Rasant, dramatisch und elektrisch geht's in die neue Saison
25. November 2025 Von Martin Wittler
Spektakuläre Rad-an-Rad-Duelle, irre Geschwindigkeiten und Rennfahrer, die sich inszenieren wie Rockstars. Die vollelektrische Motorsportserie Formel E bietet Vieles, was Motorsportfans begeistert. Dennoch steht sie nach wie vor im Schatten der Formel 1. Wobei die Formel E durchaus eine große Nummer ist, in der abgelaufenen Saison lockten die Rennübertragungen insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Zuschauer vor die Bildschirme. Und eine eigene Video-Reihe gibt es inzwischen auch.
Ähnlich wie über die Formel 1 („Formula 1: Drive to Survive“, Netflix) gibt die Streaming-Serie spannendere Einblicke hinter die Kulissen der Formel E. Und ab 28. November folgt bereits die zweite Staffel von „Formula E: Driver“ (Amazon Prime). Es ist eine ideale Einstimmung auf die kommende Formel-E-Saison, die eine Woche später, am 6. Dezember beginnt. Erneut werden dann mehrere ehemalige Formel-1-Fahrer an den Start gehen, mit Fahrzeugen prominenter Schwergewichte der Autoindustrie – darunter Porsche und erstmals auch Citroën.
Die erste Startflagge der neuen Saison – bei der Formel E werden die Events E-Prix genannt – wird sich am Nikolaustag in Sao Paolo senken. Wie spektakulär Rennen dort laufen können, zeigt exemplarisch die erste Folge der neuen Staffel von „Formula E: Driver“. Denn beim darin behandelten Auftakt des vergangenen Jahres an gleicher Stelle kollidierte der amtierende Weltmeister Pascal Wehrlein mit einem anderen Fahrzeug. Wehrlein im Porsche krachte mit dem Renner in die Streckenbegrenzung und überschlug sich, ehe das Auto kopfüber zum Stehen kam. Schock und Glück zugleich: Der Deutsche kam ohne schwerwiegende Verletzungen davon.
Das Beispiel zeigt: Ein Rennen der Formel E erzeugt zwar keine schädlichen Abgase, ist ansonsten aber ebenso spektakulär, rasant, aufregend und mitunter auch ähnlich gefährlich wie im Verbrenner-Motorsport. Zusätzlich bietet die Elektroserie ein paar Besonderheiten, die sie von der so genannten Königsklasse des Motorsports abhebt. Das beginnt schon bei den Austragungsorten. Denn während die Formel 1 in der Regel auf abgelegenen Rundkursen fährt, gastiert die Formel E dort, wo sich die Menschen ohnehin tummeln: in den Städten. Beispiel Sao Paolo: Dort rasen die E-Formelwagen durch die Anlagen des Anhembi-Sambadroms – also durch jenes Areal, in dem jedes Jahr hunderttausende Brasilianer den traditionellen Karneval feiern.
Insgesamt werden in der neuen Saison 17 Titelläufe ausgetragen: unter anderem fährt die Formel E auch in den europäischen Metropolen Madrid, London und Berlin. Während die Formel 1 schon seit 2020 nicht mehr in Deutschland gastierte und das auch auf absehbare Zeit so bleiben wird, gehören die Rennevents in der deutschen Hauptstadt bei der Elektrorennserie von Beginn an dazu. Das Doppel-Rennen in Berlin findet am 2. und 3. Mai 2026 auf dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof statt. Im vergangenen Jahr verpasste der ehemalige Formel-1-Pilot Pascal Wehrlein mit Porsche vor gut 25.000 Zuschauern bei einem der beiden Rennen knapp den Heimsieg und landete auf dem zweiten Rang.
Grund zur Freude gab es bei Porsche dennoch in der abgelaufenen Saison: Denn am Ende sicherte sich der Hersteller aus Zuffenhausen sowohl den Weltmeistertitel in der Team- als auch in der Herstellerwertung. Den Fahrertitel hingegen gewann der Brite Oliver Rowland, der für das Formel-E-Team von Nissan im Cockpit saß. Er tritt auch in diesem Jahr wieder mit dem japanischen Rennstall an. Neben Nissan und Porsche mischen in der nun anstehenden Saison weitere prominente Hersteller in der Formel E mit: unter anderem DS, Jaguar, Cupra und erstmals auch Citroën.
Für Spannung sorgen in der Formel E jedoch nicht nur die namhaften Teams, sondern auch das Regelwerk der Rennserie. Es gibt zum Beispiel den „Attack Mode“, der kurzfristig eine erhöhte Motorleistung freisetzt und der von den Teams pro Rennen mindestens einmal eingesetzt werden muss. Seit der letzten Saison gilt für einige Rennen auch die Regel, dass die Akkus der Rennwagen an einem 600-kW-Schnelllader aufgeladen werden müssen: Damit wird der Ladestand binnen 30 Sekunden um zehn Prozent erhöht. Dieser so genannte „Pit-Boost“ ist ein zusätzliches Element, das die Teams in ihre Renntaktik integrieren und dann möglichst vorteilhaft einsetzen können. Nebeneffekt: Porsche und Co. gewinnen durch solche Technologie-Herausforderungen neues Wissen über die Batterie, das auch für künftige Serienmodelle nutzbar gemacht werden kann.
„Die Formel E ist unser Entwicklungslabor für die Elektromobilität von morgen. Dort gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse für unsere Straßensportwagen“, sagt etwa Michael Steiner, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Porsche. Und die Zuffenhausener lassen den Worten Taten folgen: Die Öl-Direktkühlung der E-Maschine des neuen Elektro-SUV Cayenne hat Porsche zum Beispiel direkt aus dem Formel-E-Rennauto transferiert. Wer also die Elektrotechnologie der Zukunft möglichst frühzeitig erleben möchte, ist bei der Formel E an der richtigen Adresse. Am 6. Dezember geht’s wieder los. (aum)
Wenn Sie der Artikel für Ihr Medium interessiert, registrieren Sie sich bitte hier!
Dann können Sie den Artikel oder die Bilder und Videos herunterladen.
Der Stellantis-Konzern ist mit gleich zwei Marken in der Formel E vertreten. Nach DS Automobiles fährt in der Sasion 2025/26 erstmals auch Citroën mit.
Photo: Stellantis via Autoren-Union Mobilität
Die Formel E in Monaco.
Photo: Porsche via Autoren-Union Mobilität
Auch Nissan mischt in der Formel E mit.
Photo: Nissan via Autoren-Union Mobilität
Start eines Formel-E-Rennens.
Photo: Porsche via Autoren-Union Mobilität
Transfer vom Motorsport in die Serie: Der neue Elektro-Cayenne bekommt die Öl-Direktkühlung des Formel-E-Rennwagens von Porsche.
Photo: Porsche via Autoren-Union Mobilität
Citroën Gen3 Evo-Einsitzer für die Formel E.
Photo: Stellantis via Autoren-Union Mobilität
Citroën ist in der Saison 2025/26 erstmals in der Formel E dabei.
Video: Stellantis via Autoren-Union Mobilität