Wortklauberei (35): Wie nachhaltig ist die Elektromobilität?

„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ So einst Bundeskanzler Konrad Adenauer. Doch die Rückschau lohnt. Denn sie zeigt, wie sich selbst unveränderliche Haltungen ändern. Hätte jemand noch vor Jahresfrist dem Ökoinstitut diesen Satz in einem Pressetext zugetraut, publiziert am Freitag vergangener Woche: „Über den gesamten Lebenszyklus eines Pkw sind Elektrofahrzeuge bereits heute zu 20 bis 30 Prozent klimafreundlicher als benzin- oder dieselbetriebene Fahrzeuge.“

Waren die Aussagen des Instituts nicht bislang von der hundertprozentigen Überzeugung geprägt, das Elektroauto sei uneingeschränkt klimafreundlich und der Verbrenner die Verkörperung allen Übels? Woher dieses plötzliche Bekenntnis zu einer realistischeren Sicht? Das Ökoinstitut zitiert Studien, die die Rohstoffgewinnung, die Herstellung der Bauteile und des Fahrzeugs, seine Nutzung als auch das Recycling einbeziehen. Wichtigste Einflussgröße sei dabei der Strommix, der zum Fahren benötigt wird und der dort enthaltene Anteil der erneuerbaren Energien.

Um in der Gesamtbilanz des Elektroautos auf der für das Klima positiven Seite zu bleiben, müssen demnach drei Bedingungen erfüllt sein:

Erstens: Der Strom darf möglichst nur aus erneuerbaren Quellen stammen. Heute nähern wir uns eher einem Mix mit zwei Drittel Strom aus fossilen Quellen, vor allem aus Kohle.

Zweitens: Den Ingenieuren gelingen bei den Verbrennern keine weiteren Verbesserungen bei Verbrauch und Emissionsverhalten.

Drittens: Klimaneutrale alternative Kraftstoffe werden auch in Zukunft den Verbrennungsmotoren vorenthalten.

Keine Frage: Für batterieelektrische Antriebe und solche mit Brennstoffzelle als Stromquelle gibt es viele sinnvolle Anwendungen, vor allem im urbanen Umfeld und vor allem bei Personenwagen, beim Lieferfahrzeug und vielleicht auch beim öffentlichen Personen-Nahverkehr. Das senkt das Geräuschniveau und hält Emissionen draußen. Doch der Effekt auf das Klima ist leider weniger deutlich. Alternative Kraftstoffe würden sogar die 20 Prozent bis 30 Prozent Öko-Vorteil schlucken, den das Ökoinstitut dem Elektroauto heute noch zurechnet. (Peter Schwerdtmann, cen)


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Peter Schwerdtmann.

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Foto: Auto-Medienportal.Net