„Royal Enfield steht für pures Motorradfahren“

Royal Enfield ist einer der ältesten Motorradhersteller der Welt. Aus der einst englischen Traditionsmarke ist mittlerweile nach ersten Lizenzfertigungen ab den 1950er Jahren ein indisches Unternehmen geworden, das nach eigenen Angaben inzwischen sogar Weltmarktführer im Bereich zwischen 250 und 750 Kubikzentimetern Hubraum ist. Auch in Deutschland ist aus dem einstigen Nischenanbieter höchst nostalgischer Motorräder mit den neuen Modellen in den vergangenen sieben Jahren nach und nach ein ernst zu nehmender Wettbewerber geworden. Nun wird eine offizielle deutsche Niederlassung eröffnet. Jens Riedel von der Autoren-Union Mobilität sprach darüber mit dem Country Manager Edgar Kleinbergen.

Royal Enfield hat eine deutsche Niederlassung gegründet, die im Oktober ihre Arbeit aufnimmt. Wo hat sie ihren Sitz und wo befindet sich das Auslieferungs- und Ersatzteillager?

„Unsere deutsche Niederlassung eröffnet im Oktober in Bad Krozingen bei Freiburg im Breisgau. Von dort aus betreuen wir künftig den deutschen Markt. Wir haben ein Büro angemietet, in dem unser Team die tägliche Verwaltung übernimmt und sich regelmäßig trifft. Der Vertrieb von Motorrädern, Teilen, Zubehör und Bekleidung läuft über unser Lager im niederländischen Venlo. Die Waren kommen über den Hafen Rotterdam, werden dort von unserem Partner DSV eingelagert und an die Händler in Deutschland verteilt. Unsere europäische Zentrale hat ihren Sitz in Utrecht.“

Was ändert sich für den Kunden gegenüber dem bisherigen Importeur, die KSR-Gruppe in Österreich?

„Mit der Übernahme des Vertriebs konzentrieren wir uns noch gezielter auf die Weiterentwicklung im deutschen Markt. KSR hat in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, Royal Enfield in Deutschland zu etablieren. Unser Fokus liegt nun darauf, die Verfügbarkeit von Fahrzeugen, Teilen, Zubehör und Bekleidung deutlich zu verbessern. Die kommenden Monate werden für unser Team harte Arbeit sein. Wir stellen alle Prozesse so auf, dass wir in 2026 einen starken Saisonstart hinlegen können. Wir haben dafür bereits zahlreiche Maßnahmen in Indien und Europa vorgenommen. Beispielsweise verkürzt ein neuer Spediteur die Transportzeiten auf dem Seeweg und Anpassungen im Bestandsmanagement werden Vorteile für unsere Händler bringen.“

Gehen bislang noch offene Händlerbestellungen automatisch von KSR auf die Niederlassung über oder wie ist da das Verfahren?

„Wir haben mit KSR klare Vereinbarungen über die Umstellung getroffen. Das Händlernetzwerk wird zeitnah umfassend darüber informiert.“

Bedient Royal Enfield Deutschland auch noch andere Märkte?

„Nein, wir konzentrieren uns vollständig auf den deutschen Markt.“

Die Marke liegt in Deutschland in diesem Jahr bei den Neuzulassungen aktuell immerhin auf Rang elf. Sind Sie damit erst einmal zufrieden oder gibt es da ein bestimmtes Ziel?

„Unser vorrangiges Ziel ist die Rückkehr in die Top Ten der Neuzulassungen. Angesichts der Maßnahmen, die wir bereits angestoßen haben und weiter konsequent umsetzen werden, sind wir überzeugt, dass wir dieses Ziel in absehbarer Zeit erreichen können.“

Royal Enfield hat mit seinen Modellen jahrzehntelang fast nur Nostalgiker angesprochen. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Wo sehen sie heute das Image?

„Royal Enfield ist weniger nostalgisch als vielmehr innovativ und modern. Nicht jeder ist von umfangreicher Elektronik begeistert. Navigation ist zur Standardausstattung geworden, ein unverzichtbares Werkzeug, das man sowohl in Autos als auch in Motorrädern erwartet. Und das bieten wir auch. Aber vielfach einstellbare Fahrmodi oder Features wie Wheelie-Control und Co. sind nicht für alle relevant. Immer mehr Menschen wollen einfach nur losfahren und den Moment genießen. Genau dieses Gefühl von ,Pure Motorcycling’ macht Royal Enfield so besonders.“

Gibt es bereits konkrete Pläne für die Zukunft?

„Wir haben klare Pläne und Ambitionen. Unsere oberste Priorität ist es, uns im deutschen Markt strukturiert und zuverlässig aufzustellen. Das dürfen sowohl Kundinnen und Kunden als auch unser Händlernetzwerk von uns erwarten. Uns ist bewusst, dass die vergangenen Monate herausfordernd waren und die Geduld vieler auf die Probe gestellt wurde. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Sobald alle Prozesse etabliert sind, freuen wir uns darauf, die nächsten Schritte mit Ihnen zu besprechen.” (aum)


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Edgar Kleinbergen.

Edgar Kleinbergen.

Photo: Royoal Enfield via Autoren-Union Mobilität