Fahrbericht MG 4 Electric: Kontrahent zum Kampfpreis

Bezahlbare Neuwagen sind heutzutage nur recht schwer zu ergattern, günstige Elektroautos erst recht. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie beispielsweise die chinesische Marke MG. Die präsentiert jetzt mit dem kompakten Stromer MG 4 ein verlockendes Angebot. Der Fünftürer zielt auf die elektrische Kompaktklasse vom Schlage eines VW ID 3, eines Cupra Born oder eines Renault Megane E-Tech ab und startet in der Basisversion bei bezahlbaren 31.990 Euro. Dabei ist er mit einem Navigationssystem, einer Klimaautomatik sowie reichlich Fahrerassistenten schon recht umfangreich ausgestattet.

Wer sich beeilt und noch in diesem Jahr einen MG 4 Electric ergattert, zahlt nach Abzug der Umwelt- und Herstellerprämie sogar nur noch 22.420 Euro. Eine Bestellung wäre sogar kurzfristig möglich, da vorkonfigurierte Fahrzeuge selbst noch auf dem Schiffsweg zu uns verkauft werden könnten, heißt es vom deutschen Importeur. Preislich ist der MG 4 überaus attraktiv. Ein ID 3 startet erst bei 38.060 Euro. Sofern man überhaupt noch einen in diesem Jahr erhält, wären nach Abzug der Umweltprämie von maximal 9.000 Euro aber immer noch 29.060 Euro für den Wolfsburger fällig.

Zugegeben, unser gefahrener MG 4 in der gehobenen Topausstattung Luxury wechselt erst für 37.990 Euro seinen Besitzer, dennoch liegt der Preis – Umweltbonus hin oder her – immer noch einiges unter dem des VW-Basismodells. Darüber hinaus bringt der Luxury bereits schon die sprichwörtliche volle Hütte mit. Zu der nahezu serienmäßigen Vollausstattung zählen unter anderem Ledersitze, eine Echtzeit-Navigation, ein WLAN-Hotspot und weitere Assistenzsysteme wie eine 360-Grad-Kamera dazu.

Im direkten Vergleich zum Basismodell ergeben sich weitere Unterschiede.
So rollt das Topmodell anstelle der 51 kWh starken Batterie mit einem kräftigeren 64 kWh-Akku an. Neben dem höheren Energiegehalt des Speicherdepots steigt beim MG 4 Luxury außerdem die Leistung des Elektromotors. Statt der üblichen 125 kW (170 PS) bringt es der Luxury gleich auf 150 kW (204 PS). Zudem ist die energieeffiziente Wärmepumpe an Bord, während es den Reichweiten-Verlängerer für die einfacheren Modelle Standard sowie Comfort selbst gegen Aufpreis nicht gibt.

Jedoch lässt sich bei allen MG 4 immer die Batterie vorkonditionieren, was die Ladezeiten verkürzen kann. Bei unserem ersten Test an einem Power-Charger füllte der Chinese sein Speicherdepot in flotten 30 Minuten auf 80 Prozent. Dabei liegt die maximale Ladegeschwindigkeit bei ordentlichen 135 Kilowatt. Für den Verbrauch gibt MG 16,6 kWh im Schnitt an. Mit randvoll gefülltem Akku beträgt die Reichweite für die Luxury-Ausführung 435 Kilometer, beim Comfort-Modell sind es sogar maximal 450 Kilometer.

Optisch bringt der 4,29 Meter lange Elektro-Neuling viel Eigenständiges mit, und über die schmal geschnittenen LED-Schweinwerfer blickt er fast sogar schon etwas grimmig drein. Doch in Verbindung mit der breiten Frontschürze sowie dem zweigeteilten Dachspoiler mimt der MG insgesamt den durchaus attraktiven Dynamiker. Ein Eindruck, der sich im Innenraum jedoch dreht. Hier liegt das Hauptaugenmerk eher auf der komfortbetonten Seite, wie die weichgepolsterten Sitze zeigen. Grundsätzlich sind sie bequem, allerdings wünschen sich der Fahrer und Beifahrer in flott angegangenen Kurven vom vorderen Mobiliar mehr Seitenhalt.

Die in Nummer 4 eingebauten Akkus zählen mit einer Höhe von gerade einmal nur elf Zentimetern zu den flachsten im kompakten Stromer-Segment. Das sorgt für Platz im Innern. Vorne geht es überaus luftig zu und auch im Fond erweist sich die Bewegungsfreiheit als ausreichend, da selbst große Personen weder mit der Vordersitzlehne noch mit dem Dachhimmel in Berührung kommen. Allerdings fällt für Langbeinige die Oberschenkelauflage recht knapp aus. Schön jedoch: Die hinteren Türen öffnen fast im 90-Grad-Winkel, was den Ein- und Ausstieg in den Chinesen letztendlich erleichtert.

Weiter hinten bietet der MG in der Luxury-Variante ein glattflächiges Kofferraumvolumen von 350 Litern, welches sich durch das Umklappen der Rücksitzlehnen auf bis zu 1165 Liter erweitern lässt. Bei den einfacheren Versionen Standard und Comfort sind es 363 bis 1177 Litern. Dafür bieten diese aber auch keinen doppelten Boden, unter dem man das Ladekabel samt dazugehöriger Softbox oder andere Dinge rutschsicher verstauen kann.

Beim Cockpit werden Erinnerungen an den ID 3 wach. Vor dem Fahrer türmt sich auch hier ein kleines Kombiinstrument mit den wichtigsten Informationen auf. Rechts daneben sitzt ein 10,25 Zoll großer Bildschirm für das Multimedia. Der Touchscreen reagiert zwar etwas zögerlich auf Tippbefehle, dennoch führt er einen schnell und zuverlässig ans gewünschte Ziel. Auch die Smartphone-Integration gelingt einfach, zudem gibt es auf der scheinbar freischwebenden Mittelkonsole eine induktive Ladestation für das Handy.

Die Verarbeitung unseres Vorserien-Exemplars erweist sich als passgenau und ordentlich, die einfache Materialqualität rund ums Cockpit gefällt hingegen nicht. Selbst der vereinzelte Klavierlack-Dekor der Luxury-Variante kann über die einfachen Kunststoffe im Innern nicht hinwegtäuschen. Aber gut, bei so einem geringen Kaufpreis darf man sich halt auch nicht wundern. Für Vertrauen sorgt jedoch die siebenjährige Garantie, die MG bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern auf die Batterie und den Elektromotor gibt.

Wie inzwischen bei vielen Stromern üblich, sitzt auch der E-Motor beim MG auf der Hinterachse und treibt dort die Räder an. Dadurch fährt sich der Chinese vor allem in der Stadt sehr handlich und besticht mit einem geringen Wendekreis von nur gerade einmal nur 10,6 Metern. Auf der Landstraße zeigt sich der 150 kW starke Antrieb durchzugskräftig, und das eigentlich straff abgestimmte Fahrwerk überrascht zudem mit einem angenehmen Abrollkomfort. Auch gibt sich der Wagen beim Fahren als ausgesprochen leise. Nur die Lenkung enttäuscht. Sie sprichst selbst im Sport-Modus noch zu leichtgängig an und vermittelt mit ihrem teigigen Ansprechverhalten zu wenig Fahrbahnkontakt. Insgesamt fährt sich der MG 4 aber gutmütig.

Von den vielen Assistenzsystemen, die der Chinese bereits schon ab Werk mitbringt, kann auch der Spurhalter nicht so ganz überzeugen. Zwar arbeitet er nicht ganz so forsch wie beispielsweise im Elektro-SUV MG Marvel R, jedoch versucht der elektronische Helfer auch im 4er das Auto übereifrig und immer wieder auf die Fahrbahnmitte zurückzuleiten – ohne dass der Fahrer es will. Glücklicherweise lässt sich der Spurhalteassistent aber auch mit einem Klick auf den Touchscreen komplett abschalten. So leistet sich der MG 4 zwar ein paar kleinere Schwächen, aber insgesamt bietet der Chinese viel Auto fürs Geld. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. (Guido Borck/cen)

Daten MG4 Electric Luxury

Länge x Breite x Höhe (m): 4,29 x 2,06 x 1,50
Radstand (m): 2,71
Antrieb: Permanentmagnet-Synchronelektromotor, Heckantrieb, 1-Gang-Aut.
Leistung: 150 kW/204 PS
Max. Drehmoment: 250 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,9 Sek.
WLTP-Reichweite: 435 km
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 16,6 kWh
Batterie: Hochvolt-Nickel-Kobalt-Mangan-Batterie, 64 kWh
Maximale Ladeleistung AC/DC: 11 kW/ 135 kW
DC-Ladedauer (10–80%): 35 Minuten
Leergewicht / Zuladung: min. 1685 kg / max. 448 kg
Kofferraumvolumen: 350–1165 Liter
Wendekreis: 10,6 m
Preis: 37.990 Euro
Preis Basismodell: 31.990 Euro


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MG 4 Electric.

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Foto: Autoren-Union Mobilität/MG Motor


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