Gastkommentar: Zwang zur Transformation?

Selbst als großer Befürworter der europäischen Idee fehlt mir das Verständnis: Der Verbrennungsmotor soll verboten werden? Die weit überwiegende Zahl der Bürger fragt sich, was da los ist. Und die skandalöse Entwicklung bedarf einer Erläuterung – denn nur Insider kennen die Gründe.

Vor allem der „Dieselskandal“ von Volkswagen hat viele Menschen verärgert. Doch die Technik hat sich seitdem erheblich weiterentwickelt: Der moderne Verbrennungsmotor kann als quasi immissionsneutral betrachtet werden. NOx, Partikel, Feinstaub usw. sind schon lange kein Thema mehr. Das Gebot der Stunde ist vielmehr die CO2-Reduktion. Hierzu wird die Kraft der Natur benötigt. Aus Wind und Sonne kann elektrische Energie gewonnen werden. Diese muss nur gespeichert werden, um damit ein Fahrzeug anzutreiben. Es muss also eine Batterie her!

Politisch gewollt ist die elektrische Batterie. Doch hier gibt es enorme Probleme: Es gibt kaum Rohstoffe in Europa, die Prozesse der Zellproduktion werden von China kontrolliert, in Deutschland gibt es nicht einmal ansatzweise genug CO2-neutrale Energie. Zudem laufen die Kosten aus dem Ruder, preiswerte Fahrzeuge mit Familiennutzen verschwinden, die Stromkosten gehen durch die Decke, der Subventionsbedarf ist groß, die Infrastrukturaufwendungen sind enorm.

Eine Batterie geht auch anders: Nämlich aus chemischen Energieträgern. In einigen Regionen der Erde kann Kraftstoff für unter 1 Euro pro Liter Kraftstoff aus Sonne und Wind hergestellt werden – mit vergleichbarem Gesamtwirkungsgrad! Mit diesen sogenannten reFuels können existierende Fahrzeuge weiter betrieben werden, der Staat kann über 60 Millionen Euro pro Jahr (Energie-, Kfz-, CO2- und Mehrwertsteuer) einnehmen.

Hunderte von Energieexperten der Universitäten in ganz Europa haben die EU-Politik darauf hingewiesen, dass sie bei der CO2-Analyse von Elektroautos schweren Berechnungsfehlern aufsitzt. Trotzdem scheint dies alles die EU-Kommission kaum zu beeindrucken. Was ist da los?

Verantwortlich für die Durchführung des Gesetzgebung des „Green Deal“ ist der niederländische Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans. Er verweigert seit Jahren jegliche Kompromissbereitschaft und will nicht zulassen, dass neben der elektrischen Batterie auch e-Fuels als Zukunftslösung dienen können. Und so wird beim Konzeptvergleich einfach nicht angerechnet, das auch durch CO2-neutrale Kraftstoffe CO2 eingespart werden kann.

Dem Autor sind Aussagen und Rückmeldungen von Vorständen, Firmen- und Verbandsvertretern der deutschen Automobilindustrie bekannt. Dort heißt es: „Gespräche mit Timmermanns sind Zeitverschwendung. Wir werden erpresst. Nur ‚elektrisch‘ wird akzeptiert.“

Jetzt hat Timmermans seine Gründe nochmals in einem kurzen Positions-Pamphlet gestreut. Nicht ein einziges stichhaltiges Argument wird darin genannt. Die USA und China würden angeblich auch auf Elektromobilität setzen, der „Green Deal“ sei eben wichtig.

In Wirklichkeit setzt insbesondere China gerade an, zum Weltmarktführer bei moderner Hybrid-Technologie zu werden. Und die Elektroautos können sich nur durch schweren Klimabilanzbetrug der EU-Kommission ein grünes Label umhängen lassen. Auch nach 2035 wird fossile Energie zur Stromerzeugung benötigt.

Das Thema hat auch gesellschaftliche Relevanz. Denn wenn eine Minderheit mit skandalösem CO2-Bilanzbetrug und fadenscheinigen Argumenten die Bedürfnisse und Wünsche der Mehrheit ignoriert, werden freiheitlich-demokratische Werte angegriffen. Und es wird klar, dass es nur vordergründig um die Frage „Elektro versus Verbrenner“ geht. Tatsächlich soll eine gesellschaftliche Transformation erzwungen werde, koste es, was es wolle. Auch dann, wenn der CO2-Ausstoß dabei sogar steigt. (cen)


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Thomas Koch.

Thomas Koch.

Foto: Autoren-Union Mobilität/KIT (Archivbild)