen.

In Deutschland gibt es aktuell 172.100 Stromspender, darunter 40.777 Schnellladesäulen, und seit April 2024 muss, so eine EU-Verordnung, an allen neuen Stationen das Bezahlen mit Kreditkarte möglich sein. Um zu bezahlen, reicht es, die Kreditkarte in das Terminal zu stecken und mittels Pin zu autorisieren. Die Bundesregierung hatte bereits im Jahr 2021 eine verbraucherfreundliche „Ladesäulenverordnung“ beschlossen, nach der vom Juli 2023 an, Strom an neuen Stationen auch mit Giro- und Kreditkarten bezahlt werden kann. Eine Nachrüstung bestehender „E-Tankstellen“ war in der Verordnung allerdings nicht vorgesehen. Bisher sind derartige Säulen immer noch eher selten.

Bevor die Entscheidung für einen Anbieter fällt, sollte der Autobesitzer sein Fahrverhalten genau analysieren, um sich dann für den passenden Anbieter und Tarif zu entscheiden. Wichtigstes Element dabei ist die Frage, wie hoch die individuelle Fahrleistung liegt, die entscheidend für den Ladebedarf ist. Die meisten Anbieter halten für Vielfahrer spezielle Tarife mit reduzierten Preisen vor, verlangen als Gegenleistung aber eine monatliche Grundgebühr. Für Zeitgenossen mit geringer Fahrleistung empfiehlt sich stattdessen eine App oder Karte ohne Grundgebühr. Um sich einen günstigen Tarif zu sichern, lohnt auch eine Anfrage beim örtlichen Energielieferanten. Viele Versorger bieten Sonderkonditionen an.

Bleibt die Frage, welche Art der Ladestation in Frage kommt. Für den Wenigfahrer wird eine Wechselstrom-Säule (AC) mit allerdings längeren Ladezeiten vermutlich ausreichen, während der Vielfahrer eine schnellere Gleichstrom-Möglichkeit (DC) nutzen wird. Allerdings ist bei ausgedehnten Ladezeiten wichtig zu klären, ob der Betreiber eine Blockiergebühr verlangt, die bei einigen Anbietern bereits nach 90 Minuten fällig wird. Andere Unternehmen sind großzügiger und berechnen erst nach vier Stunden einen Aufschlag.

Die Wahl der „besten Ladekarte“ ist am Ende eine individuelle Entscheidung, bei der die Fahrgewohnheiten die wichtigsten Parameter sind. Mit einer Ladekarte können Elektromobilisten, so hat das Portal Ladekarten-Vergleichen.de ermittelt, im Durchschnitt bei rund 300.000 Stationen in Europa Strom laden. Um die Zahl zu vergrößern, empfiehlt es sich, Ladekarten der Autokonzerne zu buchen. Bei Stellantis beispielsweise ermöglicht Free2Move eine europaweite Abdeckung, Volkswagen bietet über Elli ebnefalls ein vollständiges Netz. Bei der Suche nach der optimalen Karte ist übrigens der ansonsten beliebte Pfadfinder Stiftung Warentest keine Hilfe. Die letzte „aktuelle Übersicht“ stammt aus dem Jahre 2022.

Die größten Anbieter in Deutschland unterscheiden sich teilweise deutlich bei den Tarifen. EnBW, bei vielen Tests an der Spitze eingeordnet, hat drei Tarife: Bei Mobility + L wird eine monatliche Gebühr von 17,99 Euro fällig. Die Kilowattstunde kostet dann einheitlich 0,39 Euro. Mobility + M kostet eine monatliche Gebühr in Höhe von 5,99 Euro, die Kilowattstunde dann 49 Cent. EnBW-Haushaltskunden zahlen 0,51 Euro pro kWh und bei Mobility +S werden 0,59 Euro pro kWh fällig. Die Preise gelten ausschließlich an EnBW-Säulen. Für andere Anbieter werden mindestens 0,59 Euro beziehungsweise 0,89 Euro (Schnellladen) fällig. Die Karte gilt an mehr als 600.000 Stationen in Europa.

Eon bietet zwei Tarife an: Eon More verlangt eine monatliche Gebühr von 6,99 Euro und 0,49 Euro je kWh an den AC-Säulen des Unternehmens. Beim schnellen DC-Laden werden 0,55 Euro fällig. Wie bei EnBW gelten die Preise nur an den eigenen Säulen des Energieversorgers.
Vattenfall verlangt für die Ladekarte keine monatliche Gebühr und kassiert je kWh 47 Cent oder 70 Cent fürs Schnellladen. 100.000 „Stromtankstellen“ in Europa akzeptieren die Karte.
Lichtblick, Spezialist für grüne Energie, bietet seinen Kunden gegen eine Monatsgebühr von 6,60 Euro die Kilowattstunde für 0,51 oder 0,66 Euro an der DC-Säule an. Wer kein Kunde ist, zahlt monatlich 9,90 Euro und dann 0,52 oder 0,67 Euro je Kilowattstunde. Die Lichtblick-Karte ermöglicht das Laden an 440.000 Stationen in Europa.

Entega verlangt keine Monatsgebühr und kassiert 0,49 oder 0,55 Euro je Kilowattstunde. Die Tarife gelten für Entega-Kunden, die in Europa an 450.000 Stationen Strom laden können.
Yello-Kunden können am Netz von EnBW laden. Das Unternehmen erhebt keine monatliche Gebühr und verlangt 0,49 beziehungsweise 0,55 Euro je kWh.

Ionity, Spezialist für schnelles Laden mit 729 Stationen an den wichtigsten Autobahnen in 24 europäischen Ländern bietet vier Tarife an. Bei „Power“ kostet die kWh 39 Cent und eine Monatsgebühr in Höhe von 11,99 Euro. Im Tarif Motion kostet die Kilowattstunde 49 Cent (5,99 Euro im Monat). Für die App Go wird keine monatliche Gebühr fällig, dafür kostet eine Kilowatttstunde 70 Cent, und im Tarif Direct verlangt Ionity 75 Cent. (aum)


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Bilder zum Artikel

Lade-App „E.ON Drive Comfort“.

Lade-App „E.ON Drive Comfort“.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Eon


VW ID 3 an einer Schnellladesäule von Ionity.

VW ID 3 an einer Schnellladesäule von Ionity.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Volkswagen


Elektromobilität: Für das Laden gibt es häufig verschiedene Tarife eines Anbieters.

Elektromobilität: Für das Laden gibt es häufig verschiedene Tarife eines Anbieters.

Photo: Autoren-Union Mobilität


Ladekarte.

Ladekarte.

Photo: Autoren-Union Mobilität