Praxistest Kia EV 6 mit E-Bike: Der Reichweitenrechner ist kurz irritiert
2. September 2025 Von Ingo Reuss
Der 4,70 Meter lange, sportliche Mittelklasselimousine erweist sich auch mit der Last am Heck als gut beherrschbar und sicher. Bei Bedarf stellt der Stromer seine enormen Spurtstärken unter Beweis: 239 kW (325 PS) und stolze 605 Newtonmeter Drehmoment ermöglichen beeindruckende Fahrleistungen. Ohne zeitaufwändige Ladestopps kommt der zu gut 90 Prozent aufgeladene EV 6 4WD GT-Line rund 400 Kilometer weit. Der Durchschnittsverbrauch bewegte sich überwiegend um rund 18 kWh – bei zurückhaltender Fahrweise und auf Autobahnen „mitschwimmend“, selten über 130 km/h. Der nicht besonders strömungsgünstige Fahrradträger am Heck mit den E-Bikes wirkte sich dabei nicht nennenswert auf den Verbrauch aus. Allein die Batterien tragen im Übrigen mit 476 Kilo zum Gesamtgewicht des 2,2-Tonners bei.
Auf den Fahrten mit angehängten Fahrrädern irritiert allerdings zunächst das Display im EV 6: Es zeigt nach einem Start auf den ersten Kilometern nur knapp die Hälfte der tatsächlichen Reichweite an. Erklärt wird das mit der elektronischen Erfassung der Fahrradhalterung am Heck, die so reagiert, als würde das Fahrzeug einen Anhänger ziehen. Auf längeren Autobahnstrecken ist es hilfreich, eine Ladekarte statt einer App einzusetzen (zum Beispiel die günstige von EWE Go). Die anfängliche Verwendung unserer diversen Apps führte zu (ziemlich nervigen) Verzögerungen.
Urlaub mit dem E-Bikes bedeutet, den elektrischen Kia irgendwo zu parken, um dann die sicher auf dem Träger an der Anhängerkupplung des EV 6 fixierten Fahrräder abzuladen. Kein schweißtreibender Vorgang, denn moderne E-Bikes sind keine Schwergewichte mehr, sie lassen sich problemlos am Heck des Kia befestigen oder auch wieder abnehmen. Die leichtgewichtigen Bikes beeinträchtigen zudem weniger die Achslastverteilung des Fahrzeugs. Zum Be- und Entladen des 490 bis 1290 Liter fassenden Gepäckraums lässt sich der Fahrradträger einfach auf Knopfdruck samt E-Bikes umlegen und die Heckklappe öffnen.
Die getesteten Coboc Skye wiegen lediglich 19 Kilo. Dank kräftigem Bosch-Mittelmotor (Performance Line SX, 55 Nm, 600 W Spitze) und der exakt arbeitenden Schaltung von Shimano lassen sich die Bikes des Heidelberger Herstellers der sogenannten Light-SUV-Kategorie fast schon spielerisch bewegen, auch auf grobem Untergrund und bei anspruchsvollen Steigungen. Die breiten Reifen geben in vielen Situationen mehr Sicherheit, schlagen sich aber kaum im Gesamtgewicht und in den Leistungen nieder. Allerdings fehlt eine gefederte Sattelstütze. Die Reichweite ist nach 80 Kilometern erreicht.
Nach jedem Ausflug lassen sich die E-Bikes am Autoparkplatz aufladen – der Akku des Kia hat genug Strom im Speicher, um die Zweiräder zwischendurch zu laden. Die Preisliste der Coboc-Bikes beginnt bei 5299 Euro. Lieferbar sind die Modelle in drei Größen, als Tiefeinsteiger und mit einem normalen Rahmen. Auch ein Riemenantrieb steht im Lieferprogramm. Allerdings fehlt ein nutzbarer Gepäckträger, und auch das Display könnte mehr Informationen liefern.
Der Kia EV6 4WD GT-Line steht für 60.890 Euro in der Preisliste. Das Topmodell der Baureihe ist umfassend ausgestattet. Für sinnvolle Extras wie die Wärmepumpe (1000 Euro), dem Assist-Plus-Paket (1890 Euro) oder eine Metalliclackierung (980 Euro) muss der Kunde noch etwas drauflegen. (aum)
Daten Kia EV 6 4WD GT-Line
Länge x Breite x Höhe (m): 4,70 x 1,89 x 1,55
Radstand (m): 2,90
Antrieb: 2 E-Motoren, 1-Gang-Getriebe, AWD
Leistung: 239 kW / 325 PS
Max. Drehmoment: 605 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 5,3 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 17,7 kWh
WLTP-Reichweite: 522 km
Max- Ladeleistung: 258 kW
Leergewicht / Zuladung: min. 2240 kg / max. 440 kg
Kofferraumvolumen: 490–1290 Liter
Basispreis: 60.890 Euro
Testwagenpreis: 69.990 Euro
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Vehicle-to-Load: Mit dem Kia EV 6 lassen sich unterwegs auch Pedelecs aufladen.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Ingo Reuss
Vehicle-to-Load: Mit dem Kia EV 6 lassen sich unterwegs auch Pedelecs aufladen.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Ingo Reuss
Vehicle-to-Load: Mit dem Kia EV 6 lassen sich unterwegs auch Pedelecs aufladen.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Ingo Reuss
Coboc Skye.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Ingo Reuss