Glosse: Elon Musk bei „Saturday Night Live“ – noch mal gutgegangen

Sorgsam eingehegt hatte der US-Sender NBC den Tesla-Chef Elon Musk, der gestern als Gastmoderator die Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“ leiten durfte. Die Einladung galt zuletzt als hochumstritten, weil der exzentrische Milliardär in der Welt der Prominenten keineswegs nur Freunde hat.

Musk ist für seinen schrägen Humor bekannt, dem er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter regelmäßig freien Lauf lässt. So beschrieb er einmal die Kombination von Rotwein mit dem Schlafmittel Ambien (Zolipidem) als „magisch“; er kündigte an, sämtliche Besitztümer zu veräußern und fügte an, seine Freundin, die Sängerin Grimes, sei sauer auf ihn; und er empfahl, die Eisschilder auf dem Mars mit thermonuklearen Waffen zum Schmelzen zu bringen, um den Planeten „bewohnbar“ zu machen. Wobei auch hier nicht klar ist, ob Musk scherzt oder es vielleicht sogar ernst meint.

Je näher der Termin der Sendung rückte, desto kältere Füße dürften die Macher bekommen haben, zumal Musk auf Twitter zahlreiche Aufforderungen erhalten hatte, vielleicht einmal coram publico die Grenzen der politischen Korrektheit auszuloten.

Doch am Ende ist alles gutgegangen. Und es gab durchaus witzige Momente. Zum Einstieg enthüllte Musk, er sei der erste Moderator von „Saturday Night Live“, der am Asperger-Syndrom leide – „jedenfalls der erste, der es zugibt“. Am frechsten war noch seine Klage, manchmal würden Menschen auf einen einzigen Moment reduziert, zum Beispiel auf den Podcast mit Joe Rogan, bei dem er vor der Kamera Marihuana schmauchte. Ähnliches sei O. J. Simpson widerfahren, der stets nur als Mörder dargestellt werde. Dabei habe er doch 1978 auch einmal „Saturday Night Live“ geleitet...

Am Vorabend des Muttertags versäumte es Musk nicht, seine Mutter Maye auf die Bühne zu holen, die im vorgerückten Alter als Model und Ernährungsberaterin reüssiert. Doch der weitaus größte Teil von Musks Auftritt reduzierte sich auf einzelne Sketche, die von der „New York Post“ akkurat als „nutzlos“ bezeichnet wurden. Die Zeiteinheiten zwischen diesen Kurzauftritten, in denen Musk noch einmal hätte überraschen können, waren kurz.

Immerhin konstatiert die „Post“, dass Musks schauspielerische Darstellung auch nicht schlechter gewesen sei als die Auftritte der professionellen Mimen. Und die grotesken Bilder und Sequenzen des verkleideten Musk – etwa als Wario aus der Welt der Super-Mario-Figuren – dürften in Zukunft als unerschöpflicher Fundus dienen, wenn es darum geht, Meilensteine seiner unternehmerischen Tätigkeit zu illustrieren.

Nach anderthalb Stunden „Saturday Night Live“ und Elon Musk, die man zum Großteil als Zumutung bezeichnen kann, gibt es eigentlich nur ein Opfer zu beklagen: die Kryptowährung Dogecoin, die Anfang des Jahres durch Äußerungen Musks eine enorme Wertsteigerung erfuhr. Jetzt haben seine ungelenken Witze den Preis in den Keller geschickt, und zwar noch während der Sendung um knapp 30 Prozent. Im Nachgang sackte der Kurs weiter ab.

Das Urteil der Öffentlichkeit über Musk dürfte sich gestern kaum geändert haben. Der Mann polarisiert, man hält ihn für einen dreisten Schwindler oder für ein Universalgenie mit messianischen Zügen. Die gebeutelten Dogecoin-Spekulanten mögen sich unterdessen mit Hiob 1,21 trösten: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.“ (ampnet/jm)


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Bilder zum Artikel

Elon Musk in der NBC-Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“.

Elon Musk in der NBC-Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“.

Foto: Auto-Medienportal.Net/NBC (Screenshot)


Elon Musk mit seiner Mutter in der NBC-Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“.

Elon Musk mit seiner Mutter in der NBC-Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“.

Foto: Auto-Medienportal.Net/NBC (Screenshot)


Elon Musk als Wario verkleidet in der NBC-Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“.

Elon Musk als Wario verkleidet in der NBC-Unterhaltungssendung „Saturday Night Live“.

Foto: Auto-Medienportal.Net/NBC (Screenshot)


Jens Meiners.

Jens Meiners.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Jens Meiners