Glosse: Hauptsache lustig

Was nutzt die schönste Aktion, wenn sie niemand mitbekommt. Da ist es doch viel besser, gleich dafür zu sorgen, dass die Medien dabei sind – am besten die öffentlich-rechtlichen, denn die haben immer noch die größte Reichweite. Das haben wir schon oft erlebt, wenn zum Beispiel die Kamerateams eher beim Beschuldigten vor der Tür stehen als die Polizeibeamten, die die Verhaftung vornehmen sollen. Auch von Greenpeace kennen wir das schon lange. Spektakuläre Bilder bringen dem Umweltschutz-Dienstleistungsunternehmen Geld in die Kasse. Clever!

Aber passt das auch zum Auftrag der Medien oder zum Berufsbild eines Journalisten, von dem sein Sender sagt, die Anstalt biete nur Qualitätsjournalismus? Ist es Journalismus, wenn das Kamerateam die Greenpeace-Aktivisten dabei begleitet, wenn sie im Emdener Hafen über den Zaun steigen, um bei rund 1500 auf die Verladung wartenden Volkswagen die Schlüssel zu stehlen und auf die Zugspitze zu schaffen. Ist das Beihilfe zum schweren Diebstahl?

Immer häufiger verlassen Journalisten die Rolle, die ihnen den Respekt der Gesellschaft eingebracht hat: die neutrale Beobachtung und Berichterstattung. Mancher macht sich gemein mit den Zielen der Akteure, über die er berichten sollte. Stattdessen läuft der Bericht einschließlich Statement eines Greenpeace-Sprechers als buntes Unterhaltungsstück auch in Nachmittags-Boulevardsendungen. Spott ist der Grundton der Reportage. Und natürlich geht der Berichtende davon aus, dass alles ohne strafrechtliche Folgen bleiben wird. Schließlich haben die von Greenpeace doch recht, Volkswagen ist selbst schuld und es ist doch eher lustig als rechtswidrig, einem Großen eine lange Nase zu zeigen. Das muss der schon aushalten können.

Die Hafengesellschaft soll schon auf Schadensersatz-Forderungen verzichtet haben. War doch nur ein Spaß. (ampnet/Sm)


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Peter Schwerdtmann.

Peter Schwerdtmann.

Foto: Auto-Medienportal.Net