Kommentar: Mogelpackung

Corona hat uns gelehrt, wie sehr Egoismen die Politik bestimmen. Die USA verhängen einen Exportstopp für Impfstoffe und die EU ist auch nicht besser. Jenseits der moralischen Vorstellungen über richtiges Verhalten findet das beim eigenen Volk zumindest klammheimliche Zustimmung. Auf eine ähnliche Stimmung hoffen nun auch Bündnis 90/Die Grünen. Sie versprechen in ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl im Herbst, ab 2030 zur Vermeidung der weiteren Klimakatastrophe nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zulassen zu wollen.

Augenzwinkernd geht der Wähler davon aus, dass Politik vor der Wahl zu viel verspricht. Dem politischen Gegner werden sogar Lügen zugetraut. Oder mangelndes Wissen. Den Grünen wird kaum jemand Lügen unterstellen wollen. Aber grüne Politiker und ihre Follower sollten wissen, dass es kein emissionsfreies Fahrzeug gibt. Der CO2-Abdruck eines batterieelektrischen Autos unterscheidet sich heutzutage nicht wesentlich vom dem eines normalen Autos mit Verbrennungsmotor. Auf jeden Fall ist das E-Auto nicht emissionsfrei.

Dennoch bleibt der Vorteil eines batterieelektrischen Autos unbestritten. Zu recht, denn es lässt sich sehr angenehm fahren, wenn man eine Lademöglichkeit zur Verfügung hat und es ist vor Ort tatsächlich emissionsfrei. Kein Abgas, kein Lärm – das sorgt für mehr Lebensqualität in unseren Kommunen. Das Elektroauto bringt ein angenehmes „Mikroklima“. Das hat aber noch lange nichts mit dem Klima oder gar mit Klimaerwärmung oder -katastrophe zu tun.

Rund ein Fünftel der CO2-Emissionen verantwortet der Verkehr überall in der Welt. Fürs Automobil bleibt da neben der Schiff- und der Luftfahrt noch gut die Hälfte. Und die stammen aus den mehr als 1,4 Milliarden Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Gegen diese Riesenzahl kommen unsere paar Millionen Zulassungen bei den batterieelektrischen Autos noch über Jahrzehnte nicht an.

Zum Anspruch der Grünen, unkonventionelle Lösungen anzubieten, passt es nicht, dem Mainstream der anderen zu folgen. Das Verbrennerverbot zu übernehmen, ist populistisch, aber dumm. Die Welt und ihr Klima brauchen bessere Ideen. Die sind übrigens längst gedacht und entwickelt. Oder geht es nur um grün-korrekte Forderungen und nicht um Lösungen. Noch ist Zeit, die Mogelpackung mit vernünftigen Inhalten zu füllen. (ampnet/Sm)

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Anmerkung für die Redaktion: Nach einem Austausch der Namen eignet sich dieser Kommentar auch für andere Wahlprogramme dieses Super-Wahljahres.


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net