Historie und Histörchen 3: An der Hinterachse endete die Freundschaft

Historie und Histörchen 3: An der Hinterachse endete die Freundchaft

Hanns-Peter Thyssen von Bornemisza ist ein Journalist und Fachbuchautor, den ältere Kollegen noch unter dem Namen Hanns-Peter Rosellen kennen. Der 1941 geborene Hamburger war Redakteur bei folgenden Blättern: „Deutsche Auto-Zeitung“, der heutigen „Auto-Zeitung“, „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ und „Bunte“, zuletzt als geschäftsführender Redakteur. Viele Konstrukteure „deutscher Nachkriegs-Mobile“ wurden von ihm persönlich befragt. Diese Recherchen führten nicht nur zu Fachbüchern, sondern auch zu vielen Anekdoten aus den Jahren, als das Auto in Deutschland wieder laufen lernte. In dieser Folge geht es um den Opel P4, den Volkswagen, Harald Quandt, den Schwimmwagen und den Motoflitz.

Verärgert wegen Opels P4

Karl Stief bereitete sich auf hohem Besuch vor: Stief war in den 30er Jahren Chefkonstrukteur bei Adam Opel. Wie jedes Jahr sollte der Reichskanzler den Eröffnungsgrundgang auf der Berliner Automobilausstellung, im Februar 1936, machen. Adolf Hitler hatte nach seinem Amtsantritt 1933 die deutsche Automobilindustrie aufgefordert, einen preiswerten Volks- (KdF)-wagen zu entwickeln. Alle deutschen Auto-Schmieden waren nun dem Aufruf gefolgt und stellten drei Jahre später entsprechende Modelle vor. Nun, beim Eröffnungsrundgang 1936 sollte der Diktator auch zum Opel-Stand kommen. Karl Stief stellte den Opel P4 mit den Worten vor: „Das ist u n s e r Volkswagen."

Opel gehörte damals schon dem amerikanischen Auto-Konzern General Motors und hatte im November 1935 den P 4 präsentiert, einen konventionellen, kantigen Viersitzer mit einem 1,1- Liter-Vierzylinder-23 PS-Motor im Bug. Am Ausstellungfahrzeug von 1036 stand das Schild: „Opels neuester, der P-4. Der wirtschaftliche Wagen für den Durchschnittsbürger, RM 1450." Hitler schaute sich den Wagen aber nicht an, Verärgert wandte er sich ab. Stief war perplex und nahm an, dass Hitler beleidigt war, weil Opel ein so günstiges Auto anbot, das mit seinem Preis sogar das schon laufende Projekt des Volkswagens gefährden könnte. Als der Opel P 4 sogar zum Verkaufsschlager avancierte, Stückzahlen von 65 000 erreichte und zum meistgefahrenen Auto in Deutschland aufstieg, veranlasste die Regierung zwei Jahre später ein Verbot der Produktion des Opel P4. (Quelle: Karl Stief)


Harald Quandt und der Schwimmwagen

Anfang der Dreißiger Jahre stand am Wannsee in Berlin ein ganz junger Mann allein am Strand und blickte sehnsüchtig einem auf dem See fahrenden Auto nach. In dem schwimmfähigen Auto saß Hanns Trippel, der hier die ersten Erprobungsfahrten für seine Amphibien-Konstruktionen machte. Hanns Trippel spürte den sehnsüchtigen Blick des Jungen, fuhr auf den Strand zu und sprach den Jungen an, ob er nicht mit Trippel auf dem See herumfahren mochte.

Begeistert stieg der Junge in das ihm völlig neuartige Fahrzeug und kam mit dem Steuermann ins Gespräch. Nach wenigen Minuten stellte sich heraus, dass der Junge Harald Quandt hieß und Sohn des Großindustriellen Günther Quandt war. Zu Harald Quandt, dem späteren Erbe des Industrie-Imperiums, gab es für Trippel eine (fast) lebenslange Freundschaft. Der Krieg trennte die Lebenswege beider. Bis 1958. Zum Genfer Automobilsalon stellte Trippel nämlich mit seiner frisch gegründeten Firma Eurocar einen Amphibienwagen für den zivilen Bedarf vor.

Als großer Freund von Automobilen besuchte Harald Quandt den Genfer Autosalon und sah seinen alten Freund wieder. Er erinnerte sich seines Jugend-Erlebnisses und war begeistert von dem Schwimmwagen. Beide trafen sich einige Male und Harald Quandt beschloss nun, den Trippel-Wagen in seinen Industriewerken Karlsruhe zu bauen – natürlich von Hanns Trippel konstruiert. Hanns Trippel löste daraufhin seine frisch gegründete Firma wieder auf. Der Wagen erschien 1961 als ACV Amphibiecar.

Noch ehe die Serie anlief, gab es zwischen den beiden alten Freunden allerdings heftigen Streit um die Konstruktion der Hinterachse. Da Trippel seine Ideen nicht durchsetzen konnte, schied er aus dem Konstruktionsteam aus, beendete die Freundschaft zu Quandt. (Quelle: Hanns Trippel)


Motoflitz sollte Kleve munter machen

1949 baute die deutsche Maschinenbaufirma Motoflitz in Kleve ein vierrädriges, zweisitziges Cabriolet mit weit über dem Chassis hängender Karosserie. Das Cabriolet hatte Steckfenster und Klappverdeck. Der 3,80 m lange Wagen hatte zwar eine wuchtige Karosserie mit breitem Kühlergrill, das aus polierten Aluminiumleisten bestand, jedoch steckte ein schmalbrüstiges Fahrwerk mit vergleichsweise großen und schmalen Rädern darunter.

Die Stahlblechkarosserie in Pontonform saß auf einem Rohrrahmen-Chassis. Die Räder waren vorn und hinten einzeln aufgehängt und vorn von Torsionsfedern, hinten mit Blattfedern abgefedert. Im Heck steckte ein luft/gebläsegekühlter Zwei-Zylinder-Viertakt-Motor mit 500 ccm und 12 PS Leistung. Die Frontscheibe war zweigeteilt. Die Kraftübertragung sollte nicht über ein Getriebe, sondern durch eine Hydraulik erfolgen. Der Motoflitz kam über das Prototypen-Stadium nicht hinaus.


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Bilder zum Artikel

Trippel-Schwimmwagen SG-2.

Trippel-Schwimmwagen SG-2.

Foto: Thyssen


Opel P4.

Opel P4.

Foto: Wikipedia/Lothar Spurzem


Amphicar (1963).

Amphicar (1963).

Foto: Wikipedia/Rudolf Stricker


Amphicar (1963).

Amphicar (1963).

Foto:


Amphicar (1963).

Amphicar (1963).

Foto: