Der Junior ist sich sicher: „Dieses Auto gehört auf die Rennstrecke“

Kenner der Formel 1-Historie werden sich daran erinnern: Michael Schumacher hatte bereits die beiden Weltmeistertitel 1994 und 1995 in der Tasche, als er zur Rennsaison 1996 von Benetton zu Ferrari wechselte. Die Sportwagenschmiede mit dem springenden Pferd im Wappen hatte seit 1950 in der Formel 1-Weltmeisterschaft mitgemischt und bis dahin den Fahrertitel neunmal gewinnen können, das letzte Mal mit Jody Scheckter. Das war allerdings schon 17 Jahre her, als der Deutsche in Maranello seinen Vertrag unterschrieb.

Doch es sollten noch vier weitere Jahre vergehen, bis Schumacher die Saison erstmals als Weltmeister mit einem Ferrari beenden konnte. Danach freilich ging es Schlag auf Schlag. Die Titel vier, fünf, sechs und sieben folgten 2001, 2002, 2003 und 2004, alle auf Ferrari.

Ausgesprochen eng gestaltete sich die Formel 1-Saison 2003 für Schumacher. Am Ende betrug sein Vorsprung vor dem zweitplatzierten Kimi Raikkönen lediglich zwei Punkte. Zum Auftakt saß der Deutsche in den ersten vier Rennen am Steuer des auf den neuesten Stand gebrachten Vorjahres-Wagen F2002, stand aber erst nach dem vierten Lauf beim Großen Preis von San Marino/Imola auf dem Siegtreppchen ganz oben. Zuvor hatte er das Rennen in Australien auf dem vierten und das in Malaysia auf dem sechsten Platz beendet. Beim folgenden Regenrennen im brasilianischen Sao Paulo war er in einem Reifenstapel bruchgelandet.

Am Großen Preis von Spanien in Barcelona am 4. Mai 2003 lenkte Schumacher zum ersten Mal den neuen F2003-GA, der die beiden Initialen im Namen in Erinnerung an den im Januar 2003 verstorbenen Fiat-Chef Gianni Agnelli trug. Der neue Rennwagen war länger als sein Vorgänger, was ihm nicht nur eine bessere Aerodynamik verschaffte, sondern auch mehr Platz für eine längere Variante des 3-Liter-V-10-Motors bot, ein außergewöhnliches 845-PS-Triebwerk (622 kW), das in der Lage war, 19.000 Umdrehungen pro Minute auszuhalten.

Mit diesem Modell bestritt Schumacher neun Rennen und belegte in der 2003er-Rennsaison fünfmal den ersten Platz, nämlich in Barcelona/Spanien, Spielberg/Österreich, Montreal/Kanada, Monza/Italien und Indianapolis/USA. Außerdem landete er in Monte Carlo/Monaco ebenso auf dem dritten Platz wie in Magny-Cours/Frankreich, wo Bruder Ralf Schumacher (Williams-BMW) auf dem Siegertreppchen ganz oben stand.

Unter dem Strich stellte sich im Nachhinein der F2003-GA als erfolgreichster, bislang von Ferrari konstruierter Formel 1-Renner heraus. Mit ihm errang Michael Schumacher seine sechste und damit vorletzte Fahrer-Weltmeisterschaft, mit der er den bisherigen Rekord von Juan Manuel Fangio übertreffen konnte. Zudem trug das Auto für Ferrari die insgesamt 13. Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ein.

Genau dieser Einsitzer kam am 9. November beim Auktionshaus Sotheby’s in Genf unter den Hammer. Frisch überholt und mit einem Motor, der nur über etwas mehr als 230 Kilometer bewegt worden war, würde er auch noch heute auf jeder Formel 1-Rennstrecke eine gute Figur machen. Davon war auch Schumachers Sohn Mick überzeugt, als er kürzlich den Wagen im Renntempo auf dem Ferrari-eigenen Kurs Pista di Fiorano in der Nähe von Maranello fahren durfte. Hinterher erklärte er: „Dieses Auto gehört auf die Rennstrecke, nicht in ein Museum, es will und muss gefahren werden. Die Aerodynamik ist immer noch allererste Sahne.“

Den Wert des legendären Boliden hatte das Auktionshaus Sotheby’s auf mindestens 7,7 Millionen Euro geschätzt. Ein finanzkräftiger Bieter hielt bis zum letzten Hammerschlag des Auktionators durch. Da stand sein Gebot bei 14 360 000 Schweizer Franken, umgerechnet 14 922 600 Euro, also fast das Doppelte. Ob er freilich Schumachers Siegerauto bei Oldtimerrennen einsetzen wird oder in einem Privatmuseum verschwinden lässt, bleibt sein und das Geheimnis von Sotheby’s. (Hans-Robert Richarz/cen)


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Bilder zum Artikel

Michael Schumachers Formel 1-Auto.

Michael Schumachers Formel 1-Auto.

Foto: Autoren-Union Mobilität/RM Sotheby's


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Foto: Autoren-Union Mobilität/RM Sotheby's


Michael Schumachers Formel 1-Auto.

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Foto: Autoren-Union Mobilität/RM Sotheby's


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Foto: Autoren-Union Mobilität/RM Sotheby's


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