Der VCD will die IAA aus München vertreiben

Das Ziel ist klar definiert: „In Frankfurt waren wir 25.000, und in München sollen es mindestens doppelt so viele sein“, beschreibt Mathias Biemann das Ziel der Demonstration, die am 11. September gegen die Internationale Automobilausstellung (IAA) in München veranstaltet werden soll, bei einem Online-Webinar des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Und: „In Frankfurt waren wir erfolgreich und haben die Messe vertrieben. Das wollen wir auch in München erreichen“. Biemann ist einer der beiden Vorsitzenden des Verkehrsclubs Deutschland in Hessen und hat die Demonstration gegen die IAA vor zwei Jahren in Frankfurt mit organisiert.

Dass die IAA aus ganz anderen Gründen die Main-Metropole verlassen hat, unterschlägt der Aktivist allerdings. Doch das ist Nebensache, dem 1986 gegründeten VCD geht es um eine radikale Verkehrswende, in der das Automobil und die individuelle Mobilität keine Rolle mehr spielen. Die Aktivisten fordern vielmehr einen Ausbau der Fuß- und Radwege, eine Verdoppelung der der Zahl der Bus- und Bahnnutzer, das Verbot von Diesel und Benziner von 2030 an, Tempo 120 km/h auf den Autobahnen und 30 km/h in den Städten. Und: Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl der aktuell zugelassenen Pkw von 46,5 Millionen um zwei Drittel auf 17 Millionen sinken. Und deshalb ist es nur logisch, dass der VCD gleichzeitig den sofortigen Stopp der Planung von Autobahnen fordert.

In diese Welt passt eine Automobilmesse natürlich nicht, auch wenn auf der aktuellen IAA Mobility inzwischen mehr Fahrradhersteller ihre Produkte zeigen als Automobilproduzenten. Die Demonstration in München soll aus drei Blöcken bestehen. Neben einer Fahrradsternfahrt aus dem Umland nach München ist eine „Fuß-Demonstration“ geplant, die an der Theresienwiese mit einer Kundgebung startet. Außerdem ist eine Kinder-Raddemo am Olympiapark vorgesehen. Dem VCD kommt es daher gelegen, dass die Stadt München das Oktoberfest wegen der Corona-Pandemie abgesagt hat und das Gelände nicht vom Aufbau der Festzelte und Fahrgeschäfte belegt ist. „Leider können wir für die Sternfahrt die Autobahn nicht nutzen. Das ist uns verboten worden“, bedauert ein Aktivist.

Allerdings stellt die Fahrradsternfahrt aus dem Münchner Umland die Veranstalter ohnehin vor Probleme. „Was passiert eigentlich, wenn die Radler nach der Demo mit dem Zug zurückfahren wollen“, fragt eine Aktivistin. „Wenn Tausende Fahrrad-Demonstranten auf dem Bahnsteig stehen, kann das zu Ärger und üblen Szenen führen“, gibt ihr ein VCD-Mitglied recht. Die Züge rollen im Stundentakt und können pro Wagon nur 30 Räder mitnehmen. Die kollektive Mobilität hat offensichtlich noch ihre Defizite. Für das Abstellen der Räder allerdings ist gesorgt. „Wir haben noch einen Kilometer Stahlseile mit Haken und Sicherungen für das Abstellen der Räder. Die können wir nach München liefern“, bietet Biemann an.

„Wir wollen in München Flagge zeigen und unsere Botschaften transportieren“, erklärt René Scharr-Hochegger, einer der Organisatoren. Der Protestmarsch streift auch den Königsplatz, wo die von der Messe organisierte „Blue Lane“ beginnt, auf der die Besucher „grüne Mobilitätsangebote“ testen können. „Eigentlich gehören wir doch auf diese Strecke“, gibt eine Aktivistin zu bedenken. Ob am Königsplatz zusätzliche Aktivitäten geplant sind, ist noch nicht entschieden. Was die IAA-Organisatoren dort veranstalten, ist den VCD-Aktivisten ohnehin nicht bekannt, erscheint ihnen aber offensichtlich auch nebensächlich. Überhaupt sind die Inhalte der Messe den Demo-Veranstaltern noch ziemlich unklar. Offensichtlich, so die Aktivisten, verfolgen die Messe-Verantwortlichen ganz bewusst eine wenig transparente Taktik. Dabei würde ein Blick auf www.iaa.de durchaus Klarheit bringen…

Dem VCD geht es aber auch gar nicht um Details oder um eine Auseinandersetzung mit den Themen der IAA, sondern vor allem darum, „die Zahl der Teilnehmer von Frankfurt zu knacken, und das wird uns mit der Tour durch die Innenstadt auch gelingen“, so Tanja Terruli, Projektleiterin für das Projekt „Straßen für Menschen“ beim VCD.

Es gibt offensichtlich noch viel zu organisieren, doch wenn es um das Merchandising geht, ist der VCD schon jetzt gut aufgestellt. T-Shirts (auch für Kinder), Hoodies, Sweatshirts, Aufkleber und Sticker sind bereits auf Lager und können bestellt werden. (aum/Walther Wuttke)


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IAA 2019, Greenpeace-Protestaktion

IAA 2019, Greenpeace-Protestaktion

Foto: Autoren-Union Mobilität/Frank Wald


IAA 2019, Greenpeace-Protestaktion

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Foto: Autoren-Union Mobilität/Frank Wald