Die Stars der Japan Mobility Show
7. November 2025 Von Jürgen Pander
Im Jahr 1954, die japanische Autoindustrie steckte noch in den Kinderschuhen, wurde erstmals die Tokio Motorshow veranstaltet. Rasch entwickelte sich der Branchentreff auf dem Makuhari-Messegelände in Japans Hauptstadt zu einer der wichtigsten Automobilmessen der Welt. Seit 2023 firmiert die Veranstaltung als Japan Mobility Show – ein Hinweis darauf, dass neben neuen Automodellen auch immer mehr alternative Mobilitätslösungen und -technologien ins Rampenlicht gerückt werden.
Was sich auch unter dem Namen Japan Mobility Show allerdings nicht geändert hat, ist die starke Konzentration auf Studien und Prototypen. Ein Besuch in den Messehallen gleicht nach wie vor einer Reise in die automobile Zukunft, denn stets gibt es dort meist spektakuläre Konzeptfahrzeuge zu bestaunen. Das war auch in diesem Jahr so. Beispielsweise bei Toyotas Luxusableger Lexus. Die Marke zeigte einen Luxusvan auf sechs Rädern, mit riesigen Schiebetüren und einer behaglichen Highend-Ausstattung. Der vollelektrisch angetriebene Dreiachser wurde als LS Concept vorgestellt, wobei das Kürzel LS für „Luxury Space“ stehen soll – und tatsächlich herrschen in dem Wagen feudale Platzverhältnisse.
Dass es immer noch eine Spur edler geht, demonstriert Toyota auch mit einer anderen Neuheit: Aus dem bisherigen Topmodell der Marke, dem Century, könnte nämlich künftig ein neues, eigenständiges Luxuslabel werden. Wie das aussehen könnte, zeigt ein Konzeptfahrzeug. Das deutlich mehr als fünf Meter lange, zweitürige Coupé hat alles an Bord, was derzeit in der Automobilwelt en vogue ist. Details bleibt der Hersteller jedoch schuldig, erst einmal geht es offenbar darum, Aufmerksamkeit zu erregen und etwaige Marktchancen auszuloten. Immerhin eine Extravaganz lässt sich – neben der schieren Größe des Fahrzeugs – von außen erkennen: Es gibt keine Heckscheibe mehr, sondern der Fond ist komplett geschlossen, ähnlich wie bereits beim Polestar 4.
Auch Honda trumpft in Tokio groß auf, unter anderem den Prototypen 0 a (alpha), einem kompakten SUV mit eigenwillig gestaltetem Heck sowie den deutlich kleineren Super-One. Letzteres ist ein so genanntes Kei-Car (maximal 3,40 Meter Länge, maximal 47 kW/64 PS Leistung), also ein typisch japanischer Kleinwagen im „Ich-fühle-mich-wie-ein-Großer“-Look. In diesem Fall wird das ausgedrückt durch selbstbewusst ausgestellte Radhäuschen, vier Türen plus Heckklappe und einen Dachkantenspoiler. Das ultrakompakte Elektrowägelchen soll bis 2027 in Serie gehen, ebenso der größere 0.
Für Verblüffung sorgt ein weiteres Kei-Car, der Nissan Roox. Der kantige Wagen nutzt die erlaubten Kei-Car-Maße maximal aus und wirkt daher wie ein gestauchter Kleintransporter auf Mini-Rädern. Das neue Auto ist bereits die vierte Generation de Baureihe und tritt nun mit verschiebbaren Rücksitzen, einem 12,3 Zoll großen Touchscreen für das Infotainmentsystem sowie einem 658-Kubik-Benziner mit 52 PS (38 kW) Leistung an. Ob es auch eine elektrische Variante geben wird, ist offenbar noch nicht entschieden.
Auf Verbrenner setzt auch Mazda, allerdings stellt die Marke aus Hiroshima auf der Messe eine neue Technologie vor, mit der die Benzinmotoren so sauber wie noch nie werden sollen. Herzstück ist ein CO2-Abscheide-System namens „Mazda Mobile Carbon Capture“, bei dem das Kohlendioxid aus den Abgasen des Zwei-Scheiben-Kreiskolbenmotor zurückgehalten wird. Mazda hat zu diesem Zweck sogar einen speziellen Sprit aus Algen entwickelt. Angeblich wird vom Gesamtsystem beim Autofahren sogar noch CO2 aus der Umgebungsluft herausgeholt, Verbrennerfahren als Klimaschutzmaßnahme sozusagen. Installiert werden könnte die Technik künftig in Modellen wie dem Vision X-Coupé oder dem Vision X-Compact. Beide Studien – ein rassiger Zweitürer und ein kecker Kleinwagen – entwickeln die so genannte Kodo-Designsprache des Herstellers weiter und sollen noch mehr Emotionalität bei Fahrer und Passagieren hervorrufen.
Im besten Sinne Retro-Futuristisch wirkt der SUV-Prototyp Elevance Concept von Mitsubishi, dessen vier Räder von einem Plug-in-Hybridsystem angetrieben werden. Allerdings ist der Akku des Antriebs so groß dimensioniert, dass er auch als mobiler Energielieferant herangezogen werden kann, wenn das Fahrzeug zu einer Glamping-Location umgebaut wird. Einen passenden Wohnanhänger hat Mitsubishi gleich mitentwickelt. Neu an Bord ist zudem eine Art virtueller Beifahrer, der dank KI-Unterstützung die Fahrt unterhaltsamer, fröhlicher und lehrreicher machen soll. (aum)
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Lexus LS Concept.
Photo: Lexus via Autoren-Union Mobilität
Toyota Century Coupé Concept (umringt von aktuellen und historischen Modllen).
Photo: Toyota via Autoren-Union Mobilität
Honda 0 a.
Photo: Honda via Autoren-Union Mobilität
Honda Super-One.
Photo: Honda via Autoren-Union Mobilität
Nissan Roox.
Photo: Nissan via Autoren-Union Mobilität
Nissan Roox.
Photo: Nissan via Autoren-Union Mobilität
Mazda Vision X-Coupé.
Photo: Mazda via Autoren-Union Mobilität
Mazda Vision X-Coupé.
Photo: Mazda via Autoren-Union Mobilität
Mazda Vision X-Compact.
Photo: Mazda via Autoren-Union Mobilität
Mitsubishi Elevance Concept (mit dazugehörigem Wohnwagen).
Photo: Mitsubishi via Autoren-Union Mobilität