Unterwegs im Cupra Born: Auf leisen Sohlen durch das deutsche Yellowstone

Bei der Vorstellung des Cupra Born im Oktober vergangenen Jahres machte der Wagen eine gute Figur. Während der Tour über die kurvenreiche Küstenstrecke zwischen Barcelona und Sitges herrschte Fahrfreude pur. Doch wie würde sich das erste batterieelektrische Auto der sportlichen Seat-Schwester im Alltagsbetrieb bewähren? Das sollte es auf einer ausgiebigen Probefahrt in einer interessanten Gegend im südlichen Nordrhein-Westfalen und nördlichen Rheinland-Pfalz unter Beweis stellen.

Dort erstreckt sich von der Mosel bis hin zur belgischen Grenze quer durch die westliche Eifel eine Landschaft, die in Europa ihresgleichen sucht. Weltweit ist sie allenfalls mit dem US-amerikanischen Yellowstone-Nationalpark vergleichbar, wo Vulkane ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen und die Landschaft auch heute noch im Griff haben. Und hüben wie drüben ist der Untergrund noch lange nicht zur Ruhe gekommen. Im Gegenteil. In einem Gebiet von etwa 30 mal 55 Kilometer befinden sich rund 350 große und kleine Eruptionszentren, und die Erdoberfläche rückt jährlich um einen Millimeter nach oben. Geologen rechnen damit, dass es irgendwann wieder mal zu Ausbrüchen kommen wird. Den Zeitpunkt weiß freilich niemand.

Quer durch das „Eifel-Yellowstone“ sollte der Cupra Born die 280 Kilometer lange deutsche Vulkanstraße unter die Räder nehmen. Das dürfte für ihn kein Problem bedeuten, basiert er doch auf der Technik seines Konzernbruders VW ID.3, an der die Cupra-Ingenieure eine Reihe von Verbesserungen an Fahrwerk, Lenkung und Bremsen vornahmen. Außerdem legten sie ihn etwas tiefer und verpassten ihm eine deutlich sportlichere, jedoch keineswegs protzige Optik, so dass der Wagen schon im Stand forsche Dynamik signalisiert.

Auf der Fahrt unterwegs von Köln auf der A61 in Richtung Abfahrt Mendig/Maria Laach zeigt er beim beherzten Tritt auf jenen mit dem Fuß zu bedienenden Hebel, der bei traditionell angetriebenen Fahrzeugen Gaspedal heißt, was er an Beschleunigung auf den Asphalt zu bringen vermag. Die theoretisch versprochenen 7,3 Sekunden von Null auf Hundert erweisen sich auch in der Praxis als Realität. Bei 160 km/h ist allerdings Schluss, dann riegelt der Cupra Born mit Rücksicht auf die Kapazität der Batterie und der Reichweite selbsttätig ab. Das bereitet allerdings auf der A61 wenig Verdruss, weil hier ohnehin weitestgehend ein Tempolimit den Verkehr einbremst.

Großzügigen Platz im Innenraum für einen Kompaktwagen zeigt das Auto vorne wie hinten, so dass auch längere Reisen dank der bequemen Sitze recht ermüdungsfrei vorüber gehen. Sie bieten eine vernünftige Auflagefläche für die Oberschenkel und genügend Seitenhalt bei zügig durchfahrenen Kurven. Menschen mit stattlicher Größe können zudem als Sonderausstattung beheizbare und elektrisch einstellbare Sportschalensitze vorne mit pneumatisch einstellbarer Lendenwirbelstütze, manuell ausziehbarer Oberschenkelauflage sowie Massagefunktion ordern. Das kostet allerdings zusammen mit anderem Schnickschnack 1745 Euro Aufpreis.

Dass bis auf Reifen-, Wind- und Radiogeräusche nur wenig zu hören ist und daher Gespräche in Zimmerlautstärke erfolgen können, versteht sich in einem Elektromobil von selbst. Darüber hinaus lässt die serienmäßige Ausstattung nur wenige Wünsche offen. Eine Klimaanlage mit für Fahrer und Beifahrer getrennter elektronischer Temperaturregelung gehört ebenso dazu wie ein Infotainmentsystem mit 12-Zoll-Farb-Touchscreen zur Bedienung von Radio und einer Reihe weiterer Einstellungen. Als Assistenzsysteme sind zum Beispiel ein Spurhalteassistent, die Ultraschall-Einparkhilfe vorne und hinten sowie das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion vorhanden. Eine automatische Distanzregelung mit vorausschauender Geschwindigkeitsregelung, Fernlichtassistent, Navigationssystem, Rückfahrkamera, und Verkehrszeichenerkennung erfordert eine zusätzliche Investition von 1380 Euro.

Bevor der Laacher See zur Pause einlädt, steht kurz nach dem Verlassen der Autobahn in Mendig eine Schnellladesäule zur Verfügung. Im Winter hat die in den technischen Daten vermerkte mögliche Reichweite von 424 Kilometern bei eingeschalteter Heizung und Scheinwerfern nur theoretischen Wert. Tatsächlich sind es 270 bis 280 Kilometer, bei zügiger Autobahnfahrt noch etwas weniger. Da empfiehlt es sich angesichts der vergleichsweise dünnen Lademöglichkeiten in der Eifel jede Stromtankmöglichkeit zu nutzen.

Der Laacher See selbst täuscht ruhige Idylle vor. Tatsächlich aber brodelt es hier im Untergrund erheblich. Wieder drängt sich ein Vergleich zum amerikanischen Yellowstone auf. Forscher vermuten, dass sich hier wie da in einer Tiefe von rund 50 Kilometern Magma angesammelt hat. Der glühende Brei ist dafür verantwortlich, dass immer noch – auch in Ufernähe – Blasen aufsteigen und Kohlendioxid in die Atmosphäre schleudern. Das soll im 19. Jahrhundert sogar einigen Mönchen im nahe gelegenen Kloster Maria Laach das Leben gekostet haben. Insgesamt zischen in der Eifel bis zu einer Million Tonnen CO2 pro Jahr an die Erdoberfläche.

Im Gegensatz dazu pustet der Cupra Born kein klimaschädliches Gas in die Luft. Und wenn es stimmt, was auf den EnWB-Schnelladesäulen vermerkt ist („100 Prozent Strom aus nachhaltiger Produktion“), dann ist auch sein Treibstoff umweltgerecht.

Nächste Station bei der Reise über die Deutsche Vulkanstraße ist das Ulmener Maar an der A48 zwischen Trier und Koblenz. Die knapp 50 Kilometer dorthin führen überwiegend über kurvenreiche Landstraßen und durch reizvoll-verschlafene Eifeldörfer. Wer will kann hier das Temperament und die spanischen Gene des Autos, das übrigens im Volkswagenwerk Zwickau vom Band rollt, genießen.

Wer es gemütlicher mag, kann sich auf den aufpreispflichtigen Tempomat mit Verkehrszeichenerkennung verlassen. Der hält sich strikt an das jeweilige Tempolimit, bremst, wenn es die Lage erfordert und beschleunigt von selbst, wenn es statthaft ist. Das kann allerdings auch schon mal in den Grenzbereich führen, denn außerhalb geschlossener Ortschaften ist ja bekanntlich die Geschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt, was freilich für die eine oder andere Eifelstraße erheblich zu viel des Guten sein kann.

Zu viel des Guten bietet leider auch die Vielzahl der Bedienungsschalter auf dem Cupra-Lenkrad. Wie bei fast allen Modellen aus dem Volkswagenkonzern ist auch das Lenkrad im Born mit Knöpfen und Schaltern für unterschiedliche Aufgaben übersät, so dass im Eifer des Gefechts schon einmal aus Versehen ein Knopf berührt wird, der zuvor beabsichtigte Einstellungen wie zum Beispiel die für die Geschwindigkeitsregelanlage über den Haufen wirft. Auch dass der Fahrwählhebel wie bei VW ID-Modellen rechts hinter dem Lenkrad steckt, kommt einem zunächst spanisch vor und benötigt etwas Gewöhnung.

Zurück zum Ulmener Maar. Es ist eines von zwölf, mit Wasser gefüllten trichterförmigen Kratern in der Eifel, die durch die vulkanischen Explosionen entstanden sind. Die Besonderheit des Ulmener Maars: Hier fand vor nur 10.000 Jahren der bislang letzte Ausbruch in der Eifel statt. Das ist in geologischer Zeitrechnung nur ein Wimpernschlag her. Das Ulmener Maar ist bis zu 37 Meter tief und wird von einem durchschnittlich 20 Meter hohen Wall aus Tuffgestein umringt, das sich aus dem Auswurf des einstigen Vulkans gebildet hat.

Befindet sich in den Maaren meist nur Regen- oder Grundwasser, so hat die Eifel auch besonderes Wasser zu bieten. Schon die Römer rühmten die Wasserqualität der Vulkaneifel-Quellen und bauten sogar Leitungen mit dem Eifelwasser bis nach Köln. Die Mineralwässer aus der Vulkaneifel sind außerordentlich reichhaltig an für den Menschen wertvollen Mineralien. Das verdanken sie dem vulkanischen Untergrund, den sie auf ihrem langen Weg durchlaufen.

In der Eifel heißen diese Quellen Drees. Einige davon haben es zu bundesweitem Bekanntheitsgrad geschafft wie zum Beispiel die aus Gerolstein, aus Andernach (Ortsteil Bad Tönnisstein) oder Bad Neuenahr (Apollinaris). Rund 100 weitere sind frei für jedermann zugänglich. Eine davon ist die Lindenquelle, wo sich jeder, der will, kostenlos mit erfrischendem Mineralwasser versorgen und dabei sogar etwas für seine Gesundheit tun kann, gilt es doch als „Heilwasser ersten Ranges“. Es soll gegen Krankheiten wie zum Beispiel Übersäuerung des Magens, Nieren- und Blasenleiden, Stoffwechselerkrankungen, Gicht und rheumatischen Erkrankungen, vor allem auch der Zuckerkrankheit entgegenwirken.

Zu insgesamt 39 Haltepunkten führt die Deutsche Vulkanstraße (https://www.deutsche-vulkanstrasse.com/de/) mit einer Reihe unterschiedlicher Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel vom Museum und Informationszentrum über landschaftliche Besonderheiten bis zum ehemaligen Römerbergwerk.

Am Ende des Trips mit dem Cupra Born gilt es, Bilanz zu ziehen. Den eingangs erwähnten Fahrspaß bietet das Fahrzeug auch im Alltagsbetrieb und davon viel. Bei mehreren Fahrten in die Eifel legten wir innerhalb von zwei Wochen 1121 Kilometer zurück. Nachdem wir die Batterie des Wagens in der ersten Nacht mit Hilfe der heimischen Steckdose vollladen ließen, machten wir danach sechsmal an öffentlichen Ladestationen halt, bezogen von dort 197,9 kWh Strom, was 108,83 Euro und mehr als fünf Stunden Zeit kostete.

Wer mit einem batteriebetriebenen Elektroauto auf Reisen geht, muss halt Zeit und Geduld mitbringen. (aum/Hans-Robert Richarz)

Daten Cupra Born

Länge x Breite x Höhe (m): 4,32 x 1,81 x 1,54
Radstand (m): 2,77
Antrieb: Permanentmagneterregte Synchronmaschine (PSM), Heckantrieb, 1-Gang-Automatik
Leistung: 150 kW / 204 PS bei 1 U/min
Max. Drehmoment: 310 Nm bei 1 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,3 Sek.
Elektr. Reichweite: 424 km (WLTP)
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 16,8–15,5 kW/h
Effizienzklasse: A+++
CO2-Emissionen: 0 g/km (WLTP)
Leergewicht (EU)/ Zuladung: min. 1736 kg / max. 524 kg
Kofferraumvolumen: 385 Liter
Basispreis: 37.220 Euro (ohne Umweltbonus)
Testwagenpreis: 47 667 Euro (ohne Umweltbonus)


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Bilder zum Artikel

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Erfrischungspause an der Lindenquelle südlich von Gerolstein in Birresborn.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Erfrischungspause an der Lindenquelle südlich von Gerolstein in Birresborn.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Startpunkt in Burgbrohl.

Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Startpunkt in Burgbrohl.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Startpunkt in Burgbrohl.

Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Startpunkt in Burgbrohl.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Am Laacher See.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Am Laacher See.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Am Laacher See.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Am Laacher See.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Am Laacher See.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Am Laacher See.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Kloster Maria Laach.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Kloster Maria Laach.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Rheinland-Pfalz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Die Eifel bietet über 100 Heilquellen mit Mineralwasser.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Die Eifel bietet über 100 Heilquellen mit Mineralwasser.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Tankpause in der Eifel.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Tankpause in der Eifel.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Erfrischungspause an der Lindenquelle südlich von Gerolstein in Birresborn.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Erfrischungspause an der Lindenquelle südlich von Gerolstein in Birresborn.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Erfrischungspause an der Lindenquelle südlich von Gerolstein in Birresborn.

Mit dem Cupra Born auf der Deutschen Vulkanstraße: Erfrischungspause an der Lindenquelle südlich von Gerolstein in Birresborn.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz