Unterwegs: Mit dem neuen Lexus RX 500h auf dem Highway 101

Santa Barbara an der Pazifik-Küste, gut zweieinhalb Autostunden nördlich von Los Angeles gilt als Stadt der Reichen und Schönen. Ein Grund, warum angeblich nirgendwo sonst in Kalifornien die Grundstückspreise höher sind. In dieser exklusiven Gegend stellte Lexus die fünfte Generation seiner Modellreihe RX vor, die jetzt als Triumvirat auftritt. Dazu gehören der Hybrid RX 350h, der Plug-in-Hybrid RX 450h+ sowie der besonders sportliche Turbo-Hybrid RX 500h mit Sechsgang-Automatik und Allradantrieb.

Wenn das neue Oberklasse-SUV zu Beginn kommenden Jahres bei den Händlern anrollt, kann die erfolgreiche RX-Serie 25-jähriges Jubiläum feiern. Immerhin brachten die Japaner in dieser Zeit weltweit rund 3,5 Millionen Exemplare davon unter die Leute, allerdings in Europa nur einen geringen Teil, nämlich etwa 300.000 Stück. Wenn auch die Newcomer für frischen Schwung sorgen sollen, bleiben die Lexus-Erwartungen für die Alte Welt weiterhin in bescheidenem Rahmen. Für 2023 sind in ganz Europa 12.000 RX-Verkäufe geplant, davon in Deutschland 1000, wobei sich der Löwenanteil hierzulande nach Ansicht von Lexus-Pressesprecherin Marieluise Mammitzsch auf das Spitzenmodell RX 500h, den sportlichen Kraftprotz konzentrieren, wird. Daher wählten wir auch ihn für einen eintägigen Kurztrip in das Santa Barbara-Umland aus.

Wohl um die Exklusivität ihrer Premiummodelle zu betonen und ihnen einen Hauch von Exotik zu verleihen, lieben es manche Marketingstrategen aus dem Land des Lächelns, die Arbeiten ihrer Ingenieure und Formgestalter mit Begriffen aus der japanischen Kultur zu unterstreichen. „Omotenashi“, zu Deutsch „Gastfreundschaft“, will zum Beispiel die Beleuchtung des RX-Innenraums vermitteln. Mit einer Auswahl von 64 Farben und vierzehn Themenbereichen soll sie sich den individuellen Vorstellungen der Passagiere anpassen.

Zudem soll ein so genanntes Tazuna-Cockpit den Menschen am Steuer vor überflüssigen Ablenkungen, Augen- und Kopfbewegungen bewahren. Das Wort „Tazuna“ steht im Japanischen für den Begriff „Zügel“ und bedeutet in diesem Fall, dass die Konstrukteure in Bezug auf zu viel Schnickschnack im vorderen Bereich des Autos Zurückhaltung übten. Ganz nach der Devise „Weniger ist mehr“.

Gleiches gilt für das Außendesign. Gegenüber ihren Vorläufern wirkt die neue RX-Generation durch eine verlängerte Motorhaube, die nach hinten versetzten A-Säule und einen verlängerten Radstand schlanker. Die ansteigende untere Seitenlinie, die ausgestellten Radhäuser und die großen Räder stehen für Dynamik und lassen das Fahrzeug bereits im Stand kraftvoll und spurtgewaltig erscheinen – freilich nüchtern und ohne Übertreibungen. Ein kurzer hinterer Überhang, eine breitere hintere Spur und der Übergang von den Kotflügeln zu den Rückleuchten, deren Lichtleiste sich über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt, unterstreichen diesen Anspruch.

Erste Fahrten mit gebremstem Tempo

Diesen jedoch auch in der Praxis bis in den Grenzbereich auszuprobieren steht bei der ersten Begegnung mit dem RX 500h auf US-amerikanischen Straßen das Tempolimit von knapp über 100 km/h auf Autobahnen im Wege. Bekanntlich machen amerikanische Cops bei Kontrollen (dabei unbedingt im Auto sitzen bleiben, Hände aufs Lenkrad!) nicht viel Federlesens.

Wir rollen zunächst auf der Interstate 101 von Santa Barbara aus in Richtung Norden. Die Straße führt über weite Strecken immer am Pazifik entlang. Raue Küstenabschnitte mit Seelöwen zu ihren Füßen wechseln sich mit großartigen Stränden und Buchten ab. Zu Recht gilt dieser Weg, der später in den „Pacific Coast Highway“ übergeht, als eine der schönsten Autorouten der Welt. Das trifft vor allem weiter im Norden zwischen Morro Bay und San Francisco zu. Dazu ein Tipp: Am besten lässt sich die Strecke von Nord nach Süd erleben, den Stillen Ozean immer auf der rechten Seite. Denn dann müssen Fahrerin oder Fahrer nicht jedes Mal den Gegenverkehr queren, wenn schon wieder rechter Hand ein Parkplatz mit einem besonders photogenen Ausblick lockt. Und davon gibt es auf diesem Highway jede Menge.

Wein und Erdöl halten sich die Waage

Doch leider fehlt uns dazu die Zeit. Wir begnügen uns mit etwa – auch sehr schönen – 50 Kilometern bis in das Örtchen Gaviota an der Küste, wo die 101 rechts ab ins Santa Ynez Valley und weiter ins Santa Maria Valley führt. Dort halten sich die beiden Wirtschaftszweige Weinbau und Erdölförderung die Waage. Mehr als 200 Weinkellereien laden auf gewaltigen Rebflächen zum Probieren ein, dazwischen fördern ab und an Pumpen das schwarze Gold aus dem Untergrund.

Kurz vor dem Örtchen Los Alamos – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt in New Mexico, wo 1942 die Entwicklung der Atombombe startete – biegen wir rechterhand auf eine Landstraße ab. Nicht erst hier bekommen wir es mit dem teilweise miserablen Straßenzuständen in Kalifornien zu tun. Bereits die klapprige Busfahrt von Los Angeles nach Santa Barbara hat uns ordentlich durchgeschüttelt. Jetzt aber bügelt der Lexus RX 500h nahezu sämtliche Unebenheiten der Fahrbahn sowie Querrillen und Schlaglöcher als komfortables Reisefahrzeug weitgehend glatt.

Überhaupt macht das Fahren mit dem sportlichen SUV selbst bei US-üblich defensiv-zurückhaltender Fahrweise Spaß. Die Insassen haben vorne wie hinten auf komfortablem Gestühl viel Platz. Auf Wunsch lassen sich die Sitze sogar mit einem Bezug aus einer Art Leder bestellen, das mit Vierbeinern nichts zu tun hat. „Veganes Leder“ nennt Lexus das Material, das normalerweise die Bezeichnung „Kunstleder“ trägt.

Fahrerin oder Fahrer blicken durch ein gegenüber früher vergrößertes Sichtfeld auf die Straße, wobei das ergonomische Design der vorderen Säulen die Sicht bei Kurvenfahrten optimiert. Durch die angehobene Vorderkante der Motorhaube ist darüber hinaus die Kurvenlage des Fahrzeugs besser einschätzbar. Schmalere hintere Säulen erleichtern den Schulterblick und die Sicht nach hinten, was sich zum Beispiel an Autobahnauffahrten vorteilhaft auswirkt. Die Easy Entry Funktion, bei der Lenkrad und Sitz beim Ein- und Aussteigen zurückfahren, machen Ein- und Ausstieg stressfrei möglich.

Komfort und Ruhe im Innenraum waren laut Lexus-Angaben unter anderem Ziele der Entwicklung, wobei drei Maßnahmen im Mittelpunkt standen: den Klang der ins Schloss fallenden Türen, die Geräusch- und Vibrationsentwicklung im Leerlauf und die Übertragung von Fahrbahngeräuschen – insbesondere bei wechselnden Oberflächen. Selbst für ein möglichst angenehmes Schließen der Türen wurden unerwünschte Geräusche eliminiert. Weitere Maßnahmen zielen auf die Minimierung von Vibrationen an Windschutzscheibe und hinteren Türen. Fazit: Es herrscht auch während der Fahrt angenehme Ruhe, die Unterhaltung der Passagiere in Zimmerlautstärke geht problemlos vonstatten.

Als Ziel am Zwischenstopp der ersten Probereise mit dem Lexus RX 500+ steht das Weingut Presqu’ile mit seinen 30 Hektar Anbauflächen in der Hauptsache für die Rebsorten Pinot Noir und Chardonnay. Der Reiseführer Condé Nast hält es für eins der zehn schönsten Weingüter Kaliforniens, und für die Genießer-Website „Testing Table“ aus New York zählt Presqu’ile gar weltweit zu den 20 besten, zusammen mit einigen berühmten französischen Chateaus sowie Kellereien aus Italien und Spanien. Wir können das weder bestätigen noch dementieren, weil wir am Steuer natürlich nüchtern bleiben müssen.

Statt edler Tropfen erfreuen wir uns jedoch am Luxus des Autos und seinen zahlreichen Assistenzsystemen. Da ist zunächst das so genannte Lexus Dynamic Handling System erwähnenswert: Anhand der Fahrgeschwindigkeit, des tatsächlichen Lenkwinkels und des Lenkradeinschlags berechnet es die optimale Räderstellung. Bei niedrigen und mittleren Geschwindigkeiten schlagen die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein, während sie sich bei hohen Geschwindigkeiten im Gleichklang mit der Vorderachse bewegen. Das soll bei geringem Tempo die Manövrierfähigkeit verbessern und bei höherem die Stabilität erhalten.

Viel Unterstützung für den Fahrer

Der RX hat eine Vielzahl verbesserter und erweiterteter Fahrhilfen bekommen. So ermöglicht beispielsweise die adaptive Geschwindigkeitsreglung in Verbindung mit dem verbesserten Spurführungsassistenten natürlichere Kurvenfahrten. Das System erkennt zudem mehr Zeichen als bisher, darunter auch Warn- und Stopp-Schilder. Die Frontkamera des Fahrzeugs erfasst Hindernisse wie parkende Autos sowie Radfahrer oder Fußgänger, die die Straße überqueren wollen oder am Straßenrand gehen. Besteht die Gefahr einer Kollision, bremst und lenkt der Assistent, um dem Hindernis auszuweichen, ohne dabei die Fahrspur zu verlassen.

Einen besonderen Pfiff bietet der Fahrer-Monitor, bei dem eine über dem Lenkrad angebrachte Kamera die Aufmerksamkeit des Menschen am Lenkrad kontrolliert. Bei Anzeichen für Müdigkeit oder Ablenkung erhalten Fahrerin oder Fahrer eine Warnung. Sollten sie nicht reagieren, ist das System in der Lage, das Fahrzeug zu verlangsamen oder gar zu stoppen.

Ebenfalls nicht zu verachten ist der Safe Exit Assist, die mit der elektromechanischen Türöffnung und einem Totwinkel-Assistenten verbunden ist. Erkennt dieser einen Fahrradfahrer oder motorisierte Verkehrsteilnehmer, die sich von hinten nähern, löst sie eine optische und akustische Warnung aus und verhindert ein Öffnen der Türen. Das System kann dazu beitragen, 95 Prozent der Unfälle zu verhindern, die durch solche Unachtsamkeit entstehen können.

Etwas gewöhnungsbedürftig hingegen ist der in höheren Ausstattungsvarianten verfügbare digitale Rückspiegel. Er bietet mit Hilfe von Echtzeitbildern der Rückfahrkamera ein ungehindertes Sichtfeld. Darüber hinaus bietet für einfacheres Manövrieren auf engstem Raum ein digitaler Panoramamonitor eine 360- Grad-Live-Ansicht um das Fahrzeug herum und eine zuvor aufgezeichnete Ansicht unter dem Fahrzeug. Sie stammt von Kameras, deren Objektive sich bei Verschmutzung automatisch reinigen können.

Dass alle RX-Varianten über ein komplettes System von Airbags, einschließlich eines Mittelairbags zwischen den Vordersitzen verfügen, verdient da schon fast keine besondere Erwähnung mehr. Drahtlose Over-the-Air-Updates halten den Funktionsumfang der Systeme jederzeit ohne Werkstatttermin auf dem neuesten Stand.

Alles in allem verdeutlichte die Rückkehr ins Hotel in Santa Barbara, wie bereits erwähnt ein Ort der Reichen und Schönen, warum Lexus ausgerechnet hier die Neuauflage des RX Journalisten aus aller Welt vorführte. Die Autos zielen genau auf jene Klientel, die sich von einem SUV dieser Klasse angesprochen fühlt und es sich auch leisten kann. Die Preise stehen zwar noch nicht fest, sie dürften aber in der Gegend von 70.000 Euro anfangen. (Hans-Robert Richarz/cen)

Daten Lexus RX 500h

Länge x Breite x Höhe (m): 4,89 x 1,92 x 1,70
Radstand (m): 2,85
Antrieb: R4, Benziner, Turbo, 2487 ccm, 2 E-Motoren, Allrad, 6-Stufen-Automatik
Gesamtleistung: 273 kW / 371 PS
Max. Drehmoment: 551 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,2 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 8,0–8,3 Liter
CO2-Emissionen: 182–189g/km
Leergewicht / Zuladung: min. 2100 kg / max. 650 kg
Kofferraumvolumen:461–612 Liter
Max. Anhängelast: 2000 kg
Basispreis: noch nicht bekannt.


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Lexus RX 500h.

Lexus RX 500h.

Foto: Autoren-Union Mobilität/Hans-Robert Richarz


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Lexus RX.

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Lexus RX F-Sport.

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