Kommentar: Zeit der Abrechnung

Es ist Zeit, einmal zumindest als Zwischenbilanz festzuhalten, welchen Schaden der Schummeldiesel tatsächlich verursacht hat. Schaut man hinter das Stimmengewirr, wird auf einmal alles ganz einfach. Diese Abrechnung passt wirklich auf einen Bierdeckel.

Die Besitzer eines Diesels mit Schummelsoftware rutschen bei der Kfz-Steuer eins rauf, weil der Normverbrauch, nach dem die Steuer berechnet wird, steigt. Das ist die erste Position in der Berechnung des Schadens, für den der Urheber zweifelsfrei einen Ausgleich leisten muss. Dieser Schaden ist ärgerlich, aber überschaubar.

Die zweite Position ist der Wertverlust, den alle Diesel-Pkw hinnehmen mussten. Den hat allerdings nicht die Industrie zu verantworten. Der entstand durch den Abmahnverein Deutsche Umwelthilfe (DUH). Dem folgten fast alle Politiker und die weit überwiegende Zahl der Medien mit Leidenschaft, weil es sich offenbar lohnt, mit scheinbar mutigen Taten gegen die Großen zu punkten – bei der Quote und bei den Stimmen. Der Trend der unheiligen Drei Einfaltigkeit kosten die deutschen Dieselbesitzer viele Milliarden ihres Vermögens.

Die dritte Position stellt den Umweltschutz in Rechnung. Seit der Diesel bekämpft wird, fällt dessen Beitrag zur Verminderung des Kohlendioxids (CO2) aus der Verbrennung fossiler Brennstoff weg. Die CO2-Emissionen steigen wieder. Der Autofahrer wird das bezahlen müssen, weil die neuen Grenzwerte nun noch teurer erkauft werden müssen.

Die vierte Position ist der Versuch, unter Druck und auf die Schnelle die Elektromobilität voranzubringen. Die rein batterieelektrisch betriebenen Autos sind teurer, in die Ladeinfrastruktur muss erst noch investiert werden und die CO2-Bilanz bleibt solange negativ, solange der Strom in Deutschland zu rund 40 Prozent aus Kohle und anderen fossilen Energien gewonnen wird.

Die fünfte Position ist noch schwerer einzuschätzen: Zum ersten Mal seit Jahren schrumpft die deutsche Wirtschaft, weil Großserienhersteller nicht rechtzeitig die neu vorgeschriebenen Prüfungen für ihre Pkw abschließen konnten, nachdem die Politik ihnen mal eben ein Jahr von der Frist gestrichen hatte. Bereits dieses leichte Minus demonstriert die Rolle unserer Schlüsselindustrie Auto. Was uns das noch kostet, lässt sich ebenso wenig abschätzen wie die Schäden am Klima.

So einfach ist das alles. Und doch ist die Öffentlichkeit auf der falschen Spur, getrieben vom total emotionalen Mainstream. Da freut es die wenigen Kopfgesteuerten, wenn es ein Leitartikel wie der von Holger Appel „Zeit für eine Rettungsgasse“ auf die Seite 1 der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schafft. Er wird einen Shitstorm erleben. (ampnet/Sm)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net