Gilles Normand: Für 99 Prozent der Fahrer eines Elektroautos gibt es kein Zurück mehr

In den nächsten vier Jahren will Renault drei neue Elektromobile auf den Markt bringen. Gemeinsam mit den vorhandenen, zum Teil runderneuerten und leistungsgesteigerten Modellen wird der Konzern das Angebot der emissionsfreien Pkw und leichten Nutzfahrzeuge dann auf acht erhöhen. Das sagte Gilles Normand, Renault-Vorstandsmitglied und Chef der Elektrosparte, jetzt in Berlin bei der Eröffnung des „Electric Vehicle Experience Center“ in Berlin.

Renault – mit dem Modell Zoe schon länger Marktführer bei Elektrofahrzeugen in Deutschland – gehört zu den Gewinnern der sich abzeichnenden Wende auf dem Sektor der strombetriebenen Pkw. Mitunter erweisen sich sogar die Herstellungskapazitäten als nicht ausreichend zur Befriedigung der steigenden Nachfrage: „Früher sind wir den Kunden hinterher gelaufen“, fasste Gilles Normand die Situation in ein anschauliches Bild, „heute laufen wir den Teilen zur Produktion hinterher.“ In 56 Ländern verkauft Renault derzeit rein elektrische Automobile und freut sich über mehr als 170 000 abgesetzte Einheiten. Gemeinsam mit dem Allianz-Partner Nissan waren es seit 2010 schon mehr als eine halbe Million.

Diese Zahl gilt weltweit und wenn man sie in Relation zu den jährlich mehr als drei Millionen Fahrzeugen sieht, die allein in Deutschland neu in den Verkehr kommen, ist zu erkennen, welches Potenzial noch in der Elektromobilität steckt. Gilles Normand hat keinen Zweifel, dass sein Arbeitgeber da eine führende Rolle spielen wird. Das Reichweiten-Thema, das viele Kunden noch am Sinn einer Anschaffung zweifeln läßt, werde praktisch von Tag zu Tag weniger wichtig. „Demnächst“ so kündigte der Elektro-Chef an, werde der Renault Zoe über eine Reichweite von 500 Kilometern verfügen (derzeit 300), was zu gesteigerter Attraktivität des Produkts führen werde.

Außerdem verändere sich auch der Kunde. Während in der Anfangszeit der Elektromobilität hauptsächlich Technikbegeisterte und Ökobewegte Gefallen an elektrischem Antrieb fanden, gebe es inzwischen „viel mehr rationale Käufer“. So würden Berufspendler, Familien und andere Interessenten mit ganz gewöhnlichen Nutzungsanforderungen nach Elektrofahrzeugen suchen. Auf diesen Wandel wolle man reagieren und mit Stromautos „auch in höhere Segmente einsteigen“. Gleichzeitig verlören die bislang saftigen Preise für E-Autos an Bedeutung, da die Batterieherstellung billiger werde. Dem gegenüber gingen die Preise für Verbrennungsmotoren tendenziell in die Höhe, da die Kosten für immer aufwändigere Abgas-Reinigungssysteme sich im Endprodukt niederschlagen würden, meint der Renault-Manager.

Für Gilles Normand ist Elektromobilität die „langfristige Antwort auf die Treibhausproblematik“. Für die Kunden sichere sie zuverlässig die Mobilität, denn wenn Fahrverbote für thermische Antriebe den Zugang in die Innenstädte verhinderten, könnten die Nutzer von E-Mobilen weiterhin uneingeschränkt ihre Ziele ansteuern. Im Hinblick und einen zuverlässigen Einsatz von Versorgungs- und Lieferdiensten in Innenstädten wolle Renault deshalb auch sein Angebot elektrisch betriebener Nutzfahrzeuge ausbauen. Gerade unter der Drohung sich ausweitender Fahrverbote sieht Normand für elektrisch betriebene Lastwagen eine „große Zukunft“.

Maßgeschneiderte Angebote für spezielle Nutzungsprofile sind ein anderer Baustein in der Renault-Elektrostrategie. Wer zum Beispiel täglich zwischen Wohn- und Arbeitsstätte pendele und an beiden Orten über eine Lademöglichkeit verfügt, der brauche keine technisch mögliche Reichweite von 500 Kilometern und könne deshalb auf das kostengünstigere Angebot einer Batterie mit geringerer Kapazität zurückgreifen. Gleichzeitig werde das Modell der Batteriemiete schrittweise durch den Kauf ersetzt, da die Haltbarkeit der Akkus durch die Praxis bewiesen sei. Derzeit können die Kunden beim Zoe noch zwischen Mieten und Kaufen wählen. In der Vergangenheit hatten sich mehr als zwei Drittel der europäischen Renault-Kunden für das Mietmodell entschieden.

Durch fortgesetzt zweistellige Zuwachsraten optimistisch gestimmt, sagt der Elektro-Chef von Renault für das Jahr 2025 global einen elektrischen Neuwagenanteil von zehn Prozent voraus. Kundenbefragungen bei den aktuellen Käufern hätten überdies eine große Zufriedenheit bei den Nutzern belegt: „99 Prozent unserer Kunden, die sich für Elektroauto entschieden haben, wollen nicht mehr zum Verbrenner zurück.“ (ampnet/afb)


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Renault-Vorstand Gilles Normand, Chef der Elektrosparte, bei der Eröffnung des „Electric Vehicle Experience Center“ in Berlin.

Renault-Vorstand Gilles Normand, Chef der Elektrosparte, bei der Eröffnung des „Electric Vehicle Experience Center“ in Berlin.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Axel F. Busse