Caravaning-Branche: Jetzt heißt es, kleinere Brötchen zu backen
4. Dezember 2025 Von Michael Kirchberger
Viele Hersteller haben auf die rückläufige Entwicklung drastisch reagiert, Kurzarbeit bei Hymer und Dethleffs, vorrübergehende Produktionsstopps bei Knaus-Tabbert und auch Personalabbau bei mehreren Herstellern sind die Folgen der der veränderten Marktbedingungen. Allein bei Dethleffs mussten rund zehn Prozent der Belegschaft gehen. Erleichtert wurde die Entscheidung zum freiwilligen Ausstieg mit attraktiven Vorsorgepaketen, so dass am Ende statt der erforderlichen 90 Kündigungen 120 Mitarbeiter bereit gewesen wären, ihre Anstellung zu beenden.
Auch im Handel hat die negative Entwicklung Spuren hinterlassen. Eine ganze Reihe von Betrieben musste Insolvenz anmelden. Viele von ihnen sind dauerhaft vom Markt verschwunden. Den Grund dafür sehen Beobachter im Druck einzelner Marken auf ihre Händler, mehr als üblich Fahrzeuge aus der Überproduktion abzunehmen und zu bezahlen. Die Finanzierung der übergroßen Lagerbestände überforderten die Mittel vieler Betriebe. Viele mussten sie den Kaufinteressenten erhebliche Preisnachlässe gewähren, um die Bestände zu senken. Dies hat die finanzielle Situation der Händler zusätzlich verschlechtert. Schon im Vorjahr mussten etwa ein Dutzend Betriebe schließen, Zahlen für 2025 werden erst Anfang nächsten Jahres erwartet.
Die vom Endkunden gern angenommenen Rabatte erweisen sich jetzt als kontraproduktiv, da sie einige Händler zur Aufgabe gezwungen hatten. Laut caravanmarkt.info gibt es in Deutschland 478 Händler, die Wohnwagen und -mobile verkaufen. Da schmerzt jeder Betrieb, der dicht macht. In manchen Regionen fehlen jetzt die Serviceangebote spezialisierter Betriebe für Reparatur und Wartung der Freizeitfahrzeuge. Manch ein Kunde muss weitere Wege zur Werkstatt einplanen.
Problematisch gestalten sich unterdessen die vermeintlichen Schnäppchenkäufe auf den Publikumsmessen. Dort wurden zum Teil Nachlässe bis zu 40 Prozent gewährt, da die meisten Marken ihren Fahrzeugabsatz während der Ausstellung über Verkäufer aus der Handelsorganisation realisieren. Die aber sind nicht unbedingt in direkter Nähe des jeweiligen Kunden stationiert, für Serviceleistungen muss er also einen Fremdbetrieb ansprechen. Zumindest in der Vergangenheit lehnten Werkstätten die Reparatur der bei anderen Händlern gekauften Fahrzeugen ab.
Die Zeichen stehen jedoch auf Entspannung. Es wäre nicht die erste Krise, die von der Caravaning-Branche überstanden wird. Denn der Wunsch nach einem Camper oder Caravan steht bei vielen Bürgern in Deutschland weiter weit oben auf der Favoritenliste. Rund 19 Millionen Menschen wollten nach den vergangenen Umfragen campen gehen, bei vielen scheitert die Realisierung letztlich aber an den stark gestiegenen Anschaffungspreisen. Etwa um ein Viertel haben sie sich in den vergangenen fünf Jahren verteuert. Das hat so manchen Hersteller bewogen, Kastenwagen mit eher spartanischer Ausstattung anzubieten.
Bürstner schickt so einen ausgebauten Citroen Jumper für knapp 40.000 Euro ins Rennen, die 120-PS-Basismotorisierung reicht gerade so, Toilette, Kühlschrank oder gar Dusche sind nicht an Bord und können gegen üppige Bezahlung nachgerüstet werden. Am Ende liegt der Preis dann doch wieder jenseits von 55.000 Euro.
Dennoch funkelt ein kleines Licht am Horizont. Sofern sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht noch weiter abschwächt und die weltpolitische Situation nicht völlig aus dem Ruder läuft, könnte die Durststrecke zumindest Ende 2026 bezwungen sein.
Wir sind gespannt, wie schnell die Caravaning-Branche dann wieder die Segel und einen neuen Kurs Richtung Rekordrenditen setzt. Aber, liebe Hersteller, die mittlerweile vier Wellen eurer Erfolgsgeschichte sollten euch gelehrt haben: Nach der Krise ist vor der Krise. (aum)
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